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Buchnotiz zu : Die Zeit, 21.02.2002
"Man möchte den Mann küssen -würde Tucholsky sagen", sagt aber nicht Tucholsky, sondern Rezensentin Gabrielle Killert. Killert kann und will sich Peter Rühmkorfs Lyrik nicht entziehen. Denn schließlich "kann ja niemand schöner und melodischer resignieren und am Ende doch noch den Karren aus dem Sumpf ziehen". Sie lobt auch die "sachkundige Edition" durch Hartmut Steinecke. Killert betrachtet in ihrer Rezension nicht nur Rühmkorfs neuestes Werk, sondern auch seine Entwicklung und die Veränderung seiner Themen. Heute muss er nicht mehr "im Ring" seine Feinde wie "Naziprofessoren und feige Naturlyriker" auszählen, sondern kann sich dem Alltäglichen, Niederen widmen - wie seinem Mittagessen, dem vergänglichen - , und dies mit seinem "von unstillbarer Ironie durchlüfteten Gesang". Kurz: Die Rezensentin ist hingerissen.
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Kurzbeschreibung
"Wer über das Dichten Auskunft geben möchte, gerät selbst ins Dichten", schreibt Peter Rühmkorf. Er nennt den Band mit seinen poetologischen Schriften "Schachtelhalme"; im Sinnbild einer eigentümlich gegliederten Pflanzenart erschließt sich ihm das stufenweise Längenwachstum der eigenen Personalsignatur, die mit jedem Entwicklungsschub an System gewinnt. Rühmkorfs Spürsinn ist dabei so phänomenal wie seine oft überraschenden Untersuchungsbefunde. Ob er der Wundererscheinung des poetischen Einfalls nachstellt oder die unwiderstehliche Wirkung des Reims aus der kindlichen Sprachentwicklung ableitet, ob er die allgemein nicht recht ernstgenommene Parodie zur "kritischen Tradition" aufwertet oder das Gedicht zum Verfassungsorgan des sozial zersplitterten Subjekts erklärt, alles erscheint so originell wie folgerichtig, weil es dem ständigen sinnlichen Bemühen der Sprache zu verdanken ist. Ein tief veranlagtes Misstrauen gegenüber den jeweils herrschenden Moden erklärt sowohl Rühmkorfs sprunghaftes Vorgehen wie das folgerichtige Zusammenschließen unterschiedlicher Bewusstseinsanstöße zu einer einheitlichen "Ästhetik des Widerspruchs", die der Fachwissenschaft oft schon um einige Nasenlängen voraus gewesen ist. Der von Hartmut Steinecke kenntnisreich arrangierte und kommentierte Band verfolgt Rühmkorfs dichtungskundliche Exkurse bis zu jenen frühen Selbstbehauptungsversuchen, als sich der junge Autor bereits eine Namen als Schreckensmann der deutschen Literaturkritik erworben hatte.