Auf über 800 Seiten baut der Juraprofessor Stephen L. Carter in seinem Erstlingsroman Spannung auf, weckt die Neugierde des Lesers, nur um ihn dann mit einer vergleichsweise simplen Auflösung ein wenig zu ärgern.
Zur Geschichte muss nicht mehr viel gesagt werden, denn das wurde an dieser Stelle bereits wunderbar getan, nur dass mich die vielen, rassistisch erscheinenden Andeutungen nicht stören - warum sollte ein Jurist auch etwas anderes als die Wahrheit sagen, geschweige denn sie verfälschen? Und was als Selbstmitleid des durchaus sympathischen Protagonisten Tal Garland dargestellt wird, ist vielleicht tatsächlich besagtes Selbstmitleid, nur muss man das nicht zwangsweise auf die Rassenkonflikte beziehen... ach, und wer das Gejammere über Geld nicht mag, der sollte sich vor Augen halten, dass wahrscheinlich nur in Deutschland einige Vertreter der Spezies Professor überbezahlt werden, gemessen an ihren Leisungen.
Ärgerlich ist, wie bereits gesagt, dass das Ende verhältnismäßig schwach ist. Hat man sich zu Beginn des Buches einmal in die Struktur der Familie Garland eingelesen und lässt sich auf die Reise mit Tal Garland ein, scheint die Spannung ins Unendliche zu steigen - durch die wunderbare und wortschatzgewaltige Schreibweise wunderbar unterstützt.
Die Einflechtung des Schachproblems grenztg meiner Meinung nach schon an Genialität, denn man könnte meinen, die Lösung dieses Problems, wäre der Kern des Romans, aber ich mag nicht zu viel verraten...
Die eigentliche Auflösung ist mitunter doch recht überraschend (trotz allem logisch), aber warum ist das Buch danach nicht zu Ende, warum erzählt Carter weiter über die geheimen Daten, die Tal nun doch noch gefunden hat, wenn man am Ende auch nicht mehr weiß, als noch 14 Seiten zuvor? Oder warum fehlt die Abschlußpointe, wobei mir einfällt: was ist mit Maxine?
Nun ja, ich mag niemanden abschrecken, das Buch zu lesen, denn im Endeffekt zählt es für mich zu einem der genialsten Werke der letzten Zeit, aber so ein kleines Wermuttröpfchen sollte nicht unerwähnt bleiben.
Das der Protagonist allerdings gen Ende, nach dem Wahnsinn seines Vaters, seiner Mutter gedenken will, läßt auf eine wunderbare Fortsetzung hoffen...