Ich habe dem 1. Teil schon 5 Sterne verliehen, deshalb leider nicht mehr steigerungsfähig.
Dieser 2. Teil hat mir sehr viel besser gefallen, da der Kriminalfall nicht wie im 1. Teil privater Natur ist, sondern von immenser gesellschaftlicher Brisanz.
Offensichtlich gibt es hier sehr viele Leser, die das Sujet für übertrieben oder klischeehaft halten. Die sollten ihre Augen mal wirklich öffnen, was angesichts dessen, was unser Staatsoberhaupt so gerade treibt, nicht so schwer sein sollte.
Macht korrumpiert. Da kann sich ja jeder an die eigene Nase fassen. Wer würde gewisse Mittel wie Geld, Einfluß etc. nicht für seine persönlichen Zwecke nutzen, wenn sie ihm denn in die Wiege gelegt werden.
Denkt mal an die ganzen Banker, die Milliarden verzockt haben. In den Romanen von Dostojewski oder Thomas Mann hätten die sich die Pistole in den Mund gesteckt. "Ehre" scheint heutzutage bei vielen machtvollen Menschen kein wertvoller Begriff mehr zu sein. Zynismus stattdessen. Belohnung, wo Bestrafung angemessen wäre. Kein Wunder.
Der Roman von Adler-Olsen macht aber gar kein Faß auf. Das Ganze wird sehr unaufgeregt erzählt. Das Hauptaugenmerk gilt der polizeilichen Ermittlungsarbeit. Endlich mal wieder darf man dabei sein, wenn ordentlich recherchiert wird, Bekannte, Eltern, Freunde, Arbeitgeber, Feinde, Ex-Polizisten, Kinder, Ex-Frauen, Nachbarn, Ärzte und Krankenschwestern etc. ausfindig gemacht und verhört werden. Das kommt leider in den wenigsten Krimis noch so vor. Nachvollziehbar, erdig, große Klasse.
Und witzig. Der trockene Carl Morck ist kein Strahlemann, sein Assistent Assad kein Fall für irgendeinen Integrationsbeauftragten. Das kleine Team erhält noch Zuwachs durch Rose, die Carl prima Paroli bietet. So wurschteln sie sich dahin in ihrem Keller, aber mit Grips und gesundem Menschenverstand.
Sehr sympathisch, freue mich auf Teil 3.