Peter Englunds "Schönheit und Schrecken" fasst die Erinnerungen, Tagebucheinträge, Reflexionen und Kommentare von 19 Menschen zusammen, die beispielhaft für Millionen anderer die Zeit des ersten Weltkrieges erlebt haben. Eingebettet in die politischen und militärischen Abläufe lassen diese die persönlichen Beziehungen zum historischen Geschehen der Epoche sehr lebendig erscheinen. Dabei sind die Facetten der geschilderten Emotionen und Persönlichkeitsentwicklungen nicht neu. Sowohl die anfängliche Kriegseuphorie, ja Kriegssehnsucht, die folgende Ernüchterung bis zur Kriegsmüdigkeit, die tiefe Kränkung und Enttäuschung ob der entzauberten Ideale, der Fatalismus in den "Menschenmühlen" der Schlachtfelder, das verrohte Töten, die Abstumpfung und Sucht nach Anerkennung und Auszeichnungen, das Nebeneinander von Langeweile, Todesangst und Hochgefühlen ("Schönheit und Schrecken"), aber auch der erhaltene nüchterne Blick auf die Zusammenhänge in den von der Propaganda und Zensur zersetzten Gesellschaften. Dies alles ist bereits in vielen Berichten beschrieben. Das Besondere an diesem Buch ist die ungeheure Dichte mit der diese Schicksale entwickelt werden. Die romanhafte Erzählform und die umfangreichen Detailinformationen zu jedem Protagonisten und seinem Umfeld lassen die Schicksale so lebendig erscheinen, wobei die hervorragend ausgewählten, fotografischen Dokumente dem Leser immer wieder deutlich machen: hier werden wahre Schicksale wiedergeben, keine Fiktion. Beeindruckend ist v.a. die ungeheuere Recherchearbeit von Peter Englund, die sich nicht nur auf die Quellen zu den einzelnen Personen und deren Umfeld beschränkt, sondern auch ausdehnt auf Details der Landschaft, Kleidung und Technik der Zeit, sowie Hintergründe zu politischen Entwicklungen, sobald sie das Schiksal der Protagonisten berühren.
Ein wichtiges und überaus lesenswertes Buch, das neben der spannenden Vermittlung von Zeitgeschichte keinen Zweifel daran lässt, das Krieg nicht der Vater aller Dinge ist, sondern immer eine persönliche, gesellschaftliche und kulturelle Katastrophe.