Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wir alle gieren nach Schönheit, auch wenn wir es nicht zugeben, 24. Juni 2006
Wer gerne gut geschriebene, unterhaltsame Sachbücher mit wissenschaftlichem Hintergrund liest, kommt hier voll auf seine Kosten. Ulrich Renz hat harte wissenschaftliche Fakten über das scheinbar so schwer zu greifende Thema Schönheit zusammengetragen. Das Ergebnis ist überraschend und teilweise sehr provokativ. Darüber kann auch der lockere Schreibstil des Autors nicht so leicht hinwegtäuschen. Oder wie finden Sie es, wenn Wissenschaftler herausfinden, daß unsere Gehirne schon freudig reagieren, wenn uns ein schöner Mensch auch nur anschaut, aber auch genauso froh sind, wenn uns ein häßlicher Mensch NICHT MEHR anschaut? Wußten Sie, daß hübsche Kinder nachweislich mehr dürfen und schöne Erwachsene mehr verdienen, als Normalos? Oder ahnten Sie, daß die meisten Frauen für ihr (natürlich schlankes) Idealgewicht glatt fünf Jahre ihres Lebens opfern würden?
Das Buch ist mit vielen Abbildungen ausgestattet, und verfügt über Literaturhinweise und weiterführende Fußnoten zu jedem Kapitel. Auch werden dort wichtige Internetadressen zum Thema genannt. Ausflüge in Kunst und Geschichte der Schönheit sowie moralische und philosophische Exkurse machen das Buch zu einem Leckerbissen für Querdenker und Schönheitsbegeisterte und zu einem schönen Geschenk.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Umfassend, aktuell und verständlich, 20. Mai 2006
Erstaunlich lange setze man sich nicht mehr intensiv mit dem Geheimnis des Schönen auseinander. Als ob die grossen Klassiker, Frankfurter Soziologen und Kunstkritiker schon alles dazu gesagt hätten. Weshalb stille Wasser plötzlich wieder in Bewegung kommen, lässt sich bekanntlich kaum ergründen. Möglich, dass zunehmender Körperkult, boomende Schönheitschirurgie und Beststeller von Evolutionspsychologen eine Rolle spielten. Und wenn ein Autor wie Umberto Eco den Versuch unternimmt, die Geschichte der Schönheit neu zu verfassen, steckt das an. Zumal ich kaum der einzige bin, den Ecos Version nicht vom Hocker riss. Da enthält das Buch von Winfried Menninghaus „Das Versprechen der Schönheit“ mehr Substanz, aber dafür kein Bildmaterial.
Den ehemaligen Arzt Ulrich Renz hat es nach eigenen Angaben bereits früh erwischt. Von der Schönheit fühlt er sich angezogen, seit man ihm Schneewittchen vorlas. Einige Jahrzehnte später wagt er nun den Versuch, dem Geheimnis der Schönheit in Worten näher zu kommen. Und zwar so, dass seine Ergebnisse auch den Laien verständlich sind, ohne den wissenschaftlichen Anspruch aufzugeben. Das ist ihm gelungen. Ulrich Renz recherchierte, las sich durch riesige Bücherstapel durch, suchte nach passendem Bildmaterial und sichtete eine Unmenge von Studien. Eine so seriöse Arbeit konnte wohl auch Renz nicht leisten, ohne sein normales Schlafpensum zu reduzieren. Denn im Gegensatz zu Menninghaus und Eco verfügt Ulrich Renz nicht über Heerscharen von Studenten, die auf der Suche nach professorenkompatiblen Seminar- und Diplomarbeiten sind. Die Website des Autors, schoenheitsformel.de, bestätigt die Vermutung, dass hier ein Besessener am Werk war. Gegliedert hat er das Ergebnis seines Tuns in sechzehn Kapitel und vier Teile. Die Leistung von Ulrich Renz besteht ja nicht in eigenen Forschungsarbeiten, sondern im Sammeln, Auswählen, Ordnen und Vermitteln. All das ist ihm bemerkenswert gut gelungen. Auch wenn mich einige Wiederholungen und Längen im Laufe der Lektüre immer mehr störten. Doch der flüssige Schreibstil, die 49 Abbildungen und die unterhaltsamen Einblicke in Wissenschaftsbuden und kreative Experimente hellten meine Laune immer wieder auf. Und weil „Die Schönheit“ zu den zwölf Zeichensprachen gehört, mit denen ich in meinem Buch „Tausend und eine Macht“ die Arbeitsergebnisse des Unbewussten zu erfassen versuche, weiss ich das Buch von Ulrich Renz besonders zu schätzen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Schönheitsexperten fördert er Neues und längst Verschollenes ans Tageslicht. Wo die Beweislage dürftig ist, merkt er es an. Wo sich wichtige Studien widersprechen, stellt er deren Kernaussagen einander gegenüber. Wo er an Tabus kratzt, macht er dies mit dem nötigen Respekt. Wissenschaftsjournalismus, wie er sein sollte.
Mein Fazit: Die Schönheitsforschung ist spannend. Besonders, wenn sie so vermittelt wird, wie Ulrich Renz dies gekonnt vorführt. So machen 344 Seiten Wissenschafts-, Kultur-, Kunst-, und Gesellschaftsgeschichte Spass und klug.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der andere folgenreiche "kleine Unterschied", 2. Februar 2007
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - alles nur ein romantischer Wahn?
Der Gedanke drängt sich auf, wenn man Ulrich Renz' Buch liest und sich nicht aus einer Verpflichtung gegenüber der Moral oder der politischen Korrektheit heraus den durch zahlreiche methodisch einwandfreie Experimente belegten Schlussfolgerungen versperrt. Wir sind nicht gleich: Hübschere Babys und Kinder erhalten deutlich mehr Zuwendung und Zärtlichkeit als durchschnittliche oder gar hässliche, und attraktive Menschen sind bei Bewerbungen und später im Beruf erfolgreicher. Wir sind nicht brüderlich: Schöne Menschen treffen auf deutlich mehr Hilfsbereitschaft als weniger schöne, und schon Kinder bevorzugen als Freunde gut aussehende Altersgenossen. Wirklich frei sind wir offensichtlich auch nicht, denn die Bevorzugung schöner Menschen wird unterbewusst gesteuert und fließt zudem als wesentliches Kriterium in die Partnerwahl ein. Außerdem nimmt uns die Einbindung in die Mode, die das gängige Schönheitsideal steuert, einige Freiheit. Dies alles ist kein Zeichen hoch entwickelter Zivilisation; den Naturvölkern ergeht es ähnlich.
Der Autor umreißt zunächst die Schönheitsideale und Moden von der Antike bis zur Gegenwart und macht damit deutlich, dass Schönheit nicht unerheblich von Modeströmungen beeinflusst wird: Im Mittelalter bevorzugte man Frauen mit kleinem Busen und eher üppigen Hüften, heute hingegen sollten die Brüste groß und die Hüften fettarm sein.
Weitere Kapitel widmen sich einer Definition von Schönheit sowie ihrem Sinn in biologischer Hinsicht. In einer ganzen Reihe von Kapiteln geht es schließlich um die Auswirkungen von Schönheit, um die Vorteile, die sie ihren "Besitzern" nachweislich bringt, aber auch um Nachteile, denn die gibt es auch; schon allein deshalb, weil an Schöne überdurchschnittlich hohe Erwartungen gestellt werden.
Der letzte Teil, sinnvoll betitelt mit "Und erlöse uns von der Schönheit?" setzt sich mit dem aktuellen Schönheits- und Jugendwahn auseinander, mit seinen Auswirkungen unter anderem als Motor lukrativer Industrien, mit dem Pro und Contra der Schönheitsoperationen und den Selbstverstümmelungen in anderen, historischen und modernen Kulturen.
Stellenweise macht die Lektüre wenig Freude, denn wer erfährt schon gern, dass manche Aspekte des scheinbar freien Willens, Gefühle einschließlich der Liebe und das Urteilsvermögen in erheblichem Ausmaß durch Millionen Jahre alte Instinkte gesteuert werden? Etwas Mut zur Selbsterkenntnis, am besten auch einen Schuss Selbstironie muss man da schon mitbringen. Unter dieser Voraussetzung ist das Buch ungemein spannend, denn das Thema geht uns natürlich alle an, ob wir schön sind, durchschnittlich oder Mauerblümchen. Der Autor weiß Beobachtungen, Experimente und Theorien ebenso sachlich wie unterhaltsam und mit Humor gewürzt darzustellen, und seine Einschätzungen wirken realistisch und wohlüberlegt. Anhand zahlreicher Abbildungen kann sich der Leser im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von den Inhalten der Kapitel machen. Die vorgestellten Forschungsergebnisse sind erfreulich aktuell.
Ein großartiges Buch, das des Lesers Bild von seinen Artgenossen und sich selbst gravierend zu ändern vermag.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|