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Die Sprache ist das Haus des Seins.
Eine Buchbesprechung von Dietmar Jäger
Gestern haben wir herrlich repunsiert. - O, war es interessant? Dieses Zitat ist dem Buch entnommen "Von der Schönheit unserer Sprache" von Gudrun Luh-Hardegg. Wer nicht weiß was "repunsieren" meint, sollte nicht in einem Wörterbuch nachschlagen, denn er wird dieses Wort nicht finden. Welche Bewandtnis es mit diesem Wort hat, erfährt man bei Gudrun Luh-Hardegg. So wie man vieles, sehr vieles über Sprache, besonders über die deutsche Sprache erfährt.
Es ergibt sich anzumerken, daß das eben verwendete Wort "erfahren" einer der wichtigen Begriffe in diesem Buch ist, die sich unter den Erklärungen der Autorin zu einem überraschend weiten Bedeutungsreichtum entfalten. Dies gilt ebenso für die Wörter "wesen" und "wirken" um nur zwei zu nennen. Von der Sprachkraft der deutschen Sprache ist hier die Rede. Und gerade an den täglichen Gebrauchsweisen des Hilfszeitwortes "sein" (es ist eben nicht nur Hilfszeitwort) und an Neuwortschöpfungen Martin Luthers (z.B. Eintracht - Zwietracht) oder Friedrich Schillers (z.B. Erfindungsgeist) wird diese Sprachkraft in verdichtender Weise dargestellt und ergänzt durch Hinweise auf die belebende Wirkung der Mundarten auf die Hochsprache.
Ein wichtiger Teil des Buches befaßt sich mit der (Sprach)-Philosophie Martin Heideggers und führt hin über die "Erfahrnis der Schönheit"
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und über die "Besinnung auf das Wesen der Sprache" zum Denkergebnis "die Sprache ist das Haus des Seins". Mehr noch: Mit dem Begriff "Widerfahrnis", eben dort wo sich grundlegendes ereignet ("da haben die Dornen Rosen getragen") versucht die Autorin den Nachweis zu erbringen, daß "Sprache heute noch geeignet ist, einem Göttlichen als Gefäß zu dienen". Dabei wagt Gudrun Luh-Hardegg eine berührende Fortführung der Nietzsche-Erzählung vom "tollen Menschen".
Nach diesen grundlegenden Ausführungen über die Sprache - deren ganze Fülle in einer Besprechung nicht untergebracht werden kann - befaßt sich die Autorin mit den Vorzügen der deutschen Sprache. Und hier hat dann der Leser immer wieder ein aha-Erlebnis. Etwa bei der Möglichkeit der freien Wortstellung, dem Wortreichtum durch die Vor- und Nachsilben, bei der Lautvielfalt (ä,ö,ü) und dem Wert der Großschreibung. (z.B. wenn einer liebe genossen hat: Hat einer Liebe genossen oder hat er liebe Genossen?)
Ein Buch über die Sprache wäre unvollständig, machte man nicht aufmerksam auf die Gefahren für diese Sprache. Die Autorin tut dies natürlich. Sie stellt den Neuworten aus der Technik und den Amerikanismen die Möglichkeit von Wortneubildungen unserer Sprache gegenüber.
Das Buch "Von der Schönheit unserer Sprache" zeigt, neben sprach-
wissenschaftlichen Erkenntnissen und sprachphilosophischen Überlegungen, daß Sprache mehr ist als eine Verständigungsmöglichkeit. Denn sie ist auch
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Trägerin von Gefühlswerten. Ja, sie sichert uns Heimat und kann uns helfen eine flüchtige Ahnung zu erhaschen von jenem Bereich unseres Seins, der nichts mehr zu tun hat mit "Raum, Zeit und Ursächlichkeit". Aber dieses Buch ist auch ein beherztes Auflehnen gegen die Verarmung und Entstellung unserer Muttersprache, wie sie derzeit in unserer Gesellschaft festzustellen ist.
Mit einem Zitat aus dem besprochenen Buch (und ich meine dieses Besprechen durchaus auch beschwörend) habe ich begonnen. Ich schließe mit einem Zitat aus dem Jakobusbrief (3,5), an das ich während des Lesens denken mußte: So ist auch die Zunge ein kleines Glied, darf sich aber doch großer Dinge rühmen.