Max Bronski ist 1964 in München geboren und hat laut Klappentext seine Heimatstadt nie verlasen. Er hat sich mit einem Theologiestudium versucht, sich mit allerlei Jobs über Wasser gehalten, gemalt und vor allem geschrieben. Und da er das wirklich gut kann, ist er dabei hängen geblieben.
Schon seine beiden ersten Romane haben überzeugt und in einer bestimmten Szene seine Hauptfigur zum Kult werden lassen. Auch der neue Roman "Schampanninger" überzeugt wieder durch seine sprachliche Spritzigkeit und eine absolut skurrile Hauptfigur, die uns durch ein München führt, das nur der in seine Stadt verliebte und vernarrte Ureinwohner so beschreiben kann.
Wilhelm Gossec, in dem Max Bronski, wie ich vermute, viele seiner eigenen Lebenserfahrungen verdichtet hat, ist ein Antiquitätenhändler. Sein Laden im Schlachthofviertel ist nur fünf Minuten von der Theresienwiese entfernt, wo alljährlich im Spätsommer das Oktoberfest stattfindet, ein Massenereignis, das Menschen aus vielen Ländern geradezu magisch anzieht und für die Einheimischen mittlerweile eher eine Last als eine Lust ist.
Immer rechtzeitig vor diesem Massenbesäufnis stellt Wilhelm Gossec speziell für die vielen ausländischen Gäste sein Sortiment um auf Bavaria und verdient nicht schlecht damit. Ansonsten bestreitet er seinen eher bescheidenen Lebensunterhalt aus dem Verkauf von Exponaten, die er bei Haushaltsauflösungen in und um München gefunden hat.
Spielten bei den beiden ersten Büchern noch die einfachen Leute im Schlachthofviertel die Hauptrolle, hat Max Bronski sich dieses Mal die Münchner Schickeria vorgenommen. Und wie er in einem Interview bestätigt, hat er dabei durchaus lebende Vorbilder im Sinn, als er seinen Protagonisten Gossec zusammentreffen lässt mit Berni Berghammer, "Sternekoch, geschäftlicher Tausendsassa, skrupelloses Schlitzohr und Liebling der Münchner Schickeria".
Wir befinden uns in der Adventszeit, doch was so beschaulich anfängt, entwickelt sich für Gossec zum dramatischen Thrill. Er tut einem alten Bekannten einen Gefallen und springt für ihn als Nikolaus ein. Doch statt nur eine kurze Rede zu halten und mit den anwesenden Senioren Glühwein zu picheln, wird Gossec niedergeschlagen und eingesperrt. Schneller als er denken kann, ist er verwickelt in Bankraub, Kokainhandel und Spendenunterschlagung.
Wie schon in den beiden anderen Büchern, kann es Gossec nicht lassen und beginnt zu ermitteln, wobei er dieses Mal mit seinen eigenen Methoden auch nicht gerade zimperlich ist.
Max Bronski hat ein wunderbar ironisches Buch geschrieben, das man wohl nur dann hundertprozentig verstehen und deshalb wertschätzen kann, wenn man die Szene kennt. Aber auch ohne Münchner Lokalkenntnisse ist die Lektüre ein Genuss.