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Die Schönheit, die Erhabenheit und die Gemeinschaft der Philosophen (edition suhrkamp)
 
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Die Schönheit, die Erhabenheit und die Gemeinschaft der Philosophen (edition suhrkamp) [Taschenbuch]

Richard Rorty , Albrecht Wellmer , Jürgen Blasius , Christa Krüger
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 87 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (18. April 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518121499
  • ISBN-13: 978-3518121498
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,1 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Die Philosophie als Go-between

Ein Blick in Richard Rortys Bilderwelt

Von Uwe Justus Wenzel

Was Philosophen tun, wenn sie philosophieren, das ist nicht nur Nichtphilosophen nicht ganz klar. Die Frage ist innerhalb der philosophierenden Kommunität, vorsichtig gesagt, umstritten. Das hat sie mit vermutlich allen Fragen philosophischen Zuschnitts gemein. Und was ein «philosophischer Zuschnitt» wäre – auch darin krümmt sich ein Fragezeichen, das niemand so leicht zum Ausrufungszeichen wird strecken können. Solchen Anfechtungen – und nun müssten Anführungszeichen das Abgeschmackte mildern – ist Philosophie seit ihren Anfängen ausgesetzt. Es charakterisiert und hebt die Philosophie von den aus ihrem Herrschaftsbereich ausgewanderten Wissenschaften mehr oder minder scharf ab, dass sie sich fortwährend selbst thematisiert, auch dann, wenn sie sich – normalbetrieblich sozusagen – einer «Sachfrage» widmet. Lediglich im Grad der Ausdrücklichkeit differieren die stets mitlaufenden Selbstvergewisserungen. – Derzeit nehmen die höchst expliziten auffällig zu.

WENIG, ABER VIEL

Einen nicht geringen Anteil an der gegenwärtigen Konjunktur philosophischer Selbstbesinnung hat Richard Rorty. Er traut der Philosophie nicht mehr sehr viel zu, aber – in gewisser Weise – doch mehr, als viele andere ihr zutrauen. Das liegt daran, dass Rorty eines Geistes ist mit John Deweys Pragmatismus. Von dieser Warte erscheinen philosophische Probleme, einerseits, lediglich als Epiphänomene. Philosophie, so referiert Rorty Dewey in dem nun in deutscher Übersetzung vorliegenden Essay «Philosophie & die Zukunft », sei «parasitär», stets eine Reaktion auf anderswo in Kultur und Gesellschaft stattfindende Entwicklungen.

Der Weg aber führt, anderseits, auch zurück in die Gesellschaft und verschafft der Philosophie einen gewissen, freilich diffus anmutenden Einfluss. Sie findet den Weg in diesem Szenario nur, wenn sie sich manches abschminkt. Sie soll sich, Rorty-Leser kennen das, ihres Wahrheitsanspruchs begeben; soll nicht mehr so tun, wie wenn sie sich an etwas «da draussen» annähere, an eine für sich feststehende und auf Entschleierung wartende Wirklichkeit, die sich immer richtiger erfassen lasse. Der philosophische Therapeut empfiehlt: «Statt Metaphern der Annäherung an etwas, das nicht wir selbst sind, sollten wir Metaphern der Erweiterung unser selbst verwenden, Metaphern, die davon handeln, wie wir uns selbst fähiger und besser machen.» Oder, mit Dewey: «empfindsamer» dem uns umgebenden Leben gegenüber.

Um Metaphern also geht es, um Bilder, die wir uns von der Welt machen und davon, wie wir sie sehen. – Wir? – «Wir Philosophieprofessoren» schreibt Rorty mehr als einmal; und er meint es in etwa auch so: Zunächst möge zur «Alltagsweisheit der Intellektuellen» werden, was hernach allmählich in den common sense einsickern soll. Die empfohlene Selbsterweiterung – sie soll uns auch noch «reicher, vielfältiger und interessanter» machen – beginnt hiernach mit der Veränderung des Selbstbildes der Philosophen. In herbem Kontrast jedoch zu dem lebenskünstlerischen Vokabular, dessen er sich bisweilen bedient, skizziert Rorty die neuen Vorbilder. Nicht mehr die Gestalt des Weisen oder des Priesters soll der Philosoph vor Augen haben, sondern die Rolle des Ingenieurs oder des Rechtsanwalts. Warum? Zuvörderst, weil er seine Themen nicht mehr selbst bestimmen könne wie – angeblich – der Weise oder der Priester. Wie Ingenieure und Rechtsanwälte müssten «zeitgenössische» Philosophen die «Bedürfnisse ihrer ‹Auftraggeber›» erkunden, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Welcher Auftraggeber, welcher Aufgabe?

Der neue Philosoph entsteigt dem Elfenbeinturm oder der Kanzel in Situationen, so Rorty wiederum in Anlehnung an Dewey, in denen «die Sprache der Vergangenheit mit den Bedürfnissen der Zukunft» in Konflikt gerate. Ist also «die Zukunft» die Auftraggeberin? Wohl doch nicht allein. Der Philosoph betätigt sich als Advokat zweier Parteien. Er hat zu vermitteln, zu versöhnen, hat alte und neue «Überzeugungen» so zusammenzuflechten, dass sie einander «befruchten können, statt sich gegenseitig zu behindern». – Etwa so, wie Leibniz, Kant und Hegel je auf ihre Weise versucht hätten, christliche Ethik (alt) und kopernikanisch-galileische Wissenschaft (neu) miteinander in Einklang zu bringen. Auch, und besonders, erwachse der Philosophie ein Pensum aus den modernen «Massendemokratien». Diese nämlich ruinierten die selbstverständlich gewesenen «platonischen» Unterscheidungen zwischen Vernunft und Leidenschaft, Logik und Rhetorik, Wahrheit und Nützlichkeit, Philosophie und Sophistik. Versöhnen statt spalten lautet für Rorty auch in diesem Betracht die Maxime.

Verflicht die Philosophie Logik mit Rhetorik, so wird sie zur «Maklerin». Ihren Kollegen im Immobiliengeschäft ist sie darin verwandt, dass sie sich – wiewohl behutsam – des Mittels der reformatorischen «Überredung» bedient. Ihre Fernperspektive sei die weltweite Realisierung einer «demokratischen Utopie». Dafür schickt Rorty sie als Schlichterin in den Kampf der Weltanschauungen – und nivelliert expressis verbis die Differenz zwischen Wissenschaft und Ideologie. Eine Philosophie, die sich auf der Höhe und also in den Niederungen der Zeit bewegen will, hat, so der lässliche Pragmatiker, eine gewisse «Entprofessionalisierung» hinzunehmen; sie muss Abstriche an ihrer «Unversehrtheit», an ihrer Autonomie machen.

PEND ELSCHWUNG

Ob Rorty sich aller Implikationen dieser Selbsterweiterung der Philosophie bewusst ist? In einem anderen Versuch, das Proprium der Philosophie zu bestimmen, lässt er die Zügel jedenfalls nicht sogleich schiessen. Er macht sich in dem Aufsatz über «Die Schönheit, die Erhabenheit und die Gemeinschaft der Philosophen» sogar anheischig, die Gruppe derer, die legitimerweise «Philosophen» heissen dürfen, einzugrenzen (auf diejenigen, die Kant und Platon gelesen haben) – und die «Techniker» analytischer Provenienz, die philosophische Probleme für blosse Denksportaufgaben halten, ebenso auszuschliessen wie die «reinen Philologen», die auch nicht zur Sache kommen. Die übrig bleiben, die veritablen Philosophen mithin, setzt Rorty in das Bild eines Pendels: Deren «Streben» sieht er zwischen dem Argumentativen und dem Nicht-Argumentativen, zwischen dem Diskursiven und dem Nicht-Diskursiven, zwischen Rationalität und Revolte, zwischen Grenzbefestigung und Grenzüberschreitung «endlos» hin und her gehen.

Das Pendel mag in Schwung kommen und einen allmählich grösser werdenden Kreisbogen beschreiben – solange es ein Pendel bleibt und nicht ins Rotieren gerät, gibt es noch ein Ausserhalb der Philosophie. Damit wäre immerhin die Möglichkeit gewahrt, einen Trennstrich zu ziehen zur Ideologie. Während der erste Essay der Philosophie eine Osmose nahelegt, auf dass sie ihre advokatorische Mission erfülle, scheint dieser zweite auf Identitätsbewahrung zu setzen. Eine «soziale Funktion» denkt er ihr trotzdem zu. Die beiden Pole der Pendelbewegung markieren nach Rorty nämlich nicht nur den Bewegungsspielraum philosophischen Tuns, sie besitzen so etwas wie Entsprechungen (Doubletten?) im kulturellen Setting der Gesellschaft. Was Rorty hier an Präzision vermissen lässt, scheint er durch ein gewisses Pathos ausgleichen zu wollen: Eine «Katastrophe für die Zivilisation» wäre es, so ist zu lesen, wenn die Spannung wiche, wenn eine der beiden «Parteien» oder Strömungen die Oberhand gewänne. (Unter den vielen Namen auf den Bannern der Parteien meint man auch die von Rationalismus und Romantik entziffern zu können.) Jenem «Teilbereich der gegenwärtigen Hochkultur», der «Philosophie» heisse, obliege es, diese Spannung – stellvertretend? – lebendig zu halten.

Ein recht schlichtes kulturphilosophisches Schema nimmt Kontur an: Entweder erstarrt die Ordnung, oder sie löst sich auf – es sei denn, die weltoffene Philosophie übernähme den Part des Go-between zwischen den Baumeistern und den Abrissunternehmen. Ist das nun zu viel der Ehre für die einstige Weltweisheit oder zu wenig?

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2000
Uwe Justus Wenzel bespricht den Band zusammen mit dem im Fischer-Taschenbuchverlag erschienen Band "Philosophie & die Zukunft" des gleichen Autors.
Ganz einig wird sich Wenzel in seiner zart ironischen Kritik dabei nicht über seinen Philosophen. Zunächst stellt er fest, dass wohl keine Disziplin derart mit ihrem eigenen Tun beschäftigt ist wie die Philosophie, dass diese Selbstbefasstheit im Moment auch noch eine besondere Konkjunktur hat und dass Rorty wohl als einer ihrer prominentesten Vertreter gelten muss. In beiden Bänden reflektiert Rorty nach Wenzel über die Rolle des Philosophen und kommt dabei zu scheinbar gegensätzlichen Ergebnissen. In "Philosophie & die Zukunft" beschreibe er den Philosophen als einen Advokaten seines Auftraggebers, der sich mit großer Skepsis über sein eigenes Vermögen und als "lässlicher Pragmatiker" auf die Höhe der gesellschaftlichen Fragen – und also in ihre Niederungen – begeben müsse. Im Essay "Die Schönheit, die Erhabenheit und die Gemeinschaft der Philosophen" dagegen bestehe er auf der Eigenständigkeit der Philosophie. Zwischen diesen beiden Polen empfinde Rorty eine Spannung, die die Philosophie in beständigem Pendelschlag aufrecht zu erhalten habe. "Ein recht schlichtes kulturphilosophisches Schema", findet Wenzel.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Von Amazon bestätigter Kauf
"So muss das Leben als die Einweihung und höchste Form
der heiligen Geheimnisse der Welt verstanden werden".
(Plutarch)

Dieses im Jahre 2000 erschiene Buch betreibt eine Art Revision der Philosophie als Erbschaft unserer Zeit. Haben sich die Techniken der Naturbeherrschung ins nahezu Grenzenlose entwickelt, konnten sie vor den Toren des Menschen als Teil der Natur nicht haltmachen. Das Jahrhundert zuvor war ein Jahrhundert der Völkermorde, eines inhumanen Fortschrittszuges, den man viel lieber bestiegen wäre, um sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen. Ob das Wissen des 21. Jahrhundert in der Lage ist, diese Paradoxie in eine Synthese zu überführen? Die Bilanz der Modernen kennt nahezu nur einen Fluchtpunkt: die Illusionslosigkeit über das ganze Zeitalter - und dennoch ein rückhaltloses Bekenntnis dazu.

Stellt sich die Frage neu: Was ist Philosophie und was kann sie leisten? Richard Rorty (1931-2007) sagt Nein!, denn eine Aufzählung notwendiger und hinreichender Bedingungen bringt nichts Neues. Vielmehr scheint interessant, "wie Dinge im weitesten Sinn des Wortes in einem Zusammenhang im weitesten Sinn des Wortes stehen". Diese von Sellars angeführte Definition hilft in der Tat auch nicht weiter, ist aber Grundlage einer Idee der kritischen Reflexion, nämlich die Frage nach dem Spannungsfeld der Philosophie zu stellen und nur diejenigen, die diesen Gedanken nachgehen, als Philosophen in einen Diskurs einzuladen. Dabei darf es nicht um philosophische Probleme gehen, die im Diskurs der Sophisterei bezichtigt oder als eloquente "scholastische Haarspalterei" sich aufreiben. Also ist auch das Whiteheadsche Bonmots auszuweiten, die okzidentale Kultur besteht aus Fußnoten Platons.

Rorty sucht den Kreis seiner Mitstreiter wohlüberlegt aus. Seine Voraussetzung ist dabei, dass nur der dabei sein dürfe, der sich im Spannungsfeld der Philosophie aufhalte. Das Spannungsfeld der Philosophie ist seit 2500 Jahren dasjenige, welches in den Fragen des Bedingten und Unbedingten, des Physischen und Metaphysischen, des Empirischen und Transzendenten nach Antworten sucht. Es sind die Fragen nach Moral und ihrer Herkunft aus der angeborenen Rationalität oder eben der historisch bedingten Akkulturation.
Platon und Kant sind die beiden Grundpfeiler allen Denkens, die Voraussetzung der Rortyschen virtuellen Gruppe, die die Spannung zwischen den o.a. Polaren, dem Relativen und dem Absoluten wie dem Schönen und dem Erhabenen als immerwährende Momente ihrer Philosophie beleuchtet haben.

Das Schöne und das Erhabene tauchte erstmals 1764 in einem kleinen kantschen Essay auf und wurde mit Kant aus der Kritik der reinen Vernunft unter die Ägide der Ästhetik gesetzt und erhielt mit der Kritik der Urteilskraft (1790) einen dauerhaften Rang.

Betrachtet man das Streben nach dem Schönen als Versuch, Vertrautes zu ordnen, ist man in der Pragmatik eines Rortys angelangt, dennoch verständlich richtigen. Folgerichtig muss für ihn das Erhabene nichts anderes sein als der Versuch, "mit etwas Unvertrauten, Unsagbaren" in Berührung zu kommen. Rorty gelingt hier schon der Wechsel vom Buchstäblichen hin zum Metaphorischen. In der Sprache Kants ist das Schöne eine Sache des Verstandes (hier verweise ich auf die Schriften Schillers in Anlehnung an Kant (Das Erhabene und insbesondere Über Anmut und Würde) und für das Erhabene ist die Vernunft zuständig (Kritik der Urteilskraft). Platonisch gesprochen liegt der Unterschied zwischen den Begriffen Dianoia und Noesis, die im Liniengleichnis der Politeia deutlich werden. Mit Platon gelingt es, sich dem Erhabenen zu nähern, in dem man eine nicht-begriffliche Vernunfteinsicht in das wirkliche Seiende gewinnt.

Nun kann man mit Wittgenstein Einspruch einlegen und mit ihm behaupten, über das, worüber man nicht reden kann, müsse man schweigen. Doch erinnern wir uns an die Vorrede zur kantschen "Kritik der reinen Vernunft". Kant sagt dort, das Wissen anheben zu müssen, um zum Glauben Platz zu bekommen. Wenn Schiller den Homo Ludens als den Verbinder des Schönen wie des Erhabenen noch ausmachen will, könnte es doch so sein, dass das Erhabene eine "dem Spiel enthobene Präsenz" (Derrida) als Begriff näher kommt, weil es nicht mehr durch eine Beziehung zu anderen Dingen bestimmt ist. Während das Schöne einer möglichen Veränderung unterliegt (Kant: subjektives Urteil) ist das Erhabene eine notwendige Konstanz. Beide Begriffe liegen mit dem Relativen und dem Absoluten nahe beieinander und in den Kritiken Kants werden sie methodisch und kategorisch beleuchtet aus der zusammenhängenden Geschichte der Vergangenheit. Platon und Kant - auch in ihrer Unzulänglichkeit - sind die Inspirationsgeber für zukünftige Gespräche der Philosophie. Sind sie noch Teilnehmer? Nein. Die Philosophie heute muss auf deren Schultern stehen, in dem Sinn, dass sie Teil ist von dem was ist. Aber so wie der starke Dichter der Feind des Nachfolgers ist, gilt auch in der Philosophie eigene Spuren zu hinterlassen, in dem man eigene Wege geht. Und doch sind es diese beiden, an denen der Beginn aller Wege sich festmacht.

Hypos und kallos, Erhabenheit und Schönheit sind ein getrennt zusammenhängendes Paar, seit Kant in der KU sind sie mit den Begriffen des Unendlichen und Endlichen, des Unbedingten und Bedingten verbunden. Damit aber ist die immerwährende Suche nach der Unterscheidung zu einer dauerhaften Aufbruchstimmung geworden, Inspiration für Dichter und Denker wie z.B. Yeats in Anlehnung an den Neu-Platoniker Plotin sein Motto formulierte: "Ihr sollt euch verwandeln, verwandeln aus leblosen Steinen in lebendige Steine der Weisen". Hoffnung auf eine Transformation steckt auf dem Weg vom Schönen zum Erhabenen, von Seienden zum Sein, vom Beherrschbaren zum Unbeherrschbaren. Der Mensch verliert im Zustand des Erhabenen sich selbst, "weil wir von etwas ergriffen werden, was wir nicht selbst sind". Wenn Sokrates sich als brillanter Dialektiker mit höchstem Scharfsinn in die Gespräche vertieft, staunen wir Leser und wundern uns umso mehr, wenn er die Gleise verlässt und beginnt, Mythen zu erzählen, von göttlicher Raserei oder erotischer Leidenschaft. Dieser Übergang hat seine Parallele bei Kant, wenn dieser vom Verstand zur Vernunft wechselt. Der Verstand widmet sich dem Bedingten, dem Streben, Mannigfaltiges zu verbinden. Die Vernunft liefert keine konkreten Vorstellungen, hier wird die Idee des Vorstellens aufgegeben zugunsten der Idee an sich. Ergriffen wird man von der Notwendigkeit, das Vorstellen durch etwas anderes zu ersetzen. Kant beschließt die Kritik der reinen Vernunft mit der Transzendentalen Analytik.

Was macht das Besondere an Platon und Kant? Beide halten Balance zu dem Verlangen nach Schönheit und dem Verlangen nach Erhabenheit. Beide sind ehrlich und mutig, die Spannungen nicht zu verdecken, im Gegenteil: sie offensichtlich zu machen. Wenn Platon sagt, die Dialektiker können alle Fragen beantworten, korrigiert er sich mit der Aussage, die Dialektik sei Hinführung zur Ekstase. So wie Sokrates eben nicht nur "im Vernünftigen schön wirkt" (Nietzsche), sondern im Symposion sich in der Lage sieht, sich Diotimas Meinung zu unterwerfen. Kant als Kritiker der Metaphysik kommt in der reinen Vernunft nicht umhin, sich neben den Phänoumena noch den Noumena zu widmen und da er vorgab in der Kritik der reinen Vernunft, das gesamte Wissen darzustellen, müsste sein Denk-Gebäude bei der Frage, ob das Wissen dem Verstand oder der Vernunft zuzurechnen sei, zusammenstürzen.

Das Schöne und Erhabene findet in der Diskussion Schillers nachhaltigen Einzug in die Poesie und die Dramatik. Begrifflicher Ausgangspunkt ist Kant vor ca. 220 Jahren, doch in den Überlegungen zwischen Seienden und Sein bereits über 2500 Jahre alt. Wenn noch heute diese Ambivalenz des Denkens eine Vorherrschaft zwischen Relativen und Absoluten hat, dann auch zu Rationalem und Spirituellem. Vielleicht zeigt sich gerade in der Unterscheidung und in der Klarstellung aller Differenzen ein Typus Mensch und seine Hoffnung auf Zukunft, die das Jenseits des Seins einschließt. Wer dieser Hoffnung eines Seins oder der Hoffnung des Geistes bei Johannes folgt, wird einen Punkt erwarten, an dem die Notwendigkeit von Kompromissen beendet ist und die Schleier der Erscheinung gelüftet sind. Dann liegt die Wirklichkeit offen da und, um den Bogen zu Schiller zu schließen, wird vollständige Freiheit die Existenz des Menschen verwandeln. Shelleys gigantischer Schatten, die das Zukünftige auf die Gegenwart wirft ist das Leitmotiv der Romantik, die Novalis Idee von der Apotheose der Zukunft, gemeint des Unbekannten, des schwer Vorstellbaren, des kaum Sagbaren, des Erhabenen.

Das Hegelsche Pendel muss in Schwung bleiben, weil es die Spiegelung der Bewegungen des Geistes ist.
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Von Jürgens "Bücher" TOP 50 REZENSENT
Von Amazon bestätigter Kauf
Gibt es die Philosophie der Kontingenz und die Philosophie des Absoluten? Die Frage könnte auch lauten sind Sie ein transzendentaler Idealist oder ein empirischer Realist? Wenn sie diese Fragen interessieren, dann ist dieses Buch etwas für Sie.

Rorty sieht Kant und Platon als unserer besten philosophischen Inspirationsquellen an, aus der gesamten Gemeinschaft der Philosophen.

Für Kant ist z.B. das "Schöne" eine Sache des Verstandes und für das "Erhabene" ist die Vernunft zuständig. Nach Platon liegt der Unterschied in den Begriffen von Dianoia und Noesis. Rorty dagegen teilt diese Differenzierung nicht sondern sieht nur einen Aufstieg vom Schönen zum Erhabenen.

Rorty differenziert bei seinen Betrachtungen ferner zwischen zwei Arten von Denkern, in Bezug auf deren Einstellung zur Zukunft:
Diejenigen (die empirischen Realisten) die mit der reinen Schönheit zufrieden sind, sehen die Zukunft als eine unaufhörliche Anpassung an neue Lebensumstände. Es ist eine Anpassung, die Verluste ebenso wie Gewinne erfordert und die solange weitergehen wird, wie die menschliche Spezies bestehen bleibt.

Dagegen halten die auf Erhabenheit Hoffenden (die transzendentalen Idealisten), es für möglich, daß wir in Zukunft an einem Punkt gelangen, an dem kein Kompromiß mehr nötig sein wird, weil der Schleier der Erscheinung dann durchsichtig sein wird und die Wirklichkeit offen vor uns liegt und sich in vollkommene Freiheit die menschlichen Existenz verwandelt hat.

Aber sollte man, wie es Rorty vorschlägt, die Philosophen(Menschen) wirklich in die Kategorien "transzendentaler Idealist" oder als "empirischer Realist" einordnen?
Möglicherweise betrachtet jede dieser philosophischen Richtungen nur einen Teilbereich des Ganzen? Wenn z.B. das "Schöne" und das "Erhabene" schon immer miteinander verbunden und verflochten gewesen sind... welche Betrachtung wäre dann richtig?
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