Mit "Durch die Wüste" liegt nun endlich der erste Karl-May-Tonfilm vor und May-Fans haben nun die Möglichkeit, selbst Vergleiche zu den späteren Verfilmungen vorzunehmen.
Im Gegensatz zu vielen May-Filmen aus den 60er Jahren basiert "Durch die Wüste" tatsächlich auf der gleichnamigen Buchvorlage, nimmt aber dennoch viele Änderungen in Personal und Handlung vor, um die 600 Seiten in rund anderthalb Stunden unterzubekommen. Die oftmals hervorgehobene Werktreue des Films entspricht in etwa derjenigen der Verfilmungen von "Winntou 1", "Der Schatz im Silbersee", "Der Ölprinz", "Durchs wilde Kurdistan", "Der Schut" oder "Das Vermächtnis des Inka".
Während das Drehbuch also durchaus zu loben ist, ist eine Schwachstelle eindeutig in der Umsetzung zu finden, die nur selten Spannung oder eine humorige Atmosphäre zu erzeugen vermag, der Zuschauer bleibt oftmals nur ferner Beobachter, anstatt dass er richtig in die Handlung eintauchen kann. Das lässt sich auch nicht damit begründen, dass der Film schon in den 30er Jahren entstanden ist, auch damals konnten durchaus spannende/lustige Filme produziert werden.
Bei Bild und Ton sind einige Mängel zu beklagen, allerdings muss man hier durchaus das Alter des Films beachten und bedenken, dass es keine qualitativ hochwertige Archivkopie gibt, die als Vorlage dienen konnte. (Und eine aufwändige und teure Bearbeitung des Materials bei einem solchen Film, der kein großes Publikum finden dürfte, nicht zu finanzieren ist.)
Für Karl-May-Fans alles in allem ein solider Film, der einen Blick Wert ist, das breite Publikum dürfte sich aber durch die eher behäbige Inszenierung weniger für den Film begeistern lassen.