Am 13. Dezember 2007 wurde in Stuttgart die Ausstellung "Schamanen Sibiriens. Magier, Mittler, Heiler" eröffnet. Sie war eine Gemeinschaftsarbeit des Stuttgarter Lindenmuseums mit dem Russischen Ethnografischen Museum in St. Petersburg. Letzteres zählt zu den größten ethnografischen Museen der Welt und wurde 1902 durch einen Erlass des Zaren Nikolaus II. gegründet. Das Museum besitzt die wohl weltgrößte Sammlung über die Völker Sibiriens. Trotz vorangegangener Ausstellungen (u.a. 2008 in New York) ist die noch bis zum 26. Juni 2009 in Stuttgart beheimatete Ausstellung eine besondere. Während das St. Petersburger Museum noch vor einigen Jahren im Westen Deutschlands völlig unbekannt war, kam nun ein Kooperationsvertrag zustande, der auch für die nächsten Jahre interessante Ausstellungen in Stuttgart verspricht.
Die Schamanenausstellung ist auch für die Amerika-Fans von großem Interesse. Denn über Sibirien wanderten die ersten Indianer nach Amerika ein. Sie brachten dabei viel Wissen aus ihrer Heimat mit nach Amerika. So ist die Erforschung des Schamanentums und der Gebräuche der sibirischen Völker ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum besseren Verständnis der indigenen Kulturen Amerikas.
Der vorliegende Katalog, an dem deutsche und russische Wissenschaftler zusammen gearbeitet haben, bietet eine Vielzahl von Informationen und Hintergründen. Das Besondere an der Stuttgarter Ausstellung ist der konkrete Akzent auf einzelne Schamanenpersönlichkeiten.
Ein extra Kapitel widmet sich dem Schamanismus in seinen Variationen und zeigt die Synthese von Schamanismus und Buddhismus bei den sibirischen Völkern ebenso wie die Situation des Schamanismus in der Sowjetzeit und seine Wiederbelebung in Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion.
Ebenso werden im Katalog einzelne Festlichkeiten und die Rolle der Schamanen behandelt. Wer bisher immer dachte, in Sibirien gäbe es nur Eis und Schnee, der wird erstaunt feststellen, wie vielfältig das Leben der indigenen Bevölkerung Sibiriens ist. Und nicht von ungefähr werden auch Parallelen zur indigenen Bevölkerung Nordamerikas erkennbar. Die Lektüre des Katalogs ist eine große Wissensbereicherung.
Die in der Ausstellung gezeigten Objekte werden als Bestandteil der einzelnen Textbeiträge gezeigt, somit gibt es keinen reinen Katalogteil am Ende des Buches. Durch diese gelungene Integration der Abbildungen gewinnt die Verständlichkeit der Texte ungemein.
Dem Herausgeber ist hier in Zusammenarbeit mit allen Verantwortlichen ein ansprechender Katalog gelungen, der unbedingt zur Lektüre zu empfehlen ist. Wer nicht die Möglichkeit hatte, die Stuttgarter Ausstellung zu besuchen, dem sei auf alle Fälle der Katalog empfohlen.