David Lurie ist Literaturprofessor und Repräsentant einer weissen intellektuellen Klasse in Südafrika, für seinen brillianten Scharfsinn geschätzt, aber auch für seine Selbstüberschätzung und Arroganz bekannt. Als er eine Affäre mit einer Studentin beginnt und deren Ende nicht akzeptieren kann, wird er zur Zielscheibe einer von anderen Professoren einberufenen Ermittlungskommission. Anstatt aber den Fehler einzuräumen und die aufgedeckte Liason schlussendlich relativ schadlos zu überstehen, entscheidet er sich, seinem Naturell entsprechend, für die Entfernung aus dem Lehramt um sich so der Schande der Anklage eines seiner Meinung nach inszinierten Tribunals zu entziehen.
Da er sich nun im schwebenden Zustand befindet und bedingt durch die plötzliche Erwerbslosigkeit genügend freie Zeit zur Verfügung hat, entschliesst er sich zu seiner Tochter Lucy zu reisen, die ausserhalb der Großstadt auf einer Farm mit ihren Hunden lebt und arbeitet und in Grundzügen so gar keine Ähnlichkeit mit ihrem Vater hat. Lurie fällt es schwer sich an den Tagesablauf seiner Tochter zu gewöhnen, ihn trennen Welten von ihr, wenn es um das Verständnis anderen Menschen gegenüber geht, einer Anpassung an ein Leben fernab einer Großstadt in der es Anerkennung für die geistigen Fähigkeiten gibt, in denen nicht der als Privilegiert gilt, der die Vorzüge romantischer Literatur zu erkennen vermag. So gut es ihm möglich ist, versucht er das Leben seiner Tochter nach zu vollziehen, beginnt sich mit den Menschen die ihr Leben begleiten zu arrangieren auch wenn seine überhebliche Art und eine fehlende Akzeptanz eines anderen Lebens gegenüber die Distanz nicht zu überwinden weiss.
Nach eine Spaziergang mit seiner Tochter beginnt die Tragödie. Die Farm wird von drei schwarzen überfallen. Die Hunde werden getötet und Lurie wird in die Toilette eingeschlossen, mit Benzin übergossen und entgeht nur knapp dem Tod durch Verbrennen. Seine Tochter wird brutal vergewaltigt und hüllt sich fortan in Schweigen. Zum Entsetzen des Vaters weigert sie sich bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Mehr noch, sie zieht sich in sich zurück und versucht ihr Leben weiterzuleben. Für Lurie bricht alles zusammen, als die Täter auf einer Party auftauchen und der Anschein entsteht, als wäre wirklich nie etwas vorgefallen.
Steve Jacob gelang es auf bemerkenswerte Art und Weise, die Romanvorlage in visuell stimmungsvolle und ausdrucksstarke Bilder umzuwandeln und das, obwohl "Schande" erst sein zweiter Film war. Die Verfilmung verbreitet eine düstere Sicht, einige Verhaltensweisen der Protagonisten wirken dabei geradezu grotest und surreal. Ich fühlte mich beim Abspann, als ob ich von einer Dampfwalze überrollt wurde, niedergeschlagen und fassungslos.
John Malkovich spielt wieder einmal überragend die Rolle, die ihn groß gemacht hat und die ich in Filmen wie "Himmel über der Wüste" oder "Ripley's Game" stets bewundert habe. Der berechnende, oftmals über das Ziel hinaus schiessende Zyniker, der sich selbst überschätzt und wenig darauf gibt was andere von ihm halten mögen, aber in dessen Inneren immer auch ein Herz versteckt ist, welches in der Dunkelheit bitterliche Tränen weint. Auch Fiona Press spielt ihre Rolle vollkommen überzeugend, von der lebenslustigen Frau, die sich ihr eigenes Nest geschaffen hat, hin zu einem Menschen, der innerlich gebrochen wurde, aber aufgrund einer kulturellen Zugehörigkeit, diese nicht dem Verrat aussetzen will. Insgesamt ist "Schande" wirklich eine Meisterleistung und mehr als sehenswert!