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"Gemeinschaft, Identität, Stabilität" so das Motto dieses verlogenen, diktatorischen Reiches.
In diese Welt platzt Bernhard Marx, der aus einem Reservat, in dem es keine genmanipulierten Menschen und kein Soma gibt, kommt. Er lernt eine Frau aus der obersten Kaste kennen, verliebt sich in sie und beginnt, gegen das System zu revoltieren... Als Leitbild hat er aus dem Reservat eine Ausgabe von Shakespeares Werken mitgebracht und Mirandas Worte klingen ihm im Ohr: "Schöne, neue Welt, die solche Menschen trägt!".
Aldous Huxley hat einen satirischen Roman geschaffen, der trotz seines Alters von 60 Jahren einige erschreckende Parallelen zur Gegenwart aufweist. Dieses Buch macht die Gefahren von Genmanipulation sehr deutlich, allerdings waren zu dieser Zeit viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, nicht vorstellbar und so hinterläßt es ein manchmal seltsames Gefühl. Der Roman ist eine Literaturlegende, die man einfach gelesen haben muß. --Tina Dobosch -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Im Jahr 632 nach Ford leben die Menschen - vor Geburt in fünf Kasten von Alphas bis Epsilons eingeteilt - in einer vollkommen technologisierten Welt. Natürliche Geburten gibt es nicht mehr. Die genormten Menschen werden in Flaschen gezüchtet und später nicht entbunden, sondern entkorkt.
In dieser schönen neuen Welt ist jeder glücklich. Alle Lebensabläufe sind so konzipiert, dass es kein Leid, keine Sorgen und Gefahren mehr gibt. Die Ehe und Monogamie ist abgeschafft, ja gar verpönt. Und taucht doch mal ein Problem auf, so gibt es, Ford sei Dank, Soma - die Droge, die die Menschen von der Wirklichkeit beurlaubt.
Als Sigmund mit Lenina einen Urlaub in der „Wildnis" - wie die wenigen Reservate außerhalb der Zivilisation genannt werden - antritt, und dabei Filine und ihren Sohn Michel kennenlernt, möchte er die beiden Wilden mit in seine technologisierte Welt nehmen. Ein Wunsch, der zum Eklat führt.
Meine Meinung:
Aldous Huxleys Schöne neue Welt wurde 1932 erstmals veröffentlicht. Und genau hierin liegt für mich der eigentliche Schrecken dieser Zukunftsvision. Denn so utopisch, wie sie bei der Entstehung noch war, ist sie lange nicht mehr. Das erkannte der 1963 verstorbene Aldous Huxley bereits in seinem Essayband „Dreißig Jahre danach". Er schreibt darin: sozialer und technischer Fortschritt und verfeinerte Methoden der psychologischen Manipulation lassen erwarten, dass diese grausige Voraussage sich in einem Bruchteil der veranschlagten Zeitspanne verwirklichen werde.
Sicher wäre Huxley weniger erstaunt, als ich als Leser , wie nah wir im Anfang des 21. Jahrhunderts bereits an seine schönen neuen Welt heranreichen: Sorgen werden in Alkohol ertränkt, Glück mit Drogen vermeintlich künstlich erzeugt. Der Tod wird tabuisiert, das Altern passt nicht in unser Schönheitsbild und wird als etwas schlechtes angesehen. Genormtes Äußeres ist vielerseits gewünscht, was nicht passt, wird passend gemacht - in Form von Schönheits-OPs. Von Genmanipulationen und dem Klonen abgesehen, sind Retortenbabys keine Sensation mehr, sondern eine Alternative zur natürlichen Schwangerschaft.
Wann wird der erste „Wilde" schreien, wie Michel in Huxleys Schreckensszenario, dass er keine Bequemlichkeit braucht, sondern Gott, Poesie und Gefahren, sowie Freiheit, Tugend und Sünde? Eben alles, was uns zu Individuen und lebendig macht. Alles, was uns von Maschinen unterscheidet. Willen und Gefühle, Geist und Seele.
Wenn es so weiter geht, sind wir einst alle unter totaler Kontrolle, wie es in Huxleys Welt der Fall ist. Alles ist vorherbestimmt; die soziale Schicht, das Aussehen, der Lebensablauf. Selbst unsere intimsten und geheimsten Gefühle, bis sie schließlich abgestumpft und verkümmert sind, werden fremdbestimmt sein. Schon heute braucht es für viele einen Bungeesprung, um den Kick noch fühlen zu können. Und bei Schmerzen oder auch nur Langeweile, greift man einfach zu Drogen. Das Leben selbst scheint nicht mehr lebenswert. Es muss rund um die Uhr etwas geboten werden, damit wir noch spüren, dass wir lebendig sind. So wird es uns vielerorts vorgegaukelt, z. B. in den Medien - man denke nur an die Werbung.
In Aldous Huxleys Geschichte ist Ford - ja, Henry Ford - zu einem Gott avanciert. Die Menschen huldigen dem technischen Fortschritt, wie ihnen von höchster Stelle vorgegeben. Anzweifeln ist kaum mehr möglich, da die Menschheit so geschickt manipuliert und mit genormtem Glück, in Form der Droge Soma, ruhig gehalten wird.
Eine sterile Welt, in der alles perfekt, und damit kalt, leb- und lieblos ist. Somit muss ich gestehen, dass mein Aufenthalt in Aldous Huxleys viel diskutierter schönen neuen Welt nicht sehr angenehm war. Es ist keine Geschichte zum Wohlfühlen. Die Figuren empfand ich als stumpf und mit keiner hätte ich gern mehr zu tun. Das hat Huxley gut gemacht! Denn solch eine Welt, mit solchen Bewohnern, erwartet uns, wenn wir uns nicht auf ein einfacheres und eventuell unperfekteres Leben besinnen.
Fazit:
In Zeiten von „Dschungelcamp" und anderen TV-Serien wird eine Zukunftsschilderung wie sie hier vorliegt wichtiger denn je. Wer schafft es eigentlich, dass so viele Menschen sich Sendungen dieser Art ansehen? Künstlich geschaffene, kalkulierbare Gefahren und Risiken - brauchen wir das? Und: haben wir nichts besseres zu tun?
Ein solches Übersetzungs-Verfahren ist heutzutage bei Weltliteratur, auch bei „nicht ortsgebundener", nicht mehr zeitgemäß, sondern eine Verfälschung und Entstellung des Originals. Derjenige Leser, der mit dem englischen Original vertraut ist, empfindet die „Verpflanzung" als befremdlich bis störend, und der, der es nicht ist, bekommt einen falschen Eindruck vom Original, das nun einmal nicht in Berlin beginnt, sondern im „CENTRAL LONDON HATCHERY AND CONDITIONING CENTRE". Der „BUND", der „Brut- und Norm-Direktor von Berlin", heißt im Original „D. H. C. for Central London", was ganz andere Assoziationen hervorruft (außerdem „für", nicht „von"!).
Auch andere, nur auf den ersten Blick unwesentlich erscheinende Details wurden damals vom Übersetzer verändert. Beispielsweise heißt es im Original: „ ... and the students underlined the words in their little notebooks", in dieser Übersetzung aber: „und die Studentlein unterstrichen das Wort in ihrem Heftchen." Von „Studentlein", was im Deutschen leicht geringschätzig klingt, ist im Originaltext aber überhaupt nicht die Rede, nur wertfrei von „students".
Vom Erwerb dieser vor 70 Jahren entstandenen Übersetzung wird daher jedem abgeraten, der dieses Buch noch nicht kennt. Wer den Originaltext lesen kann, sollte sich lieber das Original anschaffen.
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