Seit dieses Buch angekündigt wurde fieberte ich dem Erscheinungsdatum entgegen, da ich auch die vorigen fünf Bücher der Felidae- Reihe verschlungen hatte. Vorgestern hielt ich "Schandtat", den bereits sechsten Band, dann endlich in Händen. Und ums gleich kurz zu fassen, ich wurde nicht enttäuscht.
Da der fünfte Teil "Salve Roma" zwar durch einen drastischen Schauplatzwechsel ein bisschen frischen Wind in Francis' Welt brachte, aber das Konzept mit der neuen Umgebung, in der er sich zurechtfinden muss und die ungeklärten Morde die sich ihm dort wieder stellen schon alt wurde, war ich neugierig, was dieses Buch parat hat. Natürlich muss sich Francis auch diesmal wieder einem Fall annehmen. Aber nicht im Hier und Jetzt. Nein, was er klären will ist schon lange vergangen. Während er mit seiner geliebten Sancta, die er aus Rom mitnehmen durfte, seinem Freund Blaubart (den es nun auch schon seit dem ersten Teil gibt) und seinem Sohn, der zum ersten Mal im dritten Teil auftauchte, am Kamin döst, fragt ihn dieser, wie er eigentlich zu dem wurde, was er jetzt ist. Zu einem Meisterdetektiv. Und Francis beginnt zu erzählen was vor siebzehn Jahren geschehen ist.
Ich will an dieser Stelle nicht mehr sagen, außer, dass dieses Buch wirklich sehr erfrischend ist. Man erfährt sehr viel über Francis' Vergangenheit und was alles sogar noch vor dem ersten Band "Felidae" geschah und so sieht man einiges vielleicht aus einem anderen Blickwinkel und dass man die Geschehnisse chronologisch auch noch vor dem ersten Teil einordnen kann, macht das Ganze komplex und spannend. Es wird eine Verbindung zwischen dem Damals und dem Jetzt hergestellt und auch Francis' Sohn Junior ist dabei von großer Bedeutung. Die Zusammenarbeit von Vater und Sohn und die Möglichkeit auch hier die Entwicklungen, Eigenheiten und Vorgehensweisen zu vergleichen, ist ebenso interessant (das gibt auch dem Sprichwort "Wie der Vater, so der Sohn" eine ganz neue Bedeutung). Hier möchte ich auch andeuten, dass zum ersten Mal in der Felidae- Reihe auch mal jemand anders mit Erzählen dran ist.
Die Geschichte an sich ist wie gewohnt düster und verstrickt. Doch wie gesagt gibt ihr der Fakt dass nicht nur die Gegenwart eine Rolle spielt, sondern Entscheidendes schon siebzehn Jahre vergangen ist, eine gewisse Würze und Frische, die dieses Buch von seinen Vorgängern unterscheidet. Am Ende wird die Geschichte dann doch ziemlich abstrus und unrealistisch, und eines kann ich sagen, hätte ich die letzten 3-4 Seiten nicht gelesen, hätte das Buch wahrscheinlich nur 3 Punkte von mir bekommen, doch die Erklärung und ein für diesen komplexen Krimi perfektes Ende setzen dem sechsten Abenteuer von Francis, unserem geliebten Kater mit seinen zynischen Kommentaren, die Krone auf. Es ist auch nett Anspielungen zu anderen Büchern Pirinccis zu entdecken und dass die restlichen Charaktere, die wir von vorigen Büchern in unser Herz geschlossen haben, auch wieder vorkommen. Die Philosophie und Moral des Buches kommt auch nicht zu kurz und regt den Leser zum Nachdenken an, was bis jetzt aber eigentlich immer der Fall gewesen war bei den Büchern.
Ein wirklich gelungenes Buch, das auf ein weiteres Abenteuer von Francis hoffen lässt. Oder vielleicht doch von Junior? Wer weiß...