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Schande Roman
  
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Schande Roman [Unbekannter Einband]


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Produktinformation

  • Unbekannter Einband
  • Verlag: Frankfurt am Main: S. Fischer Taschenbuch Verlag 2001 (1. Januar 2001)
  • ASIN: B002CD3W9Y
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (66 Kundenrezensionen)

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John M. Coetzee
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Baas en Klaas 10. Dezember 2006
Von Esther TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
... Herr und Knecht;

Die Geschichte der hingenommenen Schande in Südafrikas Post-Ära der Apartheid erzählt uns vom Literaturprofessor David Lurie und seiner Tochter Lucy. Während der Professor - ein Mann in den Fünfzigern - seine Universitätsstelle in Kapstadt mit einer leichtfertigen Affäre zur Studentin Miriam aufs Spiel setzt, sein Vergehen in der Anhörung offen bekennt ohne wirklich Stellung zu nehmen und der sozialen Ausgrenzung ins offene Messer läuft, führt seine Tochter ihr Leben auf einer Farm im Eastern Cap, von ihrer Lebensgefährtin getrennt, umgeben von fleißigen, aufstrebenden Schwarzen. Sind beide von ihrer Lebenseinstellung auch sehr unterschiedlich, verbindet sie doch die Schande, die sie sich unangefochten zu tragen aufgebürdet haben - David Lurie im Bekenntnis seiner Affäre und Rückzug aus seinem gewohnten Lebensumfeld - Lucy Lurie im Schweigen zur Vergewaltigung durch drei Schwarze, die sie im eigenen Haus überfallen haben und ihrer anschließenden Unterwerfung. Dennoch wird sie das fehlende Verständnis für die Handlungen des anderen erneut voneinander entfernen.

Ich möchte mir nicht anmaßen, eine Meinung über das Handeln der beiden Hauptdarsteller zu bilden. Diese Situation verstehen zu können, fordert voraussichtlich das Erleben Südafrikas und ihrer politischen Situation. Dennoch ist der Fortlauf der Geschichte und die Unfähigkeit, eine Wende herbeizuführen Furcht erregend - am erschreckensten die selbstverständliche Beschreibung des Geschehens, das mir das Gefühl des eigenen, feigen Mitansehens hinterlässt.

Ein düsterer und tragischer Roman in definitiv berührender Ausführung, die in vollem Ausmaß trifft, je länger man darüber nachdenkt.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Brillante Charakterstudie 24. März 2000
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
"Für einen Mann seines Alters, zweiundfünfzig, geschieden, hat er seiner Ansicht nach das Sexproblem recht gut im Griff". David Lurie, Professor für Kommunikationswissenschaften an einer südafrikanischen Universität, weiß, daß seine Aktien beim weiblichen Geschlecht sinken. Er kennt die unumkehrbare Talfahrt, die Männer seines Alters erwartet - und ob er wirklich alles im Griff hat möchte man auch bezweifeln, denn sexuelle Erfüllung kann ihm nur noch der wöchentliche Besuch bei der Prostituierten Soraya verschaffen. Das mühsame errichtete Gerüst des Alltags bekommt erste Risse, als er Soraya mit zwei Kindern zusammen sieht. Lurie spricht sie vorsichtig auf die Kinder an und umgehend enden die seligmachenden Donnerstage, denn Soraya verschließt sich und wendet sich endgültig von ihm ab. "Er sollte aufgeben, vom Feld gehen", lautet Luries Selbsterkenntnis. J.M. Coetzee beschreibt in seinem glänzenden Roman "Schande" im folgenden das rasche Ausscheiden aus dem, was Lurie ein normales Leben nennt. Die Studentin Melanie Isaacs gerät in das Fadenkreuz seiner Suche nach Nähe und Intimität und eine kurze, folgenschwere Beziehung zwischen beiden stürzt Lurie ins Verderben. Melanie ist sich ihrer Gefühle nicht sicher und läßt die Annäherungen des alternden Mannes geschehen, ohne seine Leidenschaft teilen zu können. Nur kurze Zeit später sieht sich Lurie mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung konfrontiert - das Ende seiner Tätigkeit an der Universität ist gekommen. Zu einer wirklich großen Erzählung wird der Roman nun durch den zweiten Teil, der Lurie auf die Farm seiner Tochter bringt. Zusammen geraten Vater und Tochter in einen schrecklichen Moment der Gewalt, und erneut sieht sich Lurie auf der Seite des Versagers, nur diesmal nicht durch aktives Handeln sondern durch den passiven Akt der Abwesenheit. Coetzee gelingt ein beeindruckendes Porträt eines Mannes, der auf der Suche nach der Identität ins Trudeln gerät und sich unwiderruflich mit den dunklen Schatten der Existenz auseinandersetzen muß. Je nach Sichtweise ein trotz oder gerade wegen der Ausweglosigkeit der Situation brillantes Buch.
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27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Eine kritische Betrachtung von J. M. Coetzees Roman Schande muß schon mit der Umschlaggestaltung der deutschen Ausgabe beginnen. Ein südafrikanischer Autor, ein Roman aus Südafrika, das kann in den Augen der Gestalter des S. Fischer Verlags offensichtlich nur ein Problem zwischen Schwarz und Weiß behandeln. Das Coverfoto einer jungen Weißen mit einem zur Hälfte schwarz gemalten Gesicht ist ein beredtes Beispiel für die gedankenlose grafische Umsetzung des Inhalts. Es ist fast so, als wollte man eine Ausgabe von Romeo und Julia mit einem niedlichen Herzchen zusammenfassen. Ganz anders die Originalausgabe, die ganz und gar leer und weiß ist, nur mit dem Namen des Autors versehen und mittendrin, ganz winzig, das Wort Disgrace. Die damit gezeigte Leere, das Tabula rasa, das zaghafte Wort, das sind tatsächliche Aspekte des Buches.

Auch der Titel Schande ist problematisch. Zwar bedeutet das Wort Disgrace Schande, aber auch Erbärmlichkeit und Ungnade. Was und wer erbärmlich ist oder in Ungnade gefallen, darüber wird zu reden sein. Schande wird meist verstanden als Ahndung eines die gesellschaftlichen Normen verletzenden Verhaltens und diese Normen sind zumeist alte, überlebte Ansichten von Ehre und Moral. Deswegen begegnen wir dem Begriff fast nur noch im Zusammenhang mit dem Aufbegehren gegen heuchlerische Zwangsmoral. Das aber ist nicht Thema des Buches von Coetzee.

David Lurie ist niemand, der mit Bedacht jungen Mädchen nachsteigt. Seine sexuellen Bedürfnisse regelt er mit professioneller Hilfe. Das hat etwas Hygienisches, Sachliches an sich, wie der Gang zur Fußpflegerin. Seine Affaire mit der Studentin Melanie, die schließlich zu seinem Ausscheiden aus der Universität führen wird, hat einen anderen Hintergrund. Er ist Professor für Literatur, er ist ein Verehrer von Byron. Das Thema das Lurie später bei seinem Libretto behandeln wird ist die romantische Liebes- und Lebenslehrerschaft des reifen Poeten zu einem jungen bildbaren Mädchen. Das derlei Beziehungen immer verkappte Sexinteressen verfolgen ist nicht seine Schuld. Da ist auch er Kind einer entsprechenden Kultur. Insofern ist der Begriff Schande für dieses Verhalten ein heuchlerischer Ausdruck und sicherlich nicht Titelgeber für das Buch.

Das Buch dagegen durchzieht ein permanenter Niedergang. Vordergründig ein persönlicher, Rückstufung vom Professor zum Assistenzprofessor, Verjagung aus dem Amt, Vertreibung aus seinem sozialen Umfeld und als Endstation Assistent bei der Tötung überzähliger Hunde. Eigentlich aber geht es um den Niedergang dessen, was wir als westliche Kultur betrachten. Schon die Universität scheint sich davon zu verabschieden, indem sie sich nüchternen Themen zuwendet und sich in Technische Universität umbenennt. Sprache soll in ihr nicht mehr als abgehobene literarische Ausdrucksform, sondern nur noch als Kommunikationsmittel gelehrt werden. Dafür ist der Schöngeist jedoch überqualifiziert und folglich wird er zurückgestuft. Die Studenten interessieren sich auch nicht für seine Themen. Er sitzt sozusagen auf einem langsam verdorrenden Ast. An diesem Niedergang leidet Lurie und deshalb ist er auch nicht bereit und zu stolz, um seine Affaire mit Melanie unter dem politischen Gesichtspunkt der sexuellen Belästigung abhandeln zu lassen. Für ihn geht es hier um geistige Besitzstandwahrung.

Die um sich greifende Entliterarisierung der Sprache bringt ihn auch dazu, dem geschriebenen Wort mehr und mehr zu Mißtrauen. Bei seiner Auffassung, Sprache sei Klang, der die Leere der Seele füllt, muß er, um dem allgemeinen Kommunikationsgeschwafel zu entgehen, auf den Gesang ausweichen. Aber auch da ist der allgemeine Niedergang nicht aufzuhalten. Die fülligen Arien weichen bei fortschreitender Beschäftigung kleinen, klagenden Stimmchen. Die opulente Orchestermusik wenigen Streichern und schließlich einer verstimmten Kinderukulele „plink-ploink". In dem Motiv der von ihm projektierten Oper wird meines Erachtens dieser Niedergang auf der Ebene der Kultur, wie er sie versteht, thematisiert. Dieser Niedergang scheint das Einzige zu sein, was ihn wirklich leiden läßt. Dagegen läßt er nicht erkennen, ob ihn sein gesellschaftlicher Abstieg wirklich anficht. Eher scheint er ihn als eine Befreiung zu empfinden.

Coetzee gilt nach Aussage verschiedener Rezensenten als ein Verfasser von Fabeln. Seine Personage illustriert also beispielhaft Allgemeineres. Dies ist auch der Eindruck, den das Buch vermittelt. Zumal seine Figuren nicht besonders fein gezeichnet sind. Sie scheinen Platzhalter für „Problemgruppen". Bezogen auf die heutige südafrikanische Gesellschaft lassen sie sich ohne viel Mühe zuordnen. Lurie als Vertreter der herkömmlichen westlich gebildeten englischstämmigen weißen Oberschicht. Seine Tochter Lucy als Zusammenfassung der bodenständigen, trotzig abgekapselten Buren. Schließlich Petrus, als Repräsentant der das Land ergreifenden, sich neu einrichtenden schwarzen Bevölkerung. Das sind zugleich die Komponenten, die in Südafrika zusammenfinden müssen oder untergehen. Angesichts der Geschichte von Apartheit und Unterdrückung kein Unterfangen, für das es Patentrezepte gäbe oder das ohne schmerzende Einschnitte, Verletzungen und Racheversuche abginge.

Das Buch als Schilderung individueller Schicksale zu begreifen, heißt sicherlich, es mißzuverstehen. Es ist ein politisches Buch, ein kulturkritisches Buch, ein Buch, das Fragen nach dem Wie und Warum des Wandels in einer Zeit des allgemeinen Umbruchs stellt und seine Begleiterscheinungen beispielhaft schildert. Es bietet keine Lösung, es konstatiert. Angesichts der Tatsache, daß Coetzee sich schon in anderen Büchern mit dem Verhältnis des Menschen zu den Tieren beschäftigt hat und eine neue, partnerschaftliche Sicht des Verhältnisses einfordert, nimmt es nicht Wunder, daß dieses Motiv auch in Schande einen breiten Raum einnimmt. Mir scheint es nicht nur eine Episode zur Schilderung der Tiefe von Luries Fall zu sein. Unser „Vor die Hunde gehen", was sich aufdrängt und wohl meint, zu deren Fraß zu werden, erklärt sich in der englischen Version von „Going to the dogs" eher als das was er meint. Es mag den Ausschluß von der menschlichen Tafel meinen, den „Katzentisch", den Napf und die Gesellschaft der Hunde. Hierin, in einer dünkellosen, bescheidenen, den eigenen vermeintlichen Wert relativierenden Haltung, scheint einer der Lösungsvorschläge zu liegen, die das Buch anbietet. Lucy wird in Sicherheit leben können, wenn sie den burischen Besitzanspruch aufgibt und sich in die afrikanische Familie der neuen Landbesitzer integriert. Das ist etwas, was sie bei aller Verletzung spürt. Insofern kann sie eine Hoffnungsfigur für eines der südafrikanischen Probleme sein. David gibt seinen Anspruch kultureller Überlegenheit auf und entdeckt die Seele der Hunde und schmerzhaft auch die der anderen „Underdogs". Petrus erweist sich nach einem bitteren Moment der Rache als Stabilitätsfaktor und seine Familie, die auch die Rächer einschließt, als mögliches Refugium. Das alles sind Aussichten, die uns Europäern oder europäisch Geprägten quer im Halse stecken bleiben. Aber eine Botschaft des Buches kann sein: Wir müssen schlucken oder wir werden ersticken.

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Die Lieferung erfolgte prompt, das Buch ist in gutem Zustand. Das Buch selbst ist interessant.
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