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Schall und Wahn
 
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Schall und Wahn [Taschenbuch]

William Faulkner
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 8., Aufl. (26. Juni 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 325720096X
  • ISBN-13: 978-3257200966
  • Originaltitel: The Sound and the Fury
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 11,4 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 261.439 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Faulkners Meisterwerk." (La Stampa)

"Schall und Wahn katapultierte Faulkner in die erste Reihe der literarischen Moderne." (Neue Zürcher Zeitung)

"Ein modernistischer Meilenstein. Zerstörte Handlungschronologie und figurentypische Sprech- und Denkweise werden mit der Technik des Bewußtseinsstroms, der fließenden Assoziationsfolge unbewußte strukturierter Bilder und Visionen, zu einer multiperspektivischen Famlienchronik montiert. Wohl nur Virginia Woolfs form-inhaltlich ähnlich gestalteter Roman Die Wellen hält den Vergleich mit diesem Prosamonument aus." (Basler Zeitung)

"Gilt als Faulkners Hauptwerk. Auf verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen, mit den Mitteln des Bewußtseinsstromes und in mythischen Parallelen erzählt Faulkner die Geschichte vom Niedergang der Großgrundbesitzerfamilie Compson." (Norddeutscher Rundfunk)

Kurzbeschreibung

Benjamin Compson, schwachsinniger Sohn von Jason III und Caroline Compson, wird 33 Jahre alt. Er beschreibt, was er von seinem Geburtstag wahrnimmt und erinnert sich an bedeutende Ereignisse in der Geschichte der Familie. Am Beispiel der Compsons aus Jefferson, Mississippi, erzählt Faulkner vom Niedergang des alten amerikanischen Südens.

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34 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Familiendrama und Verfallsgeschichte, 21. Februar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schall und Wahn (Taschenbuch)
William Faulkner? Meiner Meinung nach der größte amerikanische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. „Schall und Wahn" versetzt uns in einer nie zuvor dagewesenen Darstellung mitten in die letzte Phase des Niedergangs der einst bedeutenden und angesehenen Familie Compson. Der Roman bietet ein reiches Lesevergnügen auf all seinen Ebenen: einmal sind jeder Schritt und jedes Wort der Figuren mit unmittelbarstem und vibrierendem Leben gefüllt; zweitens lotet Faulkner in seinen Charakteren all die Wesenszüge und Triebkräfte aus, die bewirken, daß Menschen sich selbst zerstören, und damit auch alle, die mit ihnen verbunden sind zugrunde richten, ohne daß es einer äußeren Einwirkung bedürfte; drittens aber gewährt die Geschichte in ihrer Gesamtanlage einen Einblick in das Wesen von Zeit und Erinnerung und zeigt, wie alles, was wir einmal gesehen, gehört, erlebt, gesagt und getan haben uns in seiner Summe ausmacht und in jeder Sekunde unseres Lebens gegenwärtig ist. Dieses Buch ist unerschöpflich.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Genial!, 31. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Schall und Wahn (Taschenbuch)
Schall und Wahn, im Original 'The Sound and the Fury', beschreibt auf sehr eigene Art und Weise den langsamen Niedergang der Familie Compson.
Das ist an sich keine ungewöhnliche Geschichte: Ein alkoholkranker Vater, ein geistig behinderter Sohn, eine frühreife Tochter.
Den Rest kann man beinahe täglich in der 'Bild' nachlesen: Verwahrlosung, verfallendes Haus, ein Mädchen, das schliesslich mit dem kläglichen Rest des Familienvermögens durchbrennt.
Eine Geschichte die so alltäglich ist, dass sie keinen mehr berührt, geschweige denn interessiert.
Eine Chronik des Versagens.

Interessant wird die Handlung durch die ganz eigene Erzählweise von William Faulkner.
Es gibt keine Kapitel in diesem Sinn. Anstelle einer Kapitelüberschrift der Name eines Protagonisten. Die Handlung, von eben jenem erzählt. Gedanken, in losen Worten hingeschrieben.

Vieles steht zwischen den Zeilen, manches lässt sich erahnen, weniges gar nur erfühlen. Faulkner versteht es meisterlich seinen Leser miteinzubinden, ihn zu seinem Mitverschwörer zu machen.
Die Handlung konstruiert sich nicht über ein mühsam gebasteltes Gerüst erklärender Sätze, sondern sie entfliesst den Gedanken der Protagonisten.
Das verleiht dem Geschehen eine ungemeine Dichte. Und Redundanz. Das Buch ist wahrhaft eine unerschöpfliche Mine. Es bleibt unerobert, ungebeugt, egal wie oft man es liest. Und mit jedem weiteren Mal taucht man wieder mit etwas Neuem, nie Gelesenem, aus den Seiten heraus. Die Komplexität menschlichen Zusammenlebens, die unendlichen, sich wiederholenden Feinheiten im zwischenmenschlichen Umgang, und was sie auszulösen vermögen, Schall und Wahn vermag es darzulegen. Und es vermag zu bezeugen, welch ein meisterlicher Beobachter sein Erschaffer gewesen sein muss. Ein schriftstellerisches Genie. Die Informationsdichte, die er in jeden seiner beiläufigen, oftmals banalen, Sätze einwob, vermag der Leser kaum aufzunehmen.

Die düstere Stimmung die über der ganzen Szenerie liegt, kann man ihm da schon nachsehen.

Eine uneingeschränkte Empfehlung meinerseits.

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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Alle glücklichen Familien ähneln einander....., 9. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Schall und Wahn (Taschenbuch)
...jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art unglücklich."

Mit dieser lapidaren, oft zitierten und parodierten Feststellung beginnt Tolstois "Anna Karenina", und sie könnte als Motto über "Schall und Wahn" ("Sound and Fury"), William Faulkners großartiger, formal

gewagter Schilderung des Niedergangs der Familie Compson, stehen.

Die vorliegende deutsche Ausgabe beginnt mit einer vom Autor verfaßten Genealogie der Compsons. Überschrieben ist sie mit "Zur Einführung".

Hierzu eine klärende Anmerkung. Die sogenannte "Einführung" wurde von

Faulkner 1946 für die Modern Literary Edition hinzugefügt, und zwar

als Anhang, als eine Art Epilog. Liest man diese "Einführung" vor der

Lektüre des eigentlichen Werkes, bringt man sich um das Vergnügen, die

Charaktere selbst zu entdecken, Zusammenhänge herzustellen und sich

Hintergründe zu erschließen. Wie alle Einführungen ist sie recht hilfreich zum Verständnis des nicht immer leicht zugänglichen Werkes, aber es bietet sich an, sie erst dann zu Rate zu ziehen, wenn man das

Gefühlt hat, den Überblick zu verlieren, und sie nach Lektüre des Romanes noch einmal in voller Länge zu genießen.

Der Niedergang der Familie Compson wird aus den Perspektiven dreier Familienmitglieder geschildert, den zeitlichen Fokus bilden drei Tage im April 1928.

Im ersten Teil, 7. April 1928, schildert der Schwachsinnige Benji, zu

diesem Zeitpunkt 33 Jahre alt, seinen Nachmittag, den er mit Luster, dem Enkel der schwarzen Haushälterin Dilsey, damit zubringt, Leuten beim Golfspielen zuzusehen und mit Luster einen Quarter zu suchen, damit dieser am Abend ins Theater gehen kann. In diese Schilderung mischen

sich Erinnerungen an seine geliebte Schwester Candace ("Candace roch

wie Bäume und wie wenn sie sagt, wir schlafen."), die die Familie 1910

verlassen hat und deren uneheliches Kind, die frühreife Quentin, am

Abend dieses Tages durchbrennen wird, um der "Obhut" ihres kaltherzigen,

geldgierigen Onkels Jason zu entfliehen. Benjis Bericht ist in der Tat "a tale, told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing" (Macbeth, V, 5): kindlich einfach und poetisch, herzzerreißend in seinem Kummer über den Verlust der über alles geliebten Schwester, aber auch voll "leeren Wahns".

Im zweiten Teil schildert Quentin, der Bruder Caddys, nach dem sie ihr Kind noch vor der Geburt genannt hat, den letzten Tag in seinem Leben, an dessen Abend er sich das Leben nehmen wird. Auch er hat den Verlust

seiner großen Liebe, seiner Schwester Candace (Inzestmotive werden hier

angedeutet) nicht verwinden können und zerbricht an ihm. Konsequenter als in den anderen Teilen bedient sich Faulkner hier der Bewußtseinsstromtechnik, und nicht an Joyce, Woolf und Proust geschulte Leser werden viel Geduld brauchen, um bei der Stange zu bleiben. Sperrig,

aber atemberaubend schön und voll düsterer Poesie, ist dieser der Teil der anspruchsvollste, aber - neben dem letzten Teil - auch der gelungenste: "Hin und wieder flimmerte der Fluß jenseits der Dinge in niederschießendem Geflimmer über Mittag und später." Flüchtige Eindrücke, halberinnerte Gesprächsfetzen und Szenen aus seinem Leben, quälende, bittersüße Erinnerungen an Caddy mischen sich mit Gedanken wie "Es ist wohl so, daß die Menschen, die doch sich selbst und einander so sehr durch Worte abnutzen, wenigstens darin übereinstimmen, daß sie der Weisheit eine schweigende Zunge zuerkennen." zu einem faszinierenden, berauschenden impressionistischen Gemälde.

Der nächste Teil bringt uns wieder in den April des Jahres 1928 zurück.

Jason, der Bruder Caddys, Benjis und Quentins, der nach dem Tode des Vaters für die Familie - seine hysterische und kalte Mutter und seine frühreife Nichte Quentin - "sorgt", schildert die Familie und die Gründe für ihren Niedergang aus seiner Sicht, ein greller Kontrast zu dem Bericht seines Bruders; Jason, über dem es in der "Einführung" heißt: "Der erste geistig normale Compson seit der Zeit vor Culloden und (als kinderloser Junggeselle) der letzte (...) der gleich nach seiner Mutter Tod (...) seinen schwachsinnigen Bruder dem Staat auslieferte(...)" Jason ist ein vom Leben enttäuschter, verzweifelter, ständig von

Kopfschmerzen gequälter, kalter, brutaler, zynischer und verschlagener Gescheiterter, dessen Haß sich vor allem auf drei Menschen konzentriert:

seine Nichte Quentin, der er die Schuld für sein vermurkstes Leben gibt ("ihre Augen in dem völlig von Schminke verklebten Gesicht blickten kaltblütig wie die eines Straßenköters"), die schwarze Hausangestellte Dilsey, die entdeckt hat, daß er Quentin die Unterhaltszahlungen ihrer Mutter vorenthält, und deren Enkel Luster. Quentin ist aus seiner Sicht

nicht als ein frühreifes, verdorbenes Früchtchen, das Schande über ihn und die Familie bringt, eine "Hure", eine "verdammte kleine Schlampe".

Als Quentin mit rund 8000 $ durchbrennt, verfolgt er sie erfolglos,

außer sich vor Wut, mit hämmernden Kopfschmerzen, kommt dabei fast ums Leben und muß sich schließlich von einem der von ihm zutiefst verabscheuten "Niggern" zurück nach Hause fahren lassen. Nach dem Tod seiner Mutter wird er seinen ständig lallenden, wimmernden und sabbernden Bruder in ein Irrenhaus einweisen, das Haus verkaufen und in eine Einzimmerwohnung ziehen und seine Beziehung mit der Prostituierten Lorraine fortsetzen.

In der Genealogie heißt es: "Er war jetzt befreit. Er war frei."

Der vierte und letzte Teil schildert in der dritten Person, aber aus der Sicht von Dilsey, den Tag, an dem Quentins Flucht entdeckt wird. Dieser Teil ist sprachlich der schönste: "Kahl und kühl dämmerte der Tag herauf, eine aus Nordosten heranwandernde Wand grauen Lichts, die, statt sich in Feuchtigkeit aufzulösen, sich in winzige und bösartige Partikel gleich Staubkörnern zu zersetzen schien (...)". Zum erstenmal werden die

Charaktere "von außen" geschildert; die Mutter: "kalt und wehleidig und

mit schlohweißem Haar und verschwollenen, verwirten Augen (...)". Dieser

Teil bildet den Abschluß des Romans, nicht der Familie Compson: was aus

Jason, Quentin und Candace wird, darüber gibt die Genealogie Auskunft.

Und Faulkner läßt keinen Zweifel daran, wer letztendlich überleben wird:

"Und das war alles. Die Folgenden waren keine Compsons. Sie waren schwarz: (...) Sie harrten aus."

Ebenso wie Thomas Mann am Beispiel der Buddenbrooks das Ende einer Epoche schildert, so schildert Faulkner den "Niedergang des alten amerikanischen Südens" (Klappentext). Die Rolle der Hagenströms nehmen bei Faulkner die Snopes ein.... aber der sich durchaus anbietende Vergleich zwischen beiden Romanen ist ein anderes Thema.

Fazit: Der wohl schönste und formvollendetste Roman Faulkners ist zugleich auch der sperrigste und am schwersten zugängliche. Aber

die Geduld, die man gelegentlich aufbringen muß, lohnt sich. Ein

Lesevergnügen der allerfeinsten Sorte, das mich - nachdem ich

zuletzt die wohlfeilen Bestseller "Kite Runner" und "Sacred

Games" und zwei Thriller von Ellroy verschlungen hatte - wieder daran erinnert hat, was das eigentlich heißt: lesen, richtig lesen.
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