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Meine Meinung zu der Schönen neuen Welt, 18. April 2005
Inhalt: Im Jahr 632 nach Ford leben die Menschen - vor Geburt in fünf Kasten von Alphas bis Epsilons eingeteilt - in einer vollkommen technologisierten Welt. Natürliche Geburten gibt es nicht mehr. Die genormten Menschen werden in Flaschen gezüchtet und später nicht entbunden, sondern entkorkt. In dieser schönen neuen Welt ist jeder glücklich. Alle Lebensabläufe sind so konzipiert, dass es kein Leid, keine Sorgen und Gefahren mehr gibt. Die Ehe und Monogamie ist abgeschafft, ja gar verpönt. Und taucht doch mal ein Problem auf, so gibt es, Ford sei Dank, Soma - die Droge, die die Menschen von der Wirklichkeit beurlaubt. Als Sigmund mit Lenina einen Urlaub in der „Wildnis" - wie die wenigen Reservate außerhalb der Zivilisation genannt werden - antritt, und dabei Filine und ihren Sohn Michel kennenlernt, möchte er die beiden Wilden mit in seine technologisierte Welt nehmen. Ein Wunsch, der zum Eklat führt. Meine Meinung: Aldous Huxleys Schöne neue Welt wurde 1932 erstmals veröffentlicht. Und genau hierin liegt für mich der eigentliche Schrecken dieser Zukunftsvision. Denn so utopisch, wie sie bei der Entstehung noch war, ist sie lange nicht mehr. Das erkannte der 1963 verstorbene Aldous Huxley bereits in seinem Essayband „Dreißig Jahre danach". Er schreibt darin: sozialer und technischer Fortschritt und verfeinerte Methoden der psychologischen Manipulation lassen erwarten, dass diese grausige Voraussage sich in einem Bruchteil der veranschlagten Zeitspanne verwirklichen werde. Sicher wäre Huxley weniger erstaunt, als ich als Leser , wie nah wir im Anfang des 21. Jahrhunderts bereits an seine schönen neuen Welt heranreichen: Sorgen werden in Alkohol ertränkt, Glück mit Drogen vermeintlich künstlich erzeugt. Der Tod wird tabuisiert, das Altern passt nicht in unser Schönheitsbild und wird als etwas schlechtes angesehen. Genormtes Äußeres ist vielerseits gewünscht, was nicht passt, wird passend gemacht - in Form von Schönheits-OPs. Von Genmanipulationen und dem Klonen abgesehen, sind Retortenbabys keine Sensation mehr, sondern eine Alternative zur natürlichen Schwangerschaft. Wann wird der erste „Wilde" schreien, wie Michel in Huxleys Schreckensszenario, dass er keine Bequemlichkeit braucht, sondern Gott, Poesie und Gefahren, sowie Freiheit, Tugend und Sünde? Eben alles, was uns zu Individuen und lebendig macht. Alles, was uns von Maschinen unterscheidet. Willen und Gefühle, Geist und Seele. Wenn es so weiter geht, sind wir einst alle unter totaler Kontrolle, wie es in Huxleys Welt der Fall ist. Alles ist vorherbestimmt; die soziale Schicht, das Aussehen, der Lebensablauf. Selbst unsere intimsten und geheimsten Gefühle, bis sie schließlich abgestumpft und verkümmert sind, werden fremdbestimmt sein. Schon heute braucht es für viele einen Bungeesprung, um den Kick noch fühlen zu können. Und bei Schmerzen oder auch nur Langeweile, greift man einfach zu Drogen. Das Leben selbst scheint nicht mehr lebenswert. Es muss rund um die Uhr etwas geboten werden, damit wir noch spüren, dass wir lebendig sind. So wird es uns vielerorts vorgegaukelt, z. B. in den Medien - man denke nur an die Werbung. In Aldous Huxleys Geschichte ist Ford - ja, Henry Ford - zu einem Gott avanciert. Die Menschen huldigen dem technischen Fortschritt, wie ihnen von höchster Stelle vorgegeben. Anzweifeln ist kaum mehr möglich, da die Menschheit so geschickt manipuliert und mit genormtem Glück, in Form der Droge Soma, ruhig gehalten wird. Eine sterile Welt, in der alles perfekt, und damit kalt, leb- und lieblos ist. Somit muss ich gestehen, dass mein Aufenthalt in Aldous Huxleys viel diskutierter schönen neuen Welt nicht sehr angenehm war. Es ist keine Geschichte zum Wohlfühlen. Die Figuren empfand ich als stumpf und mit keiner hätte ich gern mehr zu tun. Das hat Huxley gut gemacht! Denn solch eine Welt, mit solchen Bewohnern, erwartet uns, wenn wir uns nicht auf ein einfacheres und eventuell unperfekteres Leben besinnen. Fazit: In Zeiten von „Dschungelcamp" und anderen TV-Serien wird eine Zukunftsschilderung wie sie hier vorliegt wichtiger denn je. Wer schafft es eigentlich, dass so viele Menschen sich Sendungen dieser Art ansehen? Künstlich geschaffene, kalkulierbare Gefahren und Risiken - brauchen wir das? Und: haben wir nichts besseres zu tun?
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102 von 109 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Altbackene Übersetzung, 21. April 2005
Von Ein Kunde
Was an dieser Ausgabe sehr stört, ist die inzwischen viel zu altbackene Übersetzung. Sie stammt ursprünglich aus dem Jahr 1932. Aus dem Vorwort von 1932: „Da die Handlung dieses utopischen Romans nicht an den Ort gebunden ist, erschien es dem Übersetzer ratsam, sie vom englischen auf deutschen Boden zu verpflanzen". Die Übersetzung wurde im Jahr 1949 von Herbert E. Herlitschka noch einmal durchgesehen. Auch damals wurde sprachlich noch kräftig ent-anglisiert. Die in jenen Jahren synchronisierten Spielfilme sind bevölkert von in heutigen Zeiten nur mehr kurios wirkenden „Herrn Millers" und „Fräulein Browns". Ein solches Übersetzungs-Verfahren ist heutzutage bei Weltliteratur, auch bei „nicht ortsgebundener", nicht mehr zeitgemäß, sondern eine Verfälschung und Entstellung des Originals. Derjenige Leser, der mit dem englischen Original vertraut ist, empfindet die „Verpflanzung" als befremdlich bis störend, und der, der es nicht ist, bekommt einen falschen Eindruck vom Original, das nun einmal nicht in Berlin beginnt, sondern im „CENTRAL LONDON HATCHERY AND CONDITIONING CENTRE". Der „BUND", der „Brut- und Norm-Direktor von Berlin", heißt im Original „D. H. C. for Central London", was ganz andere Assoziationen hervorruft (außerdem „für", nicht „von"!). Auch andere, nur auf den ersten Blick unwesentlich erscheinende Details wurden damals vom Übersetzer verändert. Beispielsweise heißt es im Original: „ ... and the students underlined the words in their little notebooks", in dieser Übersetzung aber: „und die Studentlein unterstrichen das Wort in ihrem Heftchen." Von „Studentlein", was im Deutschen leicht geringschätzig klingt, ist im Originaltext aber überhaupt nicht die Rede, nur wertfrei von „students". Vom Erwerb dieser vor 70 Jahren entstandenen Übersetzung wird daher jedem abgeraten, der dieses Buch noch nicht kennt. Wer den Originaltext lesen kann, sollte sich lieber das Original anschaffen.
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60 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
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Großartiger Roman, miserable Übersetzung, 3. Juli 2005
Der Roman von Huxley ist ohne Zweifel eines der genialsten und wertvollsten literarischen Kunstwerke des 20. Jahrhunderts. Die 'Übersetzung" dieses Romans ins Deutsche durch H.E. Herlitschka hingegen eine abscheuliche und mutwillige Eigendichtung des Übersetzers, die denjenigen, der den Originaltext kennt, beleidigt und empört. In dieser Übersetzung werden nicht nur Namen in eigensinniger Weise geändert (das wäre nicht das Schlimmste!), sondern einfach Sachen unterschlagen und im Sinne des verklemmten Deutschland der Vor-68er weggebügelt. Es fehlen ganze Passagen und wichtige Einzelheiten. Dass der Fischerverlag trotzdem weiterhin das Buch von Huxley in der Übersetzung Herlitschkas verkauft und immer wieder neu auflegt, zeigt nur, wie ignorant bzw. sachunkundig die Verlagsmanager sind. Jedem, der dieses Buch in dieser sogenannten Übersetzung kaufen will, rate ich davon ab. Das Problem ist allerdings, dass es neben dieser Übersetzung nur noch eine andere Übersetzung, und zwar von Eva Walch, gibt, die zwar bei weitem gewissenhafter und getreuer ist, die aber heute leider vergriffen und zudem an einigen wichtigen Stellen nicht viel besser als die Übersetzung von Herlitschka ist. Das in Reklam aufgelegte englische Original ist zwar insofern besser, als man wenigstens den Originaltext vor sich hat, aber die Vokabelerläuterungen auf jeder Seite sind oft entweder nicht wirklich brauchbar oder stellenweise sogar irreführend. Kaufen Sie das Buch in der englischen Originalfassung, auch wenn sie schwerer zu lesen ist, aber es lohnt sich, und die Originalsprache Huxleys ist superb!
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