Beide Bände erschienen 1996 und sind seither noch nicht überarbeitet worden. Hierzu erkenne ich allerdings auch keinerlei Bedarf, da die beschriebenen Wirkungen der heute noch häufig verschriebenen Mittel umfangreich mit zuverlässigen Quellen belegt sind.
Beide Bände beziehen sich größtenteils auf Neuroleptika und daneben auf Antidepressiva, Lithium, Carbamazepin, Pschostimulanzien und Tranquilizer. Der erste Band enthält darüber hinaus ein Kapitel zu Elektroschocks, der zweite Band Kapitel zu Abhängigkeit und Entzug (inklusive Tipps zum erfolgreichen Absetzen). Der erste Band enthält außerdem eine umfangreiche Liste, bei der Handelsnamen, Wirkstoffe, Wirkstoffgruppen und die Länder registriert sind, wo die Medikamente vertrieben werden.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Bänden ist, dass sich Band 1 mit den Wirkungen auf die Psyche befasst und Band 2 mit den Wirkungen auf den Körper. Beiden Büchern ist eigen, dass sie sich gut als Nachschlagewerk für spezifische Nachforschungen machen. Denn der behandelten Medikamentengruppe (wie 'Neuroleptika') folgt im Inhaltsverzeichnis je die Auflistung der Unterkapitel und deren Punkte. Hat jemand Interesse an einem bestimmten Bereich wie 'Zahnschäden' oder 'Erhöhung der Suizidtendenz', so lassen sich diese gut finden.
Ein Register am Buchende ermöglicht es, schnell herauszufinden, wo im Buch bestimmte Medikamente Erwähnung finden (Neuroleptika sind bekanntlich durchaus etwas verschieden in ihren typischen Nebenwirkungen, wenn auch die meisten Nebenwirkungen bei allen Präparaten gleich aussehen).
Menschen, die in einer Psychiatrie untergebracht sind oder gegenwärtig Neuroleptikas schlucken, kann ich definitiv vom Buch abraten. Durch die umfangreiche Darstellung der negativen Aspekte besteht die Gefahr, dass Neuroleptikas übereilt und schlecht organisiert abgesetzt werden. Zudem besteht eine mögliche negative Wirkung des Buchs darin, dass jemand an sich selbst mehr Nebenwirkungen festhält, als er tatsächlich hat.
Die Nebenwirkungen von Medikamenten sind weit schlimmer, als es die meisten Pfleger und Ärzte meinen (Diese sollten aus meiner Meinung nach im Laufe ihrer Ausbildung Selbstversuche machen und vorher keinesfalls in einer Psychiatrie anfangen). Dieser blinde Fleck bei Angestellten von Psychiatrien, die Auswirkungen vollkommen unterschätzen, ist für mich nur teilweise nachvollziehbar.
Der Beipackzettel von Medikamenten gibt einen Überblick, enthält jedoch sehr vieles vor. Aus verständlichen Gründen versuchen Beipackzettel, in geringstmöglichem Ausmaß die Schattenseiten der Produkte aufzulisten (Immerhin ist die Pharmaindustrie ein Wirtschaftszweig, in dem jeder seine Produkte bestmöglich absetzen will).
Zwar erscheint die Lehmann`s Darstellung sehr negativ und überspitzt. Hierfür sind seine Darstellungen jedoch gut belegt und man muss bei Lehmann und seinem eigenen Verlag kaum fürchten, dass die Darstellungen und herangezogenen Studien von der Pharmaindustrie in Richtung pro Medikamente verfälscht sind (Beim Thieme-Verlag, Springer-Verlag und diversen Autoren ist dies keinesfalls gegeben, so rechtschaffen Verlage und Autoren auch wirken).