Margaret Mitchells Roman "Vom Winde verweht" hat mich in seinen Bann gezogen wie kein Buch zuvor und es war bis heute das einzige Buch, dass ich auch nach der letzten Seite unmöglich aus der Hand legen konnte und deshalb die über 1000 Seiten (im englischen Original) gleich nochmal von vorne begonnen habe.
Und obwohl ich nach mir dem ersten Mal wirklich ein anderes Ende hätte vorstellen können, war mir nach dem zweiten Lesen völlig klar, dass die Geschichte von Scarlett und Rhett einfach nicht anders ausgehen kann. Die Entwicklung der beiden lässt einfach keine andere Möglichkeit zu.
Deshalb hatte ich bereits Bedenken, die Fortsetzung überhaupt in die Hand zu nehmen. Denn eigentlich war die Geschichte und die Entwicklung der Figuren am Ende des Romans in sich völlig schlüssig und auch abgeschlossen, so dass ich mir nicht vorstellen konnte, was an einer Fortsetzung reizbar sein sollte.
Natürlich ist es auf gewisse Weise ein offenes Ende, da Scarlett fest entschlossen ist, Rhett zurückzugewinnen: "Tomorrow is another day." Dennoch - es muss nicht immer ein Happy End geben, und in diesem Fall hätte es einfach nicht zur Story gepasst!
Dass sich Alexandra Ripley schließlich nach so langer Zeit doch zum Schreiben einer Fortsetzung entschieden hat, zeugt von ziemlichem Mut. Schließlich musste sie davon ausgehen, dass jeder Satz ihres Romans mit der großartigen Vorlage verglichen werden würde - und ihr womöglich niemals gerecht werden könnte.
Und genau das ist meiner Meinung nach auch geschehen. Ich konnte in manchen Passagen nur noch den Kopf schütteln und mich über das Verhalten der Personen wundern, die ich in "Vom Winde verweht" so sehr ins Herz geschlossen hatte und die sich nun völlig anders verhielten als ich es je von ihnen erwartet hätte.
Die Geschichte begann mich auch nach sehr kurzer Zeit schon zu langweilen, und als ich schließlich zu der Stelle kam, als Rhett und Scarlett mit dem Segelboot kentern, wollte ich das Buch am liebsten gleich wieder aus der Hand legen. Die knisternde Erotik, die deutlich zu spüren war, als Rhett Scarlett in "Vom Winde verweht" die Treppen hinaufträgt, war hier wirklich nicht zu spüren, die Handlung ähnelte eher einer Seifenoper.
Dennoch habe ich mich bis zum Ende durchgequält und war froh, diese "Fortsetzung" endlich in die hinterste Ecke des Regals stellen zu können.
Ich werde diesen Roman bestimmt kein zweites Mal lesen, während "Vom Winde verweht" für immer einen Ehrenplatz in meinem Bücherschrank haben wird.
Mein Tipp an alle, die mit dem Gedanken spielen, "Scarlett" zu lesen: Lest lieber das Original noch ein zweites oder drittes Mal und erspart euch die wirklich mäßige Fortsetzung.