Wie die besten Bücher der Weltliteratur erzählt SCHADE UM DEN SCHÖNEN SEX kaum eine Geschichte. Man reist um die Weihnachtszeit von A (Hamburg mit einsamen Streifzügen durch die Nacht sowie Schrebergarten) nach B (ein Kaff in Ligurien, das mal bessere Zeiten gesehen hat) und am Ende wieder nach Hause. Eigentlich nothing to write home about. Das Wetter ist auch in Italien schlecht, die Selbstverpflegung in der heruntergekommenen Villenpension ist nicht anders als daheim (LIDL hier wie dort), das überall gleiche Weihnachtsgedöns geht einem ohnehin europaweit auf den Zwirn. Und ob Cromwell nun mit der minderjährigen Tochter des Möchtegern-Künstlerpaars am Strand von Ventimiglia vögelt oder in Altona amourös scheitert, ist ebenfalls sowas von egal ...
Und doch ist die Welt vor der Lektüre von SCHADE UM DEN SCHÖNEN SEX eine andere als hinterher. Satz für Satz, Wort für Wort schwingt Borowiak seine Sprachpeitsche und knallt damit Schneisen in die Landschaft, die einen völlig neuen Blick eröffnen. Auf alles. Befindlichkeiten, Architektur, Fernsehprogramm ... Borowiak erfasst alles in einem vorfeuilletonistischen Urzustand, wie Gott es schuf, in aller Herr- bzw. Erbärmlichkeit, so liebenswert wie lachhaft, in jedem Fall aber kompromisslos und urkomisch. Und das so ungekünstelt, nonstop und scheinbar mühelos, als sei Komikerzeugung kein präzises Handwerk - eins, das Borowiak beherrscht wie kaum ein Zweiter. Grandios, erhellend und lebensbejahend morbidoid.