In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich sehr viel in bezug auf die Begleitung, Förderung und Integration von Menschen mit (sehr schweren) Behinderungen getan. Es wurden viele Einrichtungen adäquater eingerichtet und die Angebotspalette an Förder-, Trainings- und Beschäftigungsmaterialien konnte sehr erweitert werden. Viele Materialien und Medien werden inzwischen vielfach vermarktet, nciht immer zu erschwinglichen Preisen. Und hier setzt das Buch von Petra Hohenhaus-Thier an. Sie verfügt als Ergotherapeutin über eine langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit schweren Behinderungen. Dies merkt man dem Buch direkt an.
Auf über 200 Seiten finden sich diverse, selbst anzufertigende Materialien, die relativ leicht für den Alltag eingesetzt werden können.
In 10 Kategorien werden Vorschläge gemacht, wie man mit leicht zugänglichem, kostengünstigem Material aus Küche, Baumarkt und Büro Spiel-und Beschäftigungsideen entwickeln kann.
Ob nun beispielsweise "Holz und Plexiglas", "Schwämme, Bürsten, Borsten" oder "Gerüste, Stangen, Haltehilfen": in jedem Kapitel werden die Ideen einzeln vorgestellt und mit einem farbigen Foto versehen. So kann man sich gut ein Bild von den benötigten Materialien sowie von dem fertigen Produkt machen. Die Ausführungen zu Materialien, Herstellungsweisen und Spielideen vermitteln zusammen mit weiterführenden Tipps für die Anfertigung ein kreatives Bild, das motiviert, die Vorschläge wirklich zu realisieren.
Einige Ideen sind zwar gewiß schon bekannt; dennoch ist diese Zusammenstellung mit vielen neueren Vorschläge eine Bereicherung, an der erfahrene und noch relativ frische "Betreuer/-innen" ihre Freude haben werden. Das Buch motiviert ungemein dazu, wieder Neues auszuprobieren, wenn beispielsweise silberfarbene Schlauchbehälter aus Weinkartons, "Goldfolie im Netz", das "Flatterband am Strumpftrockner" oder der "(Tischtennis-)Bälle-Regen" zum Einsatz kommen.
Wie praxisnah das Buch ist, wird zudem daran ersichtlich, dass Frau Hohenhaus-Thier nicht nur eigene Vorschläge macht, sondern auch diejenigen von Mitarbeitern/-innen aus anderen Einrichtungen aufgreift.
Das Buch ist damit ein Initialentzünder für kreative, bedarforientierte Materialentwicklung. Es dürfte in Schulen, Tageseinrichtungen, Wohngruppen und Werkstätten genauso zu Einsatz kommen, wie auch im häuslichen Umfeld - die Menschen, für die das Buch gedacht ist, hätten es mehr als verdient!