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Schande: Roman Taschenbuch – 20. Juni 2001


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Produktinformation

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 7. (20. Juni 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596150981
  • ISBN-13: 978-3596150984
  • Originaltitel: Disgrace
  • Größe und/oder Gewicht: 12,7 x 1,9 x 19,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (80 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.047 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

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David Lurie ist schon in seinem eigenen Leben kein Held, geschweige im dem von jemand anderem. Mit 52 Jahren ist der Protagonist von Schande am Ende seines beruflichen wie auch seines Liebeslebens angelangt und scheint geradezu absichtlich mit dem Unglück zu flirten. Seit langem Professor für Neuere Philologien am Cape Town University College in Kapstadt, wurde er kürzlich zum Assistenzprofessor für Kommunikation derselben Einrichtung degradiert, die mittlerweile ostentativ in Cape Technical University umbenannt wurde.

Obwohl er seiner neuen Disziplin täglich viele Stunden widmet, findet er deren erste Prämisse, wie sie im "Communications 101"-Handbuch formuliert ist, geradezu absurd: "Die menschliche Gesellschaft hat die Sprache erfunden, damit wir unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Absichten einander mitteilen können." Seiner Ansicht nach -- die er für sich behält -- liegen die Ursprünge der Sprache im Gesang, die Ursprünge des Gesangs wiederum in der Notwendigkeit, die übergroße und ziemlich leere menschliche Seele mit Klang zu erfüllen.

David, der bereits zweimal geschieden ist und dessen äußerliche Anziehungskraft nachläßt, verführt auf ziemlich unbarmherzige Weise eine seiner Studentinnen; sein unschickliches Verhalten wird bald aufgedeckt. In seinem achten Roman wäre J.M. Coetzee vielleicht damit zufrieden gewesen, eine tiefgründige akademische Satire zu schreiben. Aber in Schande hat er sich weitaus mehr vorgenommen, und seine Kunst ist so kompromißlos wie seine Hauptfigur -- allerdings auch unendlich komplexer. Nicht bereit, das Spiel der öffentliche Reue mitzumachen, läßt sich David schließlich feuern -- eine letzte Geste der Verachtung. Nun, denkt er, kann er sich hinsetzen und etwas über Byrons letzte Lebensjahre schreiben -- keine leere, ungelesene Kritik, "Prosa als Meterware" sozusagen, sondern ein Libretto. Zu diesem Zweck reist er in die Ost-Kap-Provinz zur Farm seiner Tochter. Lucy, die Mitte Zwanzig ist, kehrte dem Schick der Stadt den Rücken und lebt nun auf fünf Hektar Land vom Blumen- und Gemüseanbau und einem Hundeasyl. "Nichts könnte einfacher sein", denkt David. In Wirklichkeit könnte nichts schwieriger sein -- oder, jetzt im neuen Südafrika, gefährlicher. Weit davon entfernt, die Zuflucht zu sein, die er gesucht hat, ist in Salem kaum etwas sicher. Gerade als sich David in seine vorübergehende Rolle als Landarbeiter und wenig begeisterter Freiwilliger im Tierheim eingelebt hat, werden er und Lucy von drei schwarzen Männern überfallen. Unfähig, seine Tochter zu beschützen, ist Davids Schande nun komplett. Ihre ist allerdings weitaus größer.

Es gibt in Coetzees schmerzlichem Roman viel mehr zu erkunden, und wenig davon ist tröstlich. Es wäre zu einfach, seinen Titel aufzugreifen und Schande als eine komplizierte Aufarbeitung persönlicher und politischer Schande und Verantwortung zu betrachten. Aber das Anliegen des Autors ist die Geschichte seines Landes, die Brutalitäten und der Verrat. Coetzee setzt sich auch mit der Frage auseinander, wieviel Seele und wieviele Rechte wir Tieren zugestehen. Nach dem Überfall nimmt David seine Rolle im Hundeasyl viel ernster und findet schließlich eine Art Zuhause und ein gewisses Maß an Liebe. In Coetzees The Lives of Animals, vor kurzem in der Schriftenreihe der Princeton University erschienen, erzählt eine alternde Romanschriftstellerin ihren Zuhörern, daß die Frage, die alle Labor- und Zootiere beschäftigt, lautet: "Wo ist mein Zuhause, und wie komme ich dorthin?" Obwohl er im Vergleich zu den ungewollten Tieren, die in seiner Obhut sind, geradezu allmächtig ist, ist David letztendlich genauso gefangen und genauso verloren wie sie.

Schande ist geradezu gewollt einfach. Und doch besitzt es seine ganz eigene magere,herzzerreißende Lyrik, vor allem in den Beschreibungen der ungewollten Tiere. Am Anfang der Geschichte erklärt David seiner Studentin, daß Lyrik den Leser entweder sofort anspricht -- "eine plötzliche Offenbarung und eine plötzliche Reaktion" -- oder überhaupt nicht. Coetzees Buch spricht da anders; seine Schichten und Traurigkeiten wickeln sich endlos ab. --Kerry Fried -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

Die fortwirkende Erbschaft von Hass und Rachsucht, die das formelle Ende der Apartheid noch lange überdauern wird, beschwört J. M. Coetzee in lakonischer Sprache - und mit der Bannkraft von Weltliteratur." (Der Spiegel) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Felix-ine TOP 500 REZENSENT am 21. Juni 2014
Format: Broschiert
Es kam für den zweiundfünfzigjährigen Literaturprofessor David Lurie aus Kapstadt mit voller Wucht..., als eines Tages der Vater der von ihm verführten zwanzigjährigen Studentin Melanie Isaacs an der Cape Technical University vor ihm steht und einen Skandal heraufbeschwört.

Gegen David wird Anzeige nach Paragraph 3.1 des Ehrenkodex der Universität erstattet. Er gesteht alle Punkte der Anklage, die ein Untersuchungsausschuss der Uni ihm vorlegt, bereut entgegen auf Anraten seiner Kollegen nichts und muss seinen Dienst quittieren.

Davids Vergehen wird öffentlich, die Presse macht Jagd auf ihn. Er entzieht sich dem und fährt zu seiner erwachsenen Tochter Lucy, die aus einer gescheiterten Ehe stammt, in die Provinz Ost-Kap nach Salem, wo sie eine kleine Farm betreibt und ihren Lebensunterhalt mit einer Hundepension und dem Verkauf von selbst gezogenen Gemüsesorten und Blumen verdient. Zudem engagiert sich Lucy zusammen mit ihrer Freundin Bev Shaw für den Tierschutzbund E.V. 1529.

Er und Lucy führen tiefgreifende Gespräche, die oft mit den zurückliegenden Ausschweifungen seines unkontrollierten Sex-Verlangens und mit Triebrechtfertigung zu tun haben und ihn spät erkennen lassen, dass er sich andere Prioritäten in seinem Leben hätte setzen müssen.
Als Lucy und er eines Tages von drei Männern auf der Farm brutal überfallen und die Hunde in den Zwingern erschossen werden gerät ihr Leben aus den Fugen.

Es ist das erste Buch des Schriftstellers J.M. Coetzee, das ich gelesen habe. Der Autor hat es verstanden sein Buch mit einer äußerst spannenden Handlung bis zur letzten Seite zu füllen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Susanne Preusker VINE-PRODUKTTESTER am 6. Oktober 2009
Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Einige Facetten dieser Geschichte, deren Inhalt hier bereits ausführlich beschrieben und zusammengefaßt ist, erschließen sich dem mitteleuropäisch sozialisierten Leser vielleicht nur mit Mühe: da wäre dieser alternde, arrogante, auf peinlich-intellektualisierende Art frauenverachtende Professor, der im wahrsten Sinne des Wortes vor die Hunde geht; da wäre diese junge Frau, die sich so befremdlich in ein Schicksal ergibt, welches erschauern läßt; da wäre eine trostlose Affaire zweier abgrundtief einsamer Menschen in noch trostloserer Umgebung. Und immer wieder diese unüberbrückbaren Gegensätze: zwischen Vater und Tochter, Mann und Frau, weiß und schwarz, arm und reich, dem Schönen an sich und dem Bösen an sich, zwischen Intellekt und Gewalt, zwangsweiser und freiwillig gewählter Ohnmacht - die Liste ließe sich fortsetzen. In schlichten, klaren Worten entführt der Roman in durch und durch widersprüchliche innere und äußere Welten, ohne (Er-)Lösung anzubieten - und bestünde diese auch nur in Sympathie für die Protagonisten. Ein Buch, das es verdient, mehrfach gelesen zu werden. Ein Buch, dem man nur mit Respekt begegnen kann. Ein Meisterwerk aus einer fremden Welt.
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25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Ein Kunde am 9. Dezember 2003
Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Eine ergreifende Geschichte über das Leben, die Begierde und Hoffnung, das Berechnende im Menschen, das Enttäuscht-Werden, das Ins-Leben-Geworfen-Sein und nicht zuletzt die Liebe. Der Roman ist für mich so eine Art Initiationsgeschichte, weil er zeigt, wie ein Mann mittleren Alters entdeckt, dass es nicht nur das Mittelklasseleben (hier: an der Universität in Kapstadt) gibt, sondern auch andere Werte und andere Kämpfe, den ums Überleben, den um die Durchsetzung der eigenen Ideale, der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Immer wieder verdeutlicht das Buch, dass der Mensch ein kultiviertes Wesen ist, seine Lebenskraft jedoch aus ursprünglichen und schwer zu zügelnden Quellen schöpft. Es ist damit Gesellschaftskritik in seiner höchsten Form, weil es die Unterdrückung der Natur des Einzelnen zugunsten materieller Vorteile der Gemeinschaft anprangert. Es gibt kein zurück. Einmal Mensch, muss ich wohl den angeborenen und anerzogenen Gesetzen gleichermaßen folgen. Das traurige und zugleich ermunternde Fazit dieses Werkes ist, dass jeder diese Aufgabe für sich allein lösen muss.
Brilliante Sprache, knapp und trocken, klar und intelligent, die Seele nur gelegentlich aber deutlich fühlbar durchscheinen lassend, passend zu diesem Mann an diesem Ort. Der Übersetzer hat ganze Arbeit geleistet. (Andreas Viebke)
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34 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von hanjo-s@t-online.de am 10. April 2000
Format: Gebundene Ausgabe
Eine kritische Betrachtung von J. M. Coetzees Roman Schande muß schon mit der Umschlaggestaltung der deutschen Ausgabe beginnen. Ein südafrikanischer Autor, ein Roman aus Südafrika, das kann in den Augen der Gestalter des S. Fischer Verlags offensichtlich nur ein Problem zwischen Schwarz und Weiß behandeln. Das Coverfoto einer jungen Weißen mit einem zur Hälfte schwarz gemalten Gesicht ist ein beredtes Beispiel für die gedankenlose grafische Umsetzung des Inhalts. Es ist fast so, als wollte man eine Ausgabe von Romeo und Julia mit einem niedlichen Herzchen zusammenfassen. Ganz anders die Originalausgabe, die ganz und gar leer und weiß ist, nur mit dem Namen des Autors versehen und mittendrin, ganz winzig, das Wort Disgrace. Die damit gezeigte Leere, das Tabula rasa, das zaghafte Wort, das sind tatsächliche Aspekte des Buches.
Auch der Titel Schande ist problematisch. Zwar bedeutet das Wort Disgrace Schande, aber auch Erbärmlichkeit und Ungnade. Was und wer erbärmlich ist oder in Ungnade gefallen, darüber wird zu reden sein. Schande wird meist verstanden als Ahndung eines die gesellschaftlichen Normen verletzenden Verhaltens und diese Normen sind zumeist alte, überlebte Ansichten von Ehre und Moral. Deswegen begegnen wir dem Begriff fast nur noch im Zusammenhang mit dem Aufbegehren gegen heuchlerische Zwangsmoral. Das aber ist nicht Thema des Buches von Coetzee.
David Lurie ist niemand, der mit Bedacht jungen Mädchen nachsteigt. Seine sexuellen Bedürfnisse regelt er mit professioneller Hilfe. Das hat etwas Hygienisches, Sachliches an sich, wie der Gang zur Fußpflegerin.
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