Dass die DDR ein vergleichsweise entspanntes Verhältnis zur Nacktheit und eine lebendige Freikörperkultur hatte, dürfte sich herumgesprochen haben. Auf diesem Humus gedieh auch eine Aktfotografie, die sich deutlich vom Blick des Westens auf den nackten (und fast immer weiblichen) Körper unterschied.
Nachdem vor zwei Jahren die Anthologie »Schön nackt« eine Auswahl davon versammelt hatte, legt der Verlag nun eine Fortsetzung nach. Unter den 24 vorgestellten Fotografen finden sich wie schon im Vorgängerband Namen wie Günter Rössler und Thomas Karsten, aber auch viele unbekannte Foto-Amateure. Nicht jedes Bild ist gut gealtert, doch die meisten wirken seltsam zeitlos. Trotz der sommerlichen Wärme und Jugend, die in den Akten eingefangen ist, dominieren nachdenkliche Gesichter und getragene Kompositionen, unterbrochen von gelegentlichen Koketterien mit der Kamera. Auf den ans Grelle und Perfekte heutiger Fotografie gewöhnten Betrachter wirken diese Schwarzweißbilder aus den letzten 25 Jahren der DDR wie Dokumente einer versunkenen Epoche - und genau das sind sie ja auch.