Nach den Sissi-Filmen von 55/56/57 sollte Romy Schneider endlich heraustreten aus der alpenländischen Klamm. Der internationale Erfolg von "
... und immer lockt das Weib" hatte gerade den Mythos der jungen Bardot begründet. Eine "italienische BB" mit deutscher Bravheit schien also das optimale Konzept zu sein. Drei Jahrzehnte nach der italienischen S/W-Original-"Scampolo" ("Rest") von 1928 strömten die deutschen Urlauber in Massen ins schöne Italien. Was lag da näher, als auf der beliebten Ferieninsel Ischia ein Agfacolor-Remake[1] mit deutschen Schauspielern zu drehen? Die 1958er Neufassung von "Scampolo" markiert also sozusagen Sissis Kaiserschnitt - und der italienische Titel "Sissi a Ischia" war einfach nicht zu toppen.
Die hübsche Scampolo (Romy Schneider, 19) ist ein 17-jähriges Waisenkind auf Ischia. Sie jobbt als sprachbegabte Fremdenführerin für Italien-Urlauber aus dem Norden. Die vielen Fragen, die einem Mädchen ihres Alters auf der Seele liegen, werden von der Ziehmutter Mariette (Elisabeth Flickenschildt, 53) mit göttlichen Lebensweisheiten lückenlos beantwortet. Roberto Costa (Paul Hubschmid, 40) hofft als kreativer Architekt immer noch auf die große Chance in einem Wettbewerb. Als er Scampolo kennenlernt, verändert sich sein Leben...
Solche Geschichten um erwachende junge Frauen sind nicht gerade selten - aber "Scampolo" hat das gewisse Etwas, welches wir einem feinfühligen Drehbuch, einer kongenialen Regie und einer talentierten und trotz ihrer Prominenz relativ uneitlen Hauptdarstellerin verdanken. Sehr schön gefeilte Dialoge, die dennoch völlig natürlich wirken, pointieren Banalitäten und Gedankenlosigkeiten des Umgangs miteinander. Die Altklugheit des neugierigen Mädchens trifft sich mit der verspielten Raffinesse einer begehrten jungen Frau. Aufrichtigkeit und Kompromisslosigkeit entlarven scheinbar mühelos aufgesetztes Gerede und routinierten Smalltalk.
Paul Hubschmid unterstützt diese Philosophie der leisen Töne mit bemerkenswerter Zurückhaltung, Frau Flickenschildt "ist" so sehr Marietta, dass ich sie zunächst überhaupt nicht erkannt habe. Lediglich Robertos Freund und Gönner Andreas Michaelis (Georg Thomalla) und einige Deko-Damen in Nebenrollen sehen so richtig nach 50er Jahren aus und liefern die passend aufdringliche Bühnenstimme dazu.
Aber das nimmt man hin wie auch die zeitgemäßen Dekorationen und die damalige Kameraführung - umso beeindruckender sind die klugen und liebenswerten kleinen Gespräche der jungen Romy Schneider.
Das macht, auch aus heutiger Sicht, noch richtig Freude - gerade wenn man an die damals üblichen schrillen Dialoge und "literarischen" Texte des Hollywood-Kinos denkt, denen diese deutsche Produktion doch mehr als nur eine Nasenlänge voraus ist und - von der Technik mal abgesehen - vergleichsweise sehr modern wirkt.
Im Original 89 Minuten, Format 1,37:1 in Farbe auf 35 mm Film, mono (IMDB)
jury 4* A0577 13.4.2011e 7 A F E
[1] Das war übrigens bereits das zweite Remake - bereits 1932 hatte Hans Steinhoff mit Dolly Haas in der Hauptrolle eine "deutsche Version" in Schwarz/Weiß in die Kinos gebracht.
Rosemarie Magdalena Albach (* 23. September 1938 in Wien)
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1957 4* A0577
Scampolo....... R: Alfred Weidenmann D: Romy Schneider, Paul Hubschmid
1968 2* I0068
Der Swimmingpool....... R: Jacques Deray D: Alain Delon, Jane Birkin, Romy Schneider
1973 5* A0414
Das Wilde Schaf....... R: Michel Deville D: Jean-Louis Trintignant, Jane Birkin
1974 -* R0000
Trio Infernal - Ungekürzte Fassung....... R: Francis Girod D: Mascha Gonska, Romy Schneider, Michel Piccoli
Romy Schneider starb unter ungeklärten Umständen am 29. Mai 1982 in Paris