Die Mehrzahl der Bilder der 18 teils sehr verschiedenen Fotografinnen und Fotografen stammen aus den 1980er-Jahre, also aus dem letzten Jahrzehnt der Geschichte der DDR, einige Bilder auch aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Alle Bilder sind in Schwarz-weiss. Die Frauen haben allesamt Körper, so wie sie die Natur geschaffen hat, also Schamhaar und kein Silikon. Viele Bilder scheinen eine Geschichte zu erzählen. Einige der Modelle lachen - und zwar nicht ein gekünsteltes Lächeln, sondern teils voll heraus. Es ist ersichtlich, dass zwischen den Modellen und den Fotografen ein Vertrauensverhältnis besteht, ein Dialog stattfindet, der weit über Regieanweisungen hinaus geht. Die Umgebungen, in welchen die fotografierten Frauen agieren, sind heimisch und wirken vertraut.
Willi Sitte spricht in seiner Einleitung vom Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der DDR-Frauen, der Gleichberechtigung von Modell und Fotograf, Freiheit von Zwängen und Fesseln, von Ängsten und Sorgen, was in den Bilden Ausdruck finde. Zu Recht weist er jedoch darauf hin, es lasse sich an einem nackten Busen kaum ablesen, ob dahinter ein ostdeutsches oder ein westdeutsches Herz schlage; ein nackter Körper trage nun mal keinen Pass. Nun, der Bilderband enthält eine Auswahl von Fotografien. Ob diese Auswahl repräsentativ ist für Aktfotografie in der DDR, ob eine solche Auswahl mit ähnlicher Ausrichtung nicht auch mit Aktfotografien aus Westdeutschland, der deutschen Schweiz oder Österreichs der 1960er bis 1980er-Jahre hätte erstellt werden können, lässt sich fragen. Ich bin nicht überzeugt, dass "DDR" hier das prägende Markenzeichen ist. Mir scheint die Zeit der Entstehung der Bilder von grösserer Bedeutung zu sein. Dies ist aber nicht vorrangig. Jedenfalls ist die Sammlung gelungen, zeigt einen Ausschnitt aus dem Wirken talentierter Fotografen und ein Stück Lebensfreude der abgebildeten Frauen.