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Die Band kündigte ScabDates als Unterstützung des diesjährigen Albums "Frances The Mute" und des Vorgängers von 2003 "De-Loused In The Comatorium" an und man solle sich für epische Stücke, deren Länge Ausdauer fordert, bereit machen. Mit letzterem haben sie nicht zu viel versprochen. Die Mars Volta Live Erfahrung dauert 73 Minuten, in denen jedoch nur drei Songs präsentiert werden, episch halt. Na gut, als Mars Volta Fan ist man ja 20 oder 30 min lange Stücke gewöhnt ;-)
Von der Tracklist her kannte ich nur drei Lieder und nachdem ich das Album gehört habe, behaupte ich, dass man dort auch "nur" Take The Veil, Concertina und Cicatriz hört, alle weiteren Stücke sind Intros, Outros bzw. Improvisationen dieser Songs und im ersten und v.a. im letzten Track (20 min) finden sich die "field recordings", die Omar Rodriguez-Lopez von der Band während der Tour gemacht hat, abgemischt mit den Liveklängen. Während diese Soundexperimente auf "Frances" zur Einstimmung auf bestimmte Gefühlslagen durchaus Sinn machen, finde ich sie auf einem Live-Album eher fehl am Platze. Der andere Kritikpunkt ist, dass "Frances" einfach fehlt, vielleicht ist in den Improvisationen was enthalten, was mir bisher entgangen ist, ein ganzes Lied des aktuellen Studioalbums ist definitiv nicht vorhanden.
Wenn man sich mit diesen "Mängeln" abgefunden hat, ist ScabDates schon ein echtes Erlebnis. Die Soundqualität ist hervorragend und es ist ein interessantes Gemisch aus Bekanntem (die Teile, wo die Songs so klingen wie auf den Alben) und Unbekanntem. Der Sound von The Mars Volta ist live überwältigend, ein fulminanter Klangteppich aus Keyboard, Bass und Gitarre, mal träumerisch ruhig, mal heiß angetrieben durch die exzellenten Drums, mal verstörend durch die wilde und verzerrte Gitarre, dazu noch die ziemlich einzigartige Stimme von Cedric Bixler Zavala, die mit dem Begriff "emotional" nur unzureichend beschrieben werden kann.
Mein Favorit ist Track #6 "Concertina" (eines ihrer besten Lieder überhaupt - und live noch besser) und alles rund um "Cicatriz", insbesondere Part II (Track #10) ist genial, Jon Theodores treibende Drums, Cedric Bixler Zavalas Gesang zwischen Flüstern und Heulen und Omar Rodriguez-Lopez' geniale Riffs sind atemraubend. Die Liveatmosphäre kommt insgesamt "verhalten" rüber, ab und zu hört man Klatschen und Pfeifen, aber das ist live vor Ort auch nicht anders. "Shut up and listen from the beginning to the end" hat Omar mal gesagt und das macht das Publikum auch ;-)
Wenn man ScabDates unter dem Aspekt "erstes offizielles Live-Album" betrachtet, ist es schon ein gelungenes Werk, einen Stern habe ich wegen der oben genannten Kritikpunkte zurückgehalten. Nicht für die Wertung, eher eine persönliche Kritik: Ich hätte mir wirklich eine Doppel-CD gewünscht, immerhin gehen TMV Konzerte i.A. nicht unter 2 Stunden und dann hätten sie auch die 7 Songs, die da üblicherweise Platz finden, präsentieren können. Gut, dass es dafür noch Fan-Mitschnitte gibt...
ABER: Von der Spielzeit von ca. 72 Minuten muss man gut und gerne 15 Minuten abziehen. Warum? Das ganze erste Stück sowie die ersten 10 Minuten des letzten Stückes bestehen nur aus unhörbaren Soundcollagen (sogar für meine Ohren zu viel, und ich kann einiges ab). Dafür gibt es einen Punkt Abzug.
Der Rest der Platte ist aber genau das, was man von Mars Volta erwartet, und dazu in einem für ein Live-Album hervorragendem Sound.
Tim
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