Gleich vorweg: Ich habe das Buch gierig gelesen, so spannend und aufschlussreich habe ich es gefunden.
Margit A. Bacher beschreibt sehr eindringlich, wie sehr sie sich als Kind bemühte, die Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen, um von ihnen geliebt zu werden. Aber ihre Bemühungen fruchteten nichts, ihre Eltern nahmen ihre Bemühungen nicht einmal wahr. Als Konsequenz dieses angelernten Verhaltens bemühte sie sich auch in ihrem weiteren Leben, die Erwartungen und Wünsche von anderen Menschen zu erfüllen, weil sie sich nur so vorstellen konnte, von jemandem geliebt zu werden. Die Liebe suchte sie immer bei Menschen, die sie ihr nicht geben konnten. Sie sah ihr Dilemma, konnte es sich aber nie erklären. Sie heiratete einen Mann, der sie, ebenso wie ihre Eltern, nicht wahrnahm und sie in ihrem wahren Wesen und Bedürfnissen ignorierte und zurückwies.
Sie beschreibt, wie sich immer dann, wenn sie nicht in Einklang mit ihren wahren Gefühlen lebte, erkrankte: psychisch oder körperlich oder beides. Eindringlich, spannend und sehr gut nachvollziehbar analysiert sie die Zusammenhänge zwischen der sozialen Umgebung und ihrem Befinden. Ein Meisterstück ist ihr meiner Meinung nach bei der Beschreibung ihrer Zwänge und ihrer Psychose gelungen. Besser könnte es ein Psychologe nicht beschreiben. Was mich an dem Buch gerührt hat, ist die Tatsache, dass es ihr gelungen ist, niemanden für ihr Leiden anzuklagen. Sie wollte, wie sie selbst schreibt, einfach verstehen, warum sie wie geworden ist und warum sie so häufig erkrankte. Auf dieser Basis konnte sie erstmals den Schmerz über die erfahrenen Kränkungen erleben und sich so von ihrem Mann trennen und sich von ihren körperlichen und seelischen Beschwerden befreien.
Ich habe viel gelernt aus diesem Buch und sehe vieles seitdem anders. Meiner Meinung nach leistet das Buch auch einen unschätzbaren Beitrag zur heutigen Diskussion über schwierige, depressive, koma-saufende Jugendliche. Sie zeigt auf wunderbare Weise, dass wir Menschen dazu verdammt sind, unser wahres Wesen zum Ausdruck zu bringen, nur dann können wir ein einigermaßen glückliches, gesundes, erfülltes Leben leben. Ich kann das Buch nur jedem dringend empfehlen! Man muss sich nicht schämen für sie, Frau Bacher oder wie auch immer sie heißen, sondern ihnen danken, dass Sie dieses Buch geschrieben haben. Mir hat es schon jetzt geholfen!!!
Christa