Dieses Buch ist für Leute, die im Alltag mit sozialen Ängsten konfrontiert sind und diese sicher überwinden wollen, bestens geeignet. Es wird die soziale Angst/Schüchternheit mit all ihren Facetten beschrieben und Strategien erläutert, wie man sie wirksam abbauen kann. Es werden dabei sehr hilfreiche Ratschläge und Sichtweisen gegeben. Dabei ist die Stärke des Buches, dass es einen nicht sofort ins kalte Wasser schmeißt, indem es Alltagstipps gibt, die man sich als schüchterner Mensch am Anfang gar nicht zutrauen würde. Sondern es beschreibt sehr genau, wie das Sicherheitsverhalten und die negativen Einstellungen bei einem selbst entstanden sind (im Denkmuster, in angewohnten Verhaltensweisen, in einer übersteigerten Selbstaufmerksamkeit, bei der man immer darauf bedacht ist, ja keinen Fehler zu machen und in einem zu niedrigen Selbstvertrauen). Dabei werden, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann, sehr gut die Gefühlslage und die Psyche von Schüchternen beschrieben (z.B. körperliche Zeichen wie Erröten und Zittern in der Stimme, aber auch das wegen der befürchteten Situation sehr einschränkte Denken, das einen in der sozialen Situation sehr unflexibel macht). Dann wird darauf eingegangen, wie man dies Schritt für Schritt abbauen kann. Sehr gut dabei ist, dass die Autorin einen meist zu keinen ganz konkreten Handlungsweisen auffordert, die im Alltag oft zu speziell sind, sondern dass sie vielmehr zeigt, wie man strategisch gegen zu schüchterne Verhaltensmuster steuern kann - diese sind dann aber oft mit Alltagsbeispielen veranschaulicht. Dabei zeigt sie eindrucksvoll, dass man sich mit der sozialen Angst meist ein zementiertes Selbsturteil über seine Umwelt zurechtgelegt hat, das sich bei jeder negativen Begebenheit verfestigt und bei dem positive Ereignisse unterbewertet werden. Es werden zwar schon Alltagsfälle mit fiktiven Personen als Kurzgeschichten erzählt, um Situationen mit dem jeweiligen Problem zu verdeutlichen, aber die Strategien sind so gut gewählt, dass sie sich auf sehr viele Aspekte der sozialen Angst angewenden lassen.
Ein Beispiel, wie das Buch einem hilft, führe ich mal auf:
Es soll ein Gedankenprotokoll geführt werden, indem zuerst eine spezifische Situation erläutert wird. Zum Beispiel ein Sicherheitsverhalten, bei dem man versucht, eine Pause im Gespräch mit irgendetwas zu füllen, damit keine peinliche Stille entsteht. So muss man oft gezwungenermaßen Unsinn von sich geben. Dies wird getan, weil man meint, vorhersagen zu können, dass sonst das Schweigen anhalten und die eigene Angst davor außer Kontrolle gerät, sodass sie für jeden sichtbar ist. Das Experiment ist nun, dass man schaut, was passiert, wenn man es durchhält, bei solch einer Situation die Stille zu akzeptieren und darauf wartet, dass jemand anderes das Schweigen bricht. Die Frage lautet danach: Was ist tatsächlich geschehen? Als mögliche Antwort darauf kann sein, dass man sich zwar sehr ängstlich fühlte, aber dass die anderen einfach zu sprechen begannen, wenn ihnen danach war. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass man nicht als einziger für die Aufrechterhaltung des Gespräches verantwortlich ist, wie man fälschlicherweise immer annahm. Desweiteren wird die schüchterne Haltung meistens nicht so stark wahrgenommen wie befürchtet.
Es ist beeindruckend und beruhigend zugleich, dass die Autorin auch die Fälle durchgeht, bei denen das neu erprobte Verhalten nur sehr kleine Erfolge aufzeigt und befürchtete Rückschläge auch mal tatsächlich eintreten können. Sie macht da Mut, dass der Weg aus der sozialen Angst nicht einfach ist und es normal ist, wenn zuerst nur kleinere Erfolge auftreten und man beharrlich an sich weiterarbeiten muss, um den Erfolg deutlicher zu spüren. Dabei wird auf die Mentalität eingegangen, dass man von sich ein positiveres Bild aufbaut und sich nicht durch die Ängste vor Rückschlägen kontrollieren lässt.
Ich kann das Buch wärmstens empfehlen, da hier auf sehr gute Art und Weise einfühlsam und lebensnah zu den betroffenen Lesern gesprochen wird und ausführlich und prägnant zugleich auf die einzelnen Punkte eingegangen wird. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass dieses Buch mich unter vielen am besten geholfen hat, weil hier nicht kochrezeptartig Vorschläge aufgereiht werden, sondern die soziale Angst und Schüchternheit psychotherapeutisch so erläutert werden, dass man langfristig wirksame Gegenstrategien gegen diese Hemmungen in die Hand gelegt bekommt. Deshalb eine ganz klare Kaufempfehlung und 5 Sterne!