Treffsicher präsentiert Alexander Osang in den gesammelten 50 Kolumnen aus dem Magazin der Berliner Zeitung (1999-2001) seine Sicht der Zeit. Dabei hält er sich gekonnt zurück, beobachtet und kritisiert mit Humor und einer durchgehenden Trockenheit, was ihm wiederfährt, was ihn beschäftigt und wer ihm über den Weg läuft. Er gibt ein wenig von sich weg und revanchiert sich dafür in Worten, dabei überläßt er es immmer dem Leser, ob der nun mag, was er da gelesen hat oder nicht. Es ist wie das Öffnen einer überaus verführerischen Pralinenschachtel. Keine Ahnung, ob die Pralinen alle schmecken, aber man muß sie einfach kosten.
Der Leser reist durch das Buch wie Osang von Berlin nach New York gereist ist. Unannehmlichkeiten und Absurditäten begegnen einem, das Peinliche, das Wütende und das Unverständliche skizzieren eine Welt, die jeder sehen kann - auch wenn er nur in Deutschland sitzt und nicht mit Osang durch Brooklyn läuft. Denn irgendwie ist man doch dabei und kehrt mit Osang zurück nach Berlin und spürt, wie schnell man zum Fremden wird in der eigenen Heimatstadt.
Osang ist eine große Ausnahme auf dem literarischen Markt. Er ist nicht nur ein brillianter Erzähler, er hat sich mit dem Blick fürs Detail und dem genauen Auge eines Kolumnisten zu einem Schriftsteller entwickelt (DIE NACHRICHTEN, Fischer Verlag, 2000), der viele der gegenwärtigen Autoren in den Schatten stellt. Der nächste Roman naht. Bis dahin heißt es Pralinen mampfen.
Zoran Drvenkar