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Scham - die tabuisierte Emotion
 
 
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Scham - die tabuisierte Emotion [Gebundene Ausgabe]

Stephan Marks
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 232 Seiten
  • Verlag: Patmos-Verlag; Auflage: 1 (15. August 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3491421039
  • ISBN-13: 978-3491421035
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,6 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 222.940 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Stephan Marks
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Scham ? was eine Emotion bewirkt

· Ursachen und Auswirkungen einer tabuisierten Emotion
· Faszinierende psychologische Analyse von Scham und Schamabwehr
· Wie wir mit einem tabuisierten Gefühl konstruktiv umgehen können

"Als mein Chef mich vor der kompletten Belegschaft kritisierte, hätte ich vor Scham im Erdboden versinken können!" "Ich geh nicht mehr zum Schwimmen! Die anderen Kinder hänseln mich, ich wäre so dick!" Scham ist eine Emotion, die jeder kennt und die Menschen im Innersten verletzt und bedroht. Aus diesem Grund wird selten über sie gesprochen. Dabei hat Scham viele Gesichter: Selbst so extreme Taten wie sogenannte "Ehrenmorde" und Selbstmordattentate beruhen auf dem Mechanismus von Scham und Schamabwehr.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Stephan Marks befasst sich in diesem Buch mit dem Phänomen der Scham. Dabei zeigt er zunächst die einzelnen Formen von Scham auf, die er jeweils näher erklärt. Thematisiert werden:

Anpassungs-Scham
Körper-Scham
Gruppen-Scham
Empathische Scham
Intimitäts-Scham

So versteht man unter dem Begriff "Empathische Scham" jene, die wir mit-fühlen, wenn wir Zeuge der Scham eines Mitmenschen sind, etwa wenn dieser erniedrigt wird. Empathische Scham befähigt uns zu Mitgefühl, Solidarität und Freundschaft und ist der Motor dafür, Schwachen beizustehen, sie zu schützen, oder zu verteidigen, (vgl. S.27).

Wer sich schämt, verliert -zumindest vorübergehend- die Geistesgegenwart und Selbstkontrolle. Menschen, die sich schämen, fühlen sich geistig wie gelähmt oder verwirrt. Man empfindet sich dann unfähig, unzulänglich, minderwertig, hilflos, schwach, machtlos, wertlos, lächerlich, gedemütigt oder gekränkt. Die Gefühle münden in folgende Reaktionen: Man fühlt sich deprimiert, traurig, enttäuscht, möchte in den Boden versinken, sich verbergen oder verstecken. Man verlässt fluchtartig die Scham auslösende Situation und läuft weg oder man wird überheblich und aggressiv. Des Weiteren hat man den Impuls, die Person, die uns beschämt hat, ebenfalls zu beschämen oder anderweitig zu bestrafen, (vgl.: S.37).

Man erfährt wie Menschen körperlich auf Scham reagieren und wie sich Scham entwickelt. Es gibt zwei Vorstufen von Scham, einerseits die Intimitäts-Scham, andererseits die traumatische Scham. Die Intimitäts-Scham basiert in der Erfahrung der Heranwachsenden, dass seine Grenzen akzeptiert werden und dass er gesehen, geliebt und zugehörig ist. Hieraus kann sich das Bewusstsein der eigenen Würde entwickeln und auch die Fähigkeit gesunder Weise seine körperlichen und seelischen Grenzen zu schützen. Traumatische Scham ist mit dem Gefühl des Liebesunwert-Seins verbunden. Zustande kommt es durch eine extrem schmerzhafte Erfahrung oder auch durch eine Vielzahl von erniedrigender Erfahrungen, die sich zu einem kumulativ-traumatischen Beziehungsmuster aufaddieren, (vgl.: S.43).

Man erfährt, was man unter struktureller Erniedrigung zu verstehen hat und auch, dass Beschämung und Scham wie ein transgenerationaler Teufelskreis von Generation zu Generation weitergegeben wird, (vgl.: S. 51). Die Fähigkeit, Scham zu erleben, fußt auf einem Entwicklungsschritt, den Kinder erst ab Mitte des zweiten Lebensjahres vollziehen. Dann nämlich werden sie zu objektiver Selbsterkenntnis fähig, (vgl.: S. 53).

Der Autor erläutert, was man unter Anpassungs-Scham und Gewissens-Scham zu verstehen hat und unterstreicht, dass nicht selten Scham und Schuld verwechselt wird. Die Unterschiede zwischen Scham und Schuld zeigt er detailliert auf. Hierbei lässt er nicht unerwähnt, dass Scham in verschiedener Hinsicht ein narzisstischer Affekt ist, (vgl. S. 60ff.)

Dass Kränkungen krank machen, zeigt der Autor auch auf. Es geht sogar so weit zu konstatieren, dass der plötzliche Entzug von Anerkennung tödliche Folgen haben kann, (mehr dazu Seite 69). Beschämungen bis hin zum Mobbing bedingen einen unkontrollierbaren sozialen Stress und bedingen u.a. ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko, Depressionen und psychosomatische Symptome, (vgl.S.70).

Dargelegt wird auf welche Weise Schamgefühle abgewehrt werden. Zu Sprache gebracht werden die Verhaltensmuster des Versteckens, des Sich- Einigelns, der emotionalen Erstarrung, der Projektion, des Angreifens und hier des Beschämens, der Verachtung, des Zynismus, des Negativismus, der Schamlosigkeit, der Arroganz, des Grolls, des Neides, der Ressentiments, des Trotzes, des Zornes, der Wut und der Gewalt, des Wiederherstellens der verlorenen Ehre und als weiteres Verhaltensmuster das Fliehen und dort die Größenphantasien, die Idealisierung, der Perfektionismus, die Schwerverständlichkeit, Rätselhaftigkeit und schlussendlich die Sucht, (vgl.: S.99).

Nicht selten werden Schamgefühle dadurch abgewehrt, dass andere dazu gezwungen werden, sich zu schämen, sich für lächerlich oder liebensunwert zu halten. Aus diesem Grunde werden sie beschämt, erniedrigt, gedemütigt, verhöhnt und verspottet, (vgl.: S.79).

Um eigene Schamgefühle abzuwehren geht man so weit, andere zu zwingen, sich wie Dreck zu fühlen. Und um das zu erreichen, wird eingeschüchtert, entwürdigt, schikaniert und versucht den anderen zu vernichten, (vgl.: S.82). Zynismus ist ein Indiz dafür, dass jemand zutiefst verletzt ist. Das Gleiche gilt auch für Negativismus.

Schamlosigkeit entsteht übrigens nicht aus einem Mangel an Werten, sondern aus einem Widerstand gegen diese, (vgl.: S.86). Der Autor zeigt wie die einzelnen Schamgefühle unbewusst abgewehrt werden. Es ist interessant zu lesen, dass traumatisierte Menschen nicht selten versuchen, die Würde anderer zu verletzen. Man sollte sich das klar machen, wenn Mitmenschen es darauf anlegen zu verletzten und zu demütigen. Offenbar treibt eine seelisch kranke Struktur den Menschen in solche Verhaltensmuster. Wer verletzt, ist verletzt.

Marks macht deutlich, dass Frauen zu Schamabwehrreaktionen neigen, die sich auf die eigene Person richten (Depression, Trotz, Sucht), während Männer mit ihren Abwehrreaktionen gegen ihre Mitmenschen zielen (Verachtung, Gewalt), (vgl.: S.100-101).

In der Folge thematisiert der Autor die Auswirkungen von Scham und verschiedene Formen ihrer Abwehr für Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Erziehung. Sehr lesenswert ist hier das Kapitel "Scham und ihre Abwehr in der Nachkriegszeit".

Im Kapitel 5 erfährt man, wie man konstruktiv mit Scham umgeht. Das setzt voraus, dass man dies wahrnimmt. Wer seine Scham aushält und sie reflektiert, wird nicht mit destruktiver Schamabwehr agieren, sondern Selbstachtung und Selbstliebe erlernen. Welche positiven Folgen das hat, wird jedem spätestens dann klar, wenn er dieses aufschlussreiche und empfehlenswerte Buch gelesen hat.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses, nun 2009 schon in der zweiten Auflage erschienene Buch geht einem Phänomen nach, das lange nur in der Ägide der Psychoanalytiker beheimatet war. Es geht um eine Emotion, die Scham, die in unserem Leben und in unserer Gesellschaft kräftiger wirkt, als wir das gemeinhin für möglich halten.

Ob am Arbeitsplatz, in der Familie oder an anderen Orten begegnen wir der Scham, einer Emotion, die uns tief verletzt und nicht selten regelrecht bedroht. Aber auch aktuelle Phänomene wie die Ehrenmorde und Selbstmordattentate beruhen auf den Mechanismen der Scham bzw. der Schamabwehr.

In einer bemerkenswerten und vor allen Dingen verständlichen Weise beschreibt der Sozialwissenschaftler Stephan Marks, der 2010 ein wichtiges Buch über "die Würde des Menschen" vorgelegt hat, wie die Scham entsteht, wie sie sich auswirkt. Das wichtigste an diesem Buch aber ist, dass der Autor nicht nur phänomenologisch vorgeht, sondern auch an vielen Bespielen demonstriert, wie wir Menschen konstruktiv mit der Scham umgehen können und damit ihrer Tabuisierung entgegenwirken zum Nutzen unserer eigenen Lebensqualität.
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