Brave New World, der Titel entspringt einem Zitat aus Der Sturm, dem letzten Stück Shakespeares, und ein Sturm ist dieses Hörbuch trotz mancher eher langsam erzählten Passagen auch wirklich. So vieles wirkt fremdartig, oder schlimmer, unnatürlich vertraut. Gefühlsarmut, Übersexualisierung, Oberflächlichkeit - wenn man dieses Buch hört, dann rollen die Gedanken, und was dabei an Zivilisationskritik herauskommt, ist für unsere Gesellschaft nicht unbedingt immer schmeichelhaft.
Die Geschichte hingegen geht ein bisschen in dieser Welt und ihrer Konstruktion auch ihrer Konstruiertheit unter. Dabei ist es noch nicht einmal wirklich störend, dass Huxley bei seinem Blick in eine Zukunft von etwa fünfhundert Jahren voraus ein paar Sachen quasi übersehen hat, die heute normal sind das gibt der Geschichte allenfalls ein seltsames Gefühl der Betulichkeit und Überholtheit, das auf jeden Fall falsch ist. Aber die Geschichte bleibt bei allen existenziellen Problemen eben auch ein bisschen gefühllos wirkliche Identifikation ist bei keiner der Figuren möglich, und das macht den Zugang einfach schwerer.
Hans Eckardt ist nicht nur Vorleser, normalerweise bringt er anderen Menschen das Sprechen und Vorlesen bei. Und seine Autorität auf diesem Gebiet kann er mit dieser Lesung problemlos bestätigen. Alle Pointen sitzen wenn die meisten auch eher schmerzhaftes Lächeln hervorrufen, und nicht befreites Lachen. Er drängt dem Hörer nichts auf, spielt sich nicht in den Vordergrund, kann aber auch immer mit seinem ruhigen, souveränen Stil überzeugen. Ein Meister des Lesens.
Schöne neue Welt ist ein Klassiker, ein Meilenstein der SF-Literatur, und deswegen für alle Interessenten des Genres ohnehin zu empfehlen. Dieses Hörbuch ist zudem eine meisterliche Lesung der ursprünglichen Übersetzung, die das Geschehen von London nach Berlin verlegte.