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Schall und Wahn (Limited Special Edition)
 
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Schall und Wahn (Limited Special Edition)

Tocotronic Audio CD
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (54 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der einst in der heutigen Bundeshauptstadt lebende David Bowie schuf mit Brian Eno in den 70er Jahren mit den epochalen Alben Low, Heroes und Lodger eine Berlin-Trilogie. Der Begriff fällt nun auch im Zusammenhang mit Tocotronic, denn nach Pure Vernunft darf niemals siegen und Kapitulation weist auch Schall und Wahn Bezüge zu Berlin auf: Hier wurden alle drei Alben der vom Diskurs-Rock zum mehr poetischen Pop geschwenkten Gruppe aufgenommen, hier wurde Gitarrist Rick McPhail als zweiter Gitarrist vollwertiges Bandmitglied und vor allem liefen alle Werke durch das Mischpult vom Produzenten Moses Schneider. Mit ihm wurden die herb-charmanten, krachigen, dilettantischen und bisweilen hölzern wirkenden Songs eleganter, vielschichtiger und musikalisch spannender - auch wenn die Tocos schon auf ihrem weißen Album Tocotronic andeuteten, dass sie anders können. Textlich stand das Quartett um Songschreiber Dirk von Lowtzow eh jenseits allen Zweifels. So wie auch Ton Steine Scherben irgendwann aufhörten Parolen wie „Macht kaputt was euch kaputt macht“ zu formulieren, so verzichten auch Tocotronic nun vermehrt auf Schlagworte. Die Band, die nicht nur Teil einer Jugendbewegung sein wollte, sondern eine Jugendbewegung rekrutierte, ist nämlich erwachsen geworden in Bild, Ton und Sprache. Es macht Spaß, die zwölf abwechslungsreichen Stücke zu hören. Reicht das Spektrum doch vom ausufernden und 8-minütigen „Eure Liebe tötet mich“ in bester Crazy-Horse- und Grunge-Manier zu feinem Pop, von rumpelnden Rock zu Streichern-Arrangements des Komponisten Thomas Meadowcroft wie Bläser-Passagen von Ebba Durstewitz und Jakobus Siebels (JaKönigJa). Epen und Eruptionen, alles ist dabei. Die Texte sollen andere in stundelangen Analyse-Treffen sezieren und interpretieren, aber die akustischer Chamber-Pop-Nummer „Im Zweifel für den Zweifel“ ist große Lyrik. Ein flammender Appell, nicht immer den so bequemen und angstfreien Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. - Sven Niechziol

motor.de

Mit "Schall Und Wahn" legen Tocotronic erneut das beste Album ihrer Karriere hin und erschaffen ein freudvolles ‚Ja' als Gegenentwurf zum euphorischen ‚Nein' des Vorgängers "Kapitulation".
Immer wieder erwartet man den Rückschritt, das Konsolidieren, die nicht so umwerfende Tocotronic-Platte. Für viele gab es nach dem 2007 veröffentlichten Opus Magnum "Kapitulation" keine offenen Fragen mehr. Dieses Meisterstück verbrüderte die ruppigen Anfangstage mit dem symphonischem Pop der letzten Jahre. Vielleicht überrascht es deswegen, dass Dirk von Lowtzow, Arne Zank, Jan Müller und Rick McPhail mit "Schall Und Wahn" ein noch perfekteres Studioalbum vorlegen. Der Abschluss ihrer so genannten "Berlin-Trilogie".
Im Gegensatz zur gewollten Gleichförmigkeit und Homogenität der beiden Vorgänger, schlittert "Schall Und Wahn" immer wieder von einem Extrem ins nächste: Wenn die Gitarren Pause haben, drängeln sich Streicher in den Vordergrund; wenn sich Stille in Lärm verflüchtigt, erheben laute Chöre ihre Stimmen und dazu nölt, jubiliert, fasziniert Dirk von Lowtzows nahezu perfekter Gesang. Das schrecklich Schöne daran: Tocotronic wirken über die gesamte Distanz dieses famosen Liedermarathons so leichtfüßig, als gelinge ihnen das ganz nebenbei.
Eine Vermutung, deren Bestätigung sich textlich durchaus finden lässt: "Was du auch machst/ Mach es nicht selbst/ Auch wenn du dir/ Den Weg verstellst", lautet die erste Passage der aktuellen Single "Mach Es Nicht Selbst" - ein Stück, das Lowtzow im Dämmerzustand während eines Urlaubs am Comer See geschrieben hat. Wie bezeichnend, wenn auch nur eine von vielen Anekdoten für diese unbeschreiblichen Songs. Was so ziemlich das Einzige ist, was mit jeder neuen Tocotronic-Platte schwerer wird: Erfolgreiche Bemühungen, um Worte für das zu finden was die Band musikalisch und inhaltlich veranstaltet.
Doch über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen, stellte Frank Zappa einst fest. Recht hat er, "Schall Und Wahn" mutet wie der Turm zu Babel an und ist dank Mystik und Mythos unerklärbar. Tocotronic kann dies egal sein, ihr neuntes Album ist einmal mehr ihr bestes.

kulturnews.de

Was sollte nach der "Kapitulation" noch kommen? Mit ihrem letzten Studioalbum legten Tocotronic das wichtigste Album des vergangenen Jahrzehnts vor und lieferten nicht nur wegen des die Finanzkrise prophetisch voraussagenden Songs "Mein Ruin" einen schwergewichtigen Gegenwartserklärer. Natürlich verweigern sie sich den Erwartungen und veröffentlichen mit "Schall und Wahn" eine Platte über die Liebe, die Musik und die Liebe zur Musik. Lange Instrumentalpassagen führen direkt ins Delirium, Produzent Moses Schneider hat den Livesound der beiden Vorgängerplatten perfektioniert, von Thomas Meadowcroft kommen ungewöhnliche und vollkommen unpeinliche Streicherarrangements, und mit der Hardcore-Reminiszenz "Stürmt das Schloss" verschaffen sich Tocotronic Luft. Doch gerade wenn sie sich von jeglicher Festschreibung lossagen wollen, gelingt ihnen mit dem wunderschönen Folksong "Im Zweifel für den Zweifel" erneut ein Manifest, das man getrost als intelligente Handlungsanweisung für das kommende Jahrzehnt interpretieren kann. (cs)
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