Das könnte ein Lichtblick sein! Christina Gille: "Als Schüler ins Ausland" (Rowohlt Verlag, 1999) "Können Sie uns vielleicht noch ein Buch zum Thema Schüleraustausch empfehlen?" - Diese Frage kennt wohl jeder, der sich im Schüleraustausch engagiert. Es gibt eine Vielzahl von Titeln, die Ihre Stärken und Schwächen haben. Im Rowohlt Verlag hat jetzt die ehemalige Leiterin des EP von Youth for Understanding, Christina Gille, ein weiteres Buch zum Thema Schüleraustausch veröffentlicht.
Dieses Buch hat noch im Angebot gefehlt, denn es ist vor allem an die Eltern von zukünftigen Austauschschülern adressiert. Es konzentriert sich somit viel mehr auf all die Fragen, Hoffnungen und Probleme, die Eltern mit einem Austauschjahr verbinden. Die Autorin geht auf konkrete Fragen, wie die Schulwahl im Gastland oder gesundheitliche Voraussetzungen informativ ein. Sie gibt am Ende auch einen kurzen Überblick über unterschiedliche Organisationen, wobei dieser eher unübersichtlich ist.
Die wirkliche Stärke dieses Buches sind die Passagen über Heimweh oder das Kapitel "Und die Eltern...?". Eltern wird hier einiges vermittelt, was Ihnen hilft, daß Austauschjahr des eigenen Kindes in einer anderen Perspektive zu sehen. Was da zum Beispiel über Briefe, Telefonate oder eMails geschrieben steht, wird mit viel Feingefühl vermittelt und führt die Eltern langsam auf eine den Schülern schon oft bekannte Realität heran. Für Eltern wird sie hier jetzt in gedruckter Form nachlesbar und man sagt dem gedruckten Wort ja einige Autorität nach. Zusätzlich verwehrt sich dieses Buch all dem "High School"- Glitzer anderer Titel, in dem es Schüleraustausch als ein globales Phänomen betrachtet und immer wieder auf die Aufnahme von ausländischen Schülern durch deutsche Familien hinweist. Es wäre schön, wenn das Buch somit als Anregung von Eltern und Schüler verstanden wird, über ein Austauschjahr in Europa, Asien oder Lateinamerika oder die Aufnahme eines ausländischen Gastes nachzudenken. YFUler dürften zusätzlich viel Freude an diesem Buch haben, denn viele der Beispiele hat man schon einmal gehört und der ein oder andere erkennt sich vielleicht wieder. Christina hat in den Jahren bei YFU so einige interessante Geschichten selbst erlebt und einige davon aufgeschrieben. Wer von YFU kennt nicht die "Sauna Geschichte aus Finnland"? Bedauerlich ist nur, daß diese Beispiele es schwer haben ihre wirkliche Bedeutung in dem Buch zu finden