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4.0 von 5 Sternen
... Wunderbar schade., 23. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Schachmatt: Roman (Taschenbuch)
Auf über 800 Seiten baut der Juraprofessor Stephen L. Carter in seinem Erstlingsroman Spannung auf, weckt die Neugierde des Lesers, nur um ihn dann mit einer vergleichsweise simplen Auflösung ein wenig zu ärgern.
Zur Geschichte muss nicht mehr viel gesagt werden, denn das wurde an dieser Stelle bereits wunderbar getan, nur dass mich die vielen, rassistisch erscheinenden Andeutungen nicht stören - warum sollte ein Jurist auch etwas anderes als die Wahrheit sagen, geschweige denn sie verfälschen? Und was als Selbstmitleid des durchaus sympathischen Protagonisten Tal Garland dargestellt wird, ist vielleicht tatsächlich besagtes Selbstmitleid, nur muss man das nicht zwangsweise auf die Rassenkonflikte beziehen... ach, und wer das Gejammere über Geld nicht mag, der sollte sich vor Augen halten, dass wahrscheinlich nur in Deutschland einige Vertreter der Spezies Professor überbezahlt werden, gemessen an ihren Leisungen.
Ärgerlich ist, wie bereits gesagt, dass das Ende verhältnismäßig schwach ist. Hat man sich zu Beginn des Buches einmal in die Struktur der Familie Garland eingelesen und lässt sich auf die Reise mit Tal Garland ein, scheint die Spannung ins Unendliche zu steigen - durch die wunderbare und wortschatzgewaltige Schreibweise wunderbar unterstützt.
Die Einflechtung des Schachproblems grenztg meiner Meinung nach schon an Genialität, denn man könnte meinen, die Lösung dieses Problems, wäre der Kern des Romans, aber ich mag nicht zu viel verraten...
Die eigentliche Auflösung ist mitunter doch recht überraschend (trotz allem logisch), aber warum ist das Buch danach nicht zu Ende, warum erzählt Carter weiter über die geheimen Daten, die Tal nun doch noch gefunden hat, wenn man am Ende auch nicht mehr weiß, als noch 14 Seiten zuvor? Oder warum fehlt die Abschlußpointe, wobei mir einfällt: was ist mit Maxine?
Nun ja, ich mag niemanden abschrecken, das Buch zu lesen, denn im Endeffekt zählt es für mich zu einem der genialsten Werke der letzten Zeit, aber so ein kleines Wermuttröpfchen sollte nicht unerwähnt bleiben.
Das der Protagonist allerdings gen Ende, nach dem Wahnsinn seines Vaters, seiner Mutter gedenken will, läßt auf eine wunderbare Fortsetzung hoffen...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Euer Ehren, 8. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Schachmatt: Roman (Taschenbuch)
Dunkle Geheimnisse von Vätern sind bei Söhnen nicht gut aufgehoben. Sie müssen entblättert werden. In Talcott Garlands Fall muß zuerst seine Naivität überwunden werden, mit der er dem Tod des Vaters gegenübertritt. Carter legt ein Netz aus, in dem sein Held sich in bester hitchcockscher Art als ein Unschuldiger verfängt, bis ihm nichts anderes übrig bleibt, als den Fall zu lösen. Bei Talcott heißt es, das nicht unumstrittene Denkmal des Vaters zum Einsturz zu bringen. Warnungen, Verdächtigungen reißen den Sohn aus seinem Alltag, drängen ihm die Ermittlung in eigener Sache förmlich auf, gleichzeitig führt er uns in eine Gesellschaftsschicht, die so noch nicht beschrieben wurde.
Daß er sich dabei eines Plots bedient, der gleichsam das Aufdröseln mehrerer Rätsel erfordert, gehört zu den genreüblichen Gesetzen, allerdings interessiert er sich vor allem für die Menschen in seiner Geschichte. Was aus ihnen wegen des Geheimnisses geworden ist. Und wie Unwissen, Naivität Voraussetzung dafür sind, daß es solange geheim bleiben konnte. Ein spannender Thriller, indem nicht zuletzt das Schachspiel von Bedeutung ist, mit einer überzeugenden Götterdämmerung.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Schachmatt mal anders, 10. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Schachmatt: Roman (Taschenbuch)
Das Buch erfordert vom Leser Zeit, Ausdauer und Detailverliebtheit. Es überzeugt,unabhängig vom Inhalt, durch intellektuellen und philosophischen Anspruch und das in einer sehr gepflegten sprachlichen Darstellung. Aber jetzt zum Inhalt: Diese Sittengeschichte einer nichtweißen Familie, die der gehobenen Mittelschicht Amerikas in Zeiten der Reagan Regierung zuzuordnen ist, wird von einem manchmal schon paranoid erscheinenden Juraprofessor dominiert, der das berufliche Umfeld seines unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommenen Vaters, meistens der Richter genannt, recherchiert.Neben der eigentlichen Geschichte versteht es der Autor, subtil auf die immer noch bestehende Rassendiskriminierung hinzuweisen und den Leser mit Begriffen wie "Menschen der hellhäutigeren oder dunkelhäutigeren Nation" zu konfrontieren.Die Spannung hält sich in Grenzen, dreihundert Seiten weniger hätten der teilweise sehr konstruierten und oft verwirrenden Geschichte nicht geschadet. Am Ende bleiben teilweise unbeantwortete Fragen offen und das dann doch noch gefundene Corpus Delicti wird ohne Auswertung gönnerhaft dem Feuer übergeben. Schade, kein runder Schluss.
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