Mit Anzug, Schlips und Kragen sitzt hier einer auf dem Titelbild neben seinem angeblich nächsten Verwandten. einem Schimpansen. Kann es sein, so fragt das Bild, dass der Affe zum Menschen wird? Kann es sein, fragt der Autor in der Einleitung, dass die Evolutionstheorie, die die Selbstentwicklung der Materie vom Einzeller bis zum Menschen behauptet, wahre Wissenschaft, und dass der biblische Schöpfungsbericht von der göttlichen Erschaffung des Menschen ein Märchen ist? Das Buch gibt die Antwort: Es kann eigentlich nicht sein. Wer sich nicht selbst zum Affen macht, wer also die Fähigkeiten nutzt, die ihn vom Affen unterscheiden, muss die Mangelhaftigkeit der Evolutionstheorie erkennen. Heißt das aber schon, dass der Schöpfungsbericht der Bibel Wort für Wort wahr ist? Der Autor überlässt diese Schlussfolgerung dem Leser. Er will zeigen, dass "zwei entgegengesetzte Möglichkeiten" bestehen, "den Ursprung des Universums, der Erde und des Lebens zu erklären: die Schöpfung oder die Evolution". Dieser Ansatz bestimmt die Dialektik innerhalb der beiden ersten Hauptteile des Buches: Teil I "Evolution und Schöpfung aus naturwissenschaftlicher Sicht" und Teil II "Evolution und Schöpfung aus philosophisch-theologischer Sicht". Im ersten, dem umfangreichsten Teil stellt der Autor auf der Grundlage seines an Karl Popper orientierten Wissenschaftsverständnisses die Hauptlinien der Evolutionstheorie und die verschiedenen Denkmöglichkeiten ihrer Gegenstände dar und bietet eine gut verständliche Zusammenfassung der alternativen Ansätze, wie sie sich heute darstellen. Teil II enthält einen informativen Streifzug durch philosophisch-theologische Argumente und Gegenargumente bekannter und weniger bekannter Autoren. In Teil III legt der Autor unter dem Titel "Wer ist der Schöpfer - ein Plädoyer für die Bibel" sein persönliches Glaubensbekenntnis ab: Nur die Bibel offenbart den wahren Schöpfer der Welt und des Universums. Am Ende heißt es:" Die Debatte um Schöpfung odeer Evolution liefert uns keine Beweise, sondern nur Hinweise auf die Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfers." Naturwissenschaftlich gesehen könne "keine dieser beiden Vorstellungen als absolute Wahrheit vertreten werden, denn hier verlassen wir den empirisch zugänglichen Bereich. An Evolution oder an Schöpfung muss man glauben."
Diese apodiktische Schlussfolgerung reicht freilich über das Ergebnis der kursorischen "kritischen Einführung", als die das Buch sich versteht, weit hinaus. Die Frage, was eigentlich ein "Beweis" ist, müsste wohl erörtert werden, ehe man das Fehlen von Beweisen für die eine oder die andere Möglichkeit behauptet. In einer kritischen Weiterführung seiner Überlegungen müsste der Autor zudem erst noch die Tragfähigkeit seiner wissenschaftstheoretischen Grundlage unter dem Aspekt des Wahrheitsanspruchs der Wissenschaft überprüfen. Wenn nämlich Wissenschaft nach Wahrheit sucht, dann müsste erfolgreiche Wissenschaft unausweichlich ebenso zur wissenden Gotteserkenntnis führen, denn Gott und die Wahrheit sind gewissermaßen identisch. "Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht" (Edith Stein). Es versteht sich von selbst, dass eine materialistische oder (was ganz dasselbe ist) naturalistische Wissenschaft, die sich a priori weigert, die mögliche Realität transempirischer Entitäten einzuräumen ("methodischer Naturalismus"), sich zugleich damit der Wahrheitsuche und also der Gottsuche verweigert. Ihre Ergebnisse könnten zwangsläufig ebenso wahrheitsfern sein, wie sie gottfern sind. Folglich könnte es sein, dass eine solche Naturlehre über den Ursprung des Universums, der Erde und des Lebens nur Märchen erzählte, an die man keineswegs glauben müsste: denn wer würde schon an Märchen glauben? Dann wäre die Geschichte vom Urknall das Märchen, während die Wahrheit des biblischen Schöpfungsberichts immerhin möglich bliebe.
Mit der Frage nach dem Wahrheitsbezug der Wissenschaft und der Wahrheitsfähigkeit des Menschen entscheidet sich, ob Gott erkennbar wirklich ist, und ob seine Schöpfung erkennbar wahr ist. Eine Naturforschung, die nicht der materialistischen Ideologie gehorcht, wie sie im Kriterium des "methodischen Naturalismus" zum Ausdruck kommt, könnte womöglich die von diesem Dogma behauptete Beschränkung der menschlichen Erkenntnisfähigkeit auf das empirisch Erfahrbare widerlegen und, indem sie erfolgreich nach transempirischen Wahrheiten sucht, die Existenz von Schöpfer und Schöpfung als Wahrheit erkennen. Alle Gründerväter der neuzeitlichen Wissenschaft, die dem Wahrheitsanspruch folgten, den Copernicus für die Lehre von der Bewegung der Erde erhob, wussten, was Goethe so formulierte: "Die größten Wahrheiten widersprechen oft geradezu den Sinnen, ja fast immer. Die Bewegung der Erde um die Sonne - was kann dem Augenschein nach absurder sein? und doch ist es die größte, erhabenste, folgenreichste Entdeckung, die je der Mensch gemacht hat." Es könnte wohl sein, dass der Autor mit seiner Behauptung, Wissenschaft sei immer an die Grenzen der sinnlichen Wahrnehmung gebunden, und es gebe deshalb nur die Wahl zwischen Glauben an Schöpfung und Glauben an Evolution, doch hinter dem zurückbleibt, was wahrheitsorientierte Wissenschaft wirklich zu leisten vermöchte. Dann wäre es wohl nur die Mangelhaftigkeit der zwar weit verbreiteten, aber hier unkritisch vorausgesetzten Wissenschaftstheorie und ihrer materialistischen Scheinwahrheiten, die dn Autor nötigten, für Schöpfungs-und Gottesgewissheit allein den Glauben zu bemühen.