Bevor ich das Buch gelesen hatte sah ich die Fernseh-Doku gleichen Titels. Mir war natürlich klar, daß die beiden Autoren Adamek und Otto sich die Stories nicht aus den Fingern gesaugt hatten. Dennoch sind Doku und Buch starker Tobak. Die im Film enthaltenen Fälle findet man auch im Buch. Mittlerweile spricht es sich herum, daß Deutschland irgendwie garnicht mehr so ein Hochsteuerland ist, wie immer angenommen (und wie z. B. in der Propaganda der INSM und der FDP seit vielen Jahren ständig behauptet) - jedenfalls nicht für Multimillionäre und Milliardäre. Und das hat viele Gründe. Z. B. den Grund, daß sich unser Staat von einer flächendeckenden und gerechten Steuererhebung schon längst verabschiedet hat, was die Hoffnung beerdigt, alleine Reformen im Steuerrecht würden schon zu mehr Gerechtigkeit führen. Z. B. den Grund, daß flächendeckend mehr oder weniger stark nahezu alle Länderfinanzbehörden massiv Personal abgebaut haben, und ansonsten oft Anweisungen herausgeben, bestimmtes Klientel doch bitte nicht zu genau zu prüfen. Z. B. den Grund, daß Finanzbehörden mies ausgestattet, und darüberhinaus kaum vernetzt sind, was sie zu zahnlosen Tigern macht. Z. B. den Grund, daß auch Banken zu den Steuerhinterziehungs-Helfern gehören, selbstverständlich mit weitaus besserer Ausstattung als etwa ermittelnde staatliche Stellen. Usw...usf...
Das führt dann u. a. dazu, daß etwa der an der Cote d`Azur lebende Millionär Barski gerade mal 2.300,-- ¤ Steuern auf 26.000 ¤ zu versteuerndes Einkommen zahlt, während etwa eine klassische Mittelschichtfamilie auf 80.000 ¤ Einkommen 16.240 ¤ Steuern zahlt, mehr als das sieben(!)fache wie der o. a. Millionär. Das führt auch dazu, daß Bürger mit 500.000,-- ¤ jährlich fast garnicht mehr überprüft werden, weil die Länder die Erfüllung der entsprechenden Anweisung des Finanzministeriums einfach nicht nachkommen, im Gegenteil. Manchmal wird den Fahndern sogar VERBOTEN, zu ermitteln: Hessen etwa hat bis 2003 15 Steuerfahnder, die sich mit besonders reichen Steuerhinterziehern sehr erfolgreich zu befassen hatten, aus ihren Jobs entfernt. Wir erinnern uns: ein paar besonders renitente Exemplare ließ man auf illegale Weise für verrückt erklären (Übrigens: der die illegalen Gutachten erstellende Psychiater ist mittlerweile rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt, im Buch ist dieser Punkt aber noch nicht enthalten). Und ... und ... und ...
Die beiden Buchautoren, die man auch als Mitarbeiter des Polit-Magazins "Monitor" vom WDR her kennt, haben eine Menge unglaubliches, und haarsträubendes Material zusammengetragen.
"Schön reich - Steuern zahlen die anderen - Wie eine ungerechte Politik den Vermögenden das Leben versüßt" heißt das Buch völlig zu recht. Deutschland IST mittlerweile eine Steuer-Oase für Millionäre und Milliardäre, und demzufolge ein Hochsteuerland für Arbeitnehmer und sonstige Mittelschicht-Angehörige, denn irgendjemand muss das alles ja bezahlen. Wenn man diese Berichte der beiden Autoren liest, wird auch Folgendes augenfällig: Gerade in diesen Tagen der Hartz4-Debatte, und dem widerlichen Geschacher darum, wieviel man denn nun den Ärmsten zum Überleben zugestehen möchte, sollte man als Bürger, und gerade als Angehöriger der sog. "Mittelschicht" Bücher wie dieses lesen, denn dann liegt offen zutage, WER die Mittelschicht mithilfe willfähriger Pölitiker nun WIRKLICH ausplündert, oder mit anderen Worten: Es sind NICHT "die da unten, es sind "DIE DA OBEN"! Ja, denn wem haben denn die Absenkung des Spitzsteuersatzes von 53 auf 42 % und die Einführung der neuen 25 %igen von der Einkommenssteuer unabhängigen Abgeltungssteuer für Kapitalerträge genutzt, und wer finanziert sie? Und jegliches Unrechtsbewußtsein sucht man bei DENEN vergeblich.
Das Buch ist absolut lesenswert, aber Vorsicht: Diverse Wutanfälle sind vorprogrammiert. Dazu passende, interessante Literatur: "Der gekaufte Staat" von den gleichen Autoren, "Bank-Räuber" von Leo Müller, "Die Profit-Geier" und "Die geplünderte Republik" von Thomas Wieczoreck, und "Meinungsmache" von Albrecht Müller