Der investigative Journalist Hans Weiss hat schon einer ganzen Reihe von erfolgreichen Schwarzbüchern (Bittere Pillen, Schwarzbuch Markenfirmen, Korrupte Medizin, Schwarzbuch Landwirtschaft) mitgearbeitet, unter anderem auch mit Kurt Langbein und EU-Parlamentarier Hans-Peter Martin. "Schönheit: Die Versprechen der Beauty-Industrie - Nutzen, Risiken, Kosten" fällt da einigermaßen aus dem Rahmen, schon allein weil seine Co-Autorin Ingeborg Lackinger-Karger bis dato eher als Ratgeberautorin aufgetreten ist. Und dann beschränkt sich Weiss Mitarbeit anscheinend vor allem auf das vergleichsweise mit bescheidenen Umfang glänzende Kapitel 2 (Schönheitssuche, S. 24-49) über einen Besuch in der Bodenseeklinik des Society-Chirurgen Prof. Dr. Dr. Werner L. Mang und die als Wundermittel angepriesenen Hormonkuren des Wiener Primars Univ. Prof. Dr. Erich Müller-Tyl beschäftigt. Das scheint es dann auch mit Hans Weiss Beteiligung gewesen zu sein, jedenfalls lässt der Rest des Buchs dessen doch markanten Stil vermissen und anderenorts wird seine Mit-Autorenschaft auch nicht ausgewiesen. Es bleibt also der Anschein als hätte Weiss Name nur den Zweck der Werbetauglichkeit zu erfüllen.
Dass das Buch nicht unbedingt zu den scharfzüngigeren Schwarzbüchern gehört wird allerdings schon zuvor in der Einleitung deutlich, wenn der "Schönheitswahn" als gar nicht so virulent dargestellt wird und dazu Zahlen ins Feld geführt werden, dass rund 70% der Frauen und 80% der Männer in Österreich oder Deutschland ohnehin keine Schönheits-OP an sich vornehmen lassen würden. Die Zahl der OPs selbst beläuft sich dann auch nur auf einige Zehntausend. Alles also gar nicht so dramatisch? Leserinnen und Leser können sich das zumindest fragen, wenn unklar ist worauf die Autorin und ihr Co-Autor hinaus wollen.
Auf die eingangs noch erwähnte Beliebtheit von TV-Shows über Schönheits-OPs, die bereits von Klinken angebotene mediale Vermarktung, falls Journalisten für solche Sendungen anfragen würden, wird später nicht mehr eingegangen. Ebenso wenig wie auf die im Jahre 2005 vom deutschen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz veröffentlichte Studie, nach der bereits 17% der Schönheitsoperierten an einer krankhaft gestörten Körperwahrnehmung leiden. Oder dass die Zahl der Schönheits-OPs zwar stagniert, stattdessen aber ein wahrer Boom der "sanften" Schönheitsmedizin (Botox & Co.) eingesetzt hat. Darum geht es nur in der ersten Hälfte der fast 50 Seiten "Einführung", zu denen noch Weiss interessante (wenn auch höchst polemische) Berichte über die Bodenseeklinik, Dr. Mang und das Wiener Anti-Aging Institut Primar Müller-Tyls gezählt werden dürfen. Mehr davon hätte dem Buch insofern gut getan, weil es ihm eine Richtung und Ziel verliehen hätte.
Den Rest der rund 320 Seiten machen anschließend die 15 Kapitel über Haut, Kopf und Hals, Zähne, Haare, Brust, Bauch/Hüfte/Po, Hände und Füße, Arme und Beine, Genitalien, Diäten und Schlankheitsmittel, Anti-aging, Arztsuche und Beratung, Risiken und Nebenwirkungen, "Betäubung, Anesthesie und Narkose", sowie ein abschließendes "Dies und das" aus. In diesen reihen sich Basic Facts zur Haut wie die Tests von diversen Hautcremes an allerlei Operations- und Eingriffsarten von Botox bis zur Laserbehandlung. Also durchaus typisches, wie man es auch ohne allzu ausgeprägtes Schönheitsbewusstsein (beispielsweise die Entfernung eines Muttermals) an sich vornehmen lässt, neben ausgefallenerem wie Faceliftings und Faltenbeseitigung via Botox.
Zu jedem Eingriff erhält man außerdem eine Art Factsheet, also Infos dazu ab wann man wieder Sport betreiben darf, wie endgültig und haltbar die Behandlung ist, ob man ambulant oder stationär behandelt wird, wie lange die OP meist dauert, welche Art der Betäubung angewandt wird, wann man sich wieder in die Sonne begeben darf und noch ein bisschen mehr. Als Kurzinfos werden auch Alterantiven zur Behandlung, sowie mögliche Risiken/Nebenwirkungen und ein kleiner Kostenüberblick bereitgestellt. Gelegentlich enthalten bestimmte Kapitel auch mehrseitige Tabellen, wie zum Thema Haarausfall, in denen verschiedene Mittel sich gegenüberstellt werden.
Gerade aber bei den abschließenden Kapiteln, wie den Tipps zur Arztsuche wird allerdings teilweise bereits im Vorwort und von Hans Weiss festgehaltenes wiederholt. Etwa dass nur der "plastische Chirurg" als Bezeichnung gesetzlich geschützt ist. Die Risiken und Nebenwirkungen des Kapitels 15 sind sogar höchst allgemeines wie ein Hinweis auf die Gefahren von Wundinfektionen und kleinen Nachblutungen, nichts wovon man als moderner Mensch nicht schon gehört hätte.
- Resümee -
Als Ratgeber/Nachschlagewerk vielleicht durchaus noch interessant, als Schwarzbuch allerdings gänzlich unbrauchbar. Sieht man auf den Ruf des noch vor Ingeborg Lackinger Karger angeführten Hans Weiss würde man ein ganz anderes Buch hinter dem Cover erwarten. In diesem Fall verrät die Verpackung allerdings doch einmal mehr über den Inhalt. Weiss Beitrag beschränkt sich allem Anschein nach auf gerade einmal ein Kapitel und dezenten Einfluss auf die Einleitung. Also bleibt ein schwieriges Urteil, einerseits glaubt man sich nach 50 Seiten in einem völlig anderen Buch wiederzufinden, andererseits liegt das vielleicht daran dass man sich von Weiss Beteiligung hat in die Irre führen lassen. Themenverfehlung oder Fehlerwartung? Dieser Rezensent möchte es beim Hinweis darauf belassen was wirklich in diesem Buch steckt und damit verbunden der Warnung was es nicht ist.