Der detail- und farbenfrohen Welt der Fotografie im Wort gerecht zu werden ist eine besondere Herausforderung. Peter Nadas, so liest man bei Wikipedia.de, war ursprünglich Fotograf, bevor er Autor wurde.
"Schöne Geschichte der Fotografie" wählt die Zeit der Anfänge der Fotografie, in denen Plattenkameras geschleppt werden mußten und an die Mengen-inflationäre Kleinbild- oder Digitalfotografie noch nicht zu denken war. Er beabsichtigte damit wohl, die Langsamkeit der Bilder zu betonen und damit die Intensität des Eindruckes zu steigern.
Dies ist jedoch in jeder Hinsicht schiefgegangen: die Personen wirken glanz- und geschichtslos, völlig platt. Die Dialoge sind einschläfernd in ihrer rituellen Floskelsprache. Das Skizzieren von Bildern, zwischen denen im Text rasch gewechselt wird (teilweise satzweise), bleibt in ihrer Kürze völlig hinter dem Zurück, was nötig wäre, um in der Phantasie ein Bild zu entwickeln. Dazwischen folgen bindemittelfrei und daher höchst überraschend erotisch-frivole Szenen, die ebenfalls platt bleiben, aber beim Durchhalten der Lektüre helfen. Die Intention, dem Leser in verkürzter Form Gedanken in beinahe lyrischem Format darzubieten, resultiert in redundanten und schlafanstoßenden Weisheiten wie der folgenden (BVT-Ausgabe S. 42): "Selbst die individuellen Eigentümlichkeiten jedes einzelnen zeigen Gleichförmigkeit in ihren Äußerungen, sonst könnten wir uns unseren Bekanntschaften mit den Personen und unserer Beobachtung ihres Betragens niemals ihre Gesinnung erfahren und unser eigenes Benehmen danach einrichten".
Fazit: Zu schönen Bilder hat dieser Roman mir nicht verholfen, lediglich zu Langeweile und einer ab Seite 12 nicht mehr nachlassenden Lesemüdigkeit.