Die "Schönen Frauen" Floriane Daniel, Julia Jäger, Caroline Peters, Clelia Sarto und Ulrike C. Tscharre rackern sich auch im wahren Leben durch zahllose SOKOs - Regisseur Sathyan Ramesh schneidert ihnen sein Drehbuch somit geradezu auf den Leib. Bei ihm wurde sozusagen nicht das Team gecastet, sondern der Stoff.
Fünf junge Schauspielerinnen - Barbara, Dana, Kandis, Geno und Karin - machen sich lustlos auf zu einem Casting für einen Serienkrimi der Sorte - da sind sie sich einig - "Männerkacke". Der scheinbar unverzichtbare spekulative Umgang mit nackter Haut und spektakulärer Oberweite selbst in einem Serienkrimi wird in dem Satz "Wir sind eine Wursttheke" auf den Punkt gebracht.
Natürlich kennen wir die Damen: Ulrike Tscharre spielt Marion Beimer in der "Lindenstraße". Clelia Sarto "arbeitet" als Kommissarin in der "SOKO Köln". Caroline Peters erhielt 2007 den Grimme-Preis für ihre darstellerische Leistung in "Arnies Welt". Julia Jäger kennen wir auch als Gattin des Commissario Brunetti in "Donna Leon", mit dem Kurzfilm "Spielzeugland" gewann sie 2009 den Oscar. Floriane Daniel gab ihr Kinodebüt in Tom Tykwers "Winterschläfer".
Im Wartezimmer des Studios, welches sehr an Nachkriegs-Wartesäle in Bahnhöfen erinnert, bewerfen sich die Damen erst gegenseitig mit Katzendreck, dann breiten sie ihre Häme über Fernseh-Krimis aus und verlieren darüber gänzlich die Lust. Geno schlägt vor, sich aus dem Staub zu machen. Alle außer Dana sind dabei - aber auch sie stößt letztlich zu den Ausreißern. Kurz entschlossen macht man sich auf den Weg zur Nordsee.
Alle Hotels sind dicht - but there's a light: Sie stolpern in eine Herberge, in welcher Edda Schnittgard and Ina Mueller (Mitglieder der Sylter Gruppe "Queen Bee") proben und dürfen dort übernachten. Sie finden Alkohol satt und geben es sich in jeder Bedeutung des Wortes: Wenn der Tag kommt und der Sprit noch nicht gegangen ist, liegen ihre Liebeserlebnisse, ihre Seelen und ihr Selbstgefühl voreinander bloß. Ob Gruppendynamik und/oder -Therapie, langsam entwickelt sich Freundschaft.
Der Einsatz von Video-Handkameras, das eindringliche Spiel der vorzüglichen Schauspielerinnen und der leicht schräge Gesang von Queen Bee, der sich unter der Haut in den Nacken schleicht, verleihen dem Film eine seltene Spannung, Intimität und Atmosphäre. Auch wenn die Ironie des Titels absolut glaubwürdig umgesetzt wurde, ist diese ARD/Arte-Produktion sicher nicht nur für Frauen absolut sehenswert. Bei aller Verlorenheit darf man als Zuschauer ein warmes Leuchten im Herzen aus dem kalten Norden mit nach Hause nehmen.
"Schöne Frauen" erhielt auf dem Filmfest Emden einen Publikumspreis.
film-jury 5* A0175 19.10.2010e 7A 1P Genre: Drama
PS: Den Queen Bee - Song kann man kaufen:
Freundinnen Müßte Man Sein - warum die DVD nicht mehr produziert wird, wissen wohl nur die zuständigen Qualitätsgegner. Nun, man kann sie sich ja im TV mitschneiden...