Wer das Buch liest, der wird wohl zu dem Schluss kommen: "Die sechziger Jahre" waren spannend in all ihren Facetten. Im Buch werden Trivalfragen wie "Was war zuerst da? Der Minirock oder die Pille?" genauso behandelt wie die sehr politischen Themen dieser Zeit. Es ist weniger der RAF Terrorismus im Stile des Baader-Meinhof-Komplexes, der in den verschiedenen Beiträgen thematisiert wird, sondern die Sichtweisen der APO (Außerparlamentarische Opposition), des SDS (Sozialistische Deutsche Studentenbund) und der Friedensbewegungen jener Epoche. Das beispielsweise Rudi Dutschke bei den Staatsvertretern und Durchschnittsbürgern nicht besonders beliebt war, war mit ja bekannt. Dies wird auch im Beitrag zum Mordversuch an Rudi Dutschke durch Josef Bachmann sehr deutlich. Doch dass der bürgerliche Mob den Verwaltungsangestellten Lutz-Dieter Mende, dessen einzige Verfehlung die Ähnlichkeit zu Rudi Dutschke war, fast todgeprügelt hat, das war mir nicht bekannt. Dass solche Aktionen von Jürgen Wohlrabe (CDU) (laut Herbert Wehner "Übelkrähe") geschürt wurden, weist auch auf ein zweifelhaftes Demokratieverständnis mancher Politiker dieser Zeit hin. Doch die Beiträge machen nicht an den deutschen Grenzen halt. Ob Vietnam oder die Situation zu dieser Zeit in Frankreich - viele Aspekte, die diese Zeit geprägt haben, werden abgefrühstückt. Klar die politische Richtung der verschiedenen Schreiberlinge ist links. Manche kannten sogar klandestine Griechen. Ich denke das Buch reflektiert ein gutes Stück Zeitgeschichte. Dies allerdings nur aus Blickwinkel des äußersten linken politischen Spektrums. Hier fehlt mir etwas der Gegenpol. Trotzdem finde ich das Buch lesenswert.