Hamburg, 1701: Eine kopflose Frauenleiche wird am Schweinemarkt gefunden. Für diesen zunächst rätselhaften Mordfall gibt es bald eine überraschende Verdächtige. Ilsabe Bunk, die sich Hinrich nennt, Männerkleidung trägt und mit Frauen zusammenlebt. Ihr Pflichtverteidiger, der junge Hinrich Wrangel, ist gerade erst in Hamburg angekommen, die dortigen Seilschaften sind ihm fremd, er geht mit unverbautem Blick ans Werk. Er recherchiert und merkt schnell, dass Bunk den ihr zur Last gelegten Mord nicht begangen haben kann. Zu seinem Entsetzen gesteht die Angeklagte überraschend. Dennoch kämpft der junge Mann um ein gerechtes Verfahren für seine Mandantin und versucht, sie zu einer Rücknahme ihres Geständnisses zu bewegen. Er ahnt nicht einmal, mit welch mächtigen Gegnern er sich dabei anlegt und welch eine uneheuerliche Intrige man hofft, mit der Verurteilung des "Schandweibs" vertuschen zu können. Unerwartete Hilfe bekommt Wrangel von der jüdischen Bankierstochter Ruth.
Der faszinierenden Story liegt ein authentischer Kriminalfall zugrunde. Eingebettet in reichlich Lokalkolorit und ausgedehnte Beschreibungen des gesellschaftlichen und politischen Lebens in jeder Epoche, erfahren Leser viel über die damalige Rechtsprechung und die teils unmenschliche Behandlung von Verdächtigen.
Die Autorin ist Wissenschaftlerin und hat ausgiebig recherchiert. Es kam eine fundierte Beschreibung der damaligen Zeit heraus. Leider ist dabei auch der Stil des Buches recht trocken und "wissenschaftlich" geworden. Besonders zu Beginn, wenn man noch nicht in der Geschichte drin ist, sind die ellenlangen Beschreibungen von Örtlichkeit und Gewohnheiten ermüdend. Der Stil ist oft beschreibend und völlig humorlos. Die Geschehnisse rund um den Anwalt hätten durchaus mehr Süffigkeit und Lebendigkeit vertragen. Die Liebesgeschichte wirkt aufgesetzt und kein bisschen inspiriert, es fehlt an romantischem Esprit. Die ständigen Hinweise auf die gesellschaftliche Stellung der Frauen, mit all ihren Einschränkungen für vive, intelligente, aufgeschlossene Gemüter, sind wichtig, aber irgendwann zu penetrant in ihrer Wiederholung, die zunehmend mit erhobenem Zeigefinger einherzugehen scheint.
Lebendig geschildert sind lediglich die Teile des Buches, in denen das ereignisprallen Leben der Ilsabe Bunk, des "Schandweibs", geschildert wird.Hier lebt die Geschichte und atmet Not, Verzweiflung und auch ein bisschen Glück eines Menschen, der in seiner sexuellen Identität nicht so einfach einzuordnen ist, wie es sich für die damalige Zeit "gehörte".
Fazit: Eine von der Grundlage her faszinierende Story mit viel historischem Kolorit, sprachlich trocken und teilweise ermüdend.