Mir ist klar, dass ich gerade dabei bin völlig gegen den Trend der anderen Rezensenten zu schreiben, aber bei freier Meinungsäußerung darf man das ja wohl. Vorweg: Ich habe Martina Andres Rätsel der Tempelritter im MP3 Format genossen. Das war ein Hörbuch, wie ich es mir gewünscht habe. Klar, dass danach auch Schamanenfeuer in meinem MP3 Player landete. Zur Story:
Das Geheimnis um die Katastrophe von Tunguska wird in zwei Zeitebenen erzählt. In den Jahren vor der Großen Revolution wird der deutsche Wissenschaftsstudent Leonard Schenkendorf nach Tunguska verschleppt. Zusammen mit seiner großen Liebe Katja wird er festgenommen und die beiden werden in verschiedene Lager gebracht. Leonard entkommt dem Tod nur, weil er für das Regime, zusammen mit anderen Wissenschaftlern, eine Waffe entwickeln soll. Katja dient dabei als Druckmittel gegen den Deutschen.
Gute 100 Jahre später fährt die deutsche Wissenschaftlerin Viktoria Vanderberg mit einer Expepiditon nach Tunguska. Zusammen mit Mitarbeitern eines russischen Gasriesen und Regierungsvertretern soll die deutsche Expedition das Geheimnis von Tunguska enträtseln. Kaum angekommen geschieht ein Unglück und die Deutsche wird vom geheimnisvollen Leonid gerettet. Leonid muss sich verstecken, Regierungstruppen verfolgen ihn, seit er in Tschetschenien dunkle Machenschaften aufgedeckt hat. Zudem ist Leonid in der Tradition der großen tunguskischen Schamanen aufgezogen worden. Und nur die wissen genau über die Tunguska Katastrophe Bescheid.
Martina Andre verbindet die Handlungsstränge geschickt. Es ist nur schade, dass jeder, der das Rätsel der Tempelritter gelesen oder gehört hat, erkennt dass Martina Andre das komplette Handlungsgerüst dieses Romans in Schamanenfeuer übernommen hat. Hier werden die Zeitebenen zwar nicht mit Zeitsprüngen gewechselt, das war es dann aber auch schon. Die Figuren Leonids und Geros sind absolut deckungsgleich. Auch die anderen Protagonisten finden sich so, oder zumindest sehr ähnlich, in beiden Geschichten wieder. Es gibt das Wirtschaftsunternehmen mit finsteren Gesellen, Spione und Regierungsschergen, exakt wie beim Vorgänger. Als Zugabe gibt es eine gewaltige Portion Esoterik, die eventuell nicht jedermann schmecken wird. Dazu hat Martina Andre in Schamanenfeuer noch einen großen Schwung Erotik in die Geschichte gepackt. Das ist teilweise so präsent, dass es mich ein wenig an den guten alten Werbegedanken "Sex sells" erinnert hat. Aber wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung. Nach dem Genuss vom Rätsel der Tempelritter hat mich Schamanenfeuer, gelinde gesagt, enttäuscht.
Viele andere Leser und Hörer sehen das anders. Das dürfen sie auch. Und Sie sollten, wie immer, selbst entscheiden.