Natalia Ginzburg hat eine einmalig treffende, lakonische Schreibweise. Anders als im Familienalbum steht dieses Mal nicht ihr Vater sondern die Mutter im Fokus. Schon nach wenigen Sätzen kennt man sie: keine einfache Person! Voller Einfälle und Phantasien baut sie Luftschlösser und verliert dabei mitunter die Bodenhaftung, nachdem sie sich entschlossen hat vom Land in die Stadt zu ziehen. Ihre Verwandten, auch die beiden Töchter, nerven sie. Und auch andersherum geht diese Mutter, die sich nichts sagen läßt und keine Selbstkritik kennt, den Familienmitglieder ganz schön auf den Keks. Sie hat ihre eigenen, wechselnden Pläne. Letztendlich macht sie eine fürchterliche Bruchlandung. Das alles ist aber nicht deprimierend, sondern faszinierend, z.T. auch amüsant zu lesen, weil - s.o. - alle handelnden Personen, fast ausnahmslos Frauen, sehr präzis charakterisiert werden. Wer Lust hat, kann den Roman auch als Krimi goutieren!