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Sayonara, meine Bücher
 
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Sayonara, meine Bücher [Gebundene Ausgabe]

Kenzaburo Oe , Nora Bierich
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 361 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 1 (4. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 310055213X
  • ISBN-13: 978-3100552136
  • Originaltitel: Goodbye, my Book!
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,6 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 449.828 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Kogito ist verletzt - ein Gewaltakt hat ihn aus der Bahn geworfen. In schlaflosen Nächten und den Gesprächen mit seinem Freund Shigeru lässt er sein Leben revue passieren. Fragen nach seiner schriftstellerischen Identität kommen auf, Erinnerungen an seine Kindheit, an das Haus in den Bergen und an die Großmutter, die ihm die Geschichten der Gegend erzählte. Kogito steht am Ende seines Lebens, wäre es nicht an der Zeit, mit dem Schreiben aufzuhören, sich von den eigenen wie von den fremden Büchern zu verabschieden? »Sayonara, meine Bücher« beleuchtet auf bewegende Weise den Werdegang eines der bedeutendsten Schriftsteller unserer Zeit und ist zugleich eine anregende und überraschende Hommage an die Welt der Bücher.

Über den Autor

Kenzaburo Oe, geboren 1935 auf der Insel Shikoku, Romanistik-Studium an der Tokyo University. Abschluß mit einer Arbeit über Sartre, schrieb Essays, Geschichten und Romane. Mit 23 Jahren erhielt Oe den renommierten Akutagawa-Preis, es folgten zahlreiche weitere Auszeichungen - darunter 1994 der Nobelpreis für Literatur. Oe lebt in Tokyo.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Roland Freisitzer TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Kogito Chôkô, erfolgreicher Schriftsteller und klar erkennbar als ein Alter Ego des Autors, ist nach einem gegen ihn verübten Akt der Gewalt auf dem Weg der physischen Besserung, als sein alter Freund Shigeru in seinem Krankenhauszimmer auftaucht und die verlorengegangene Freundschaft wieder aufleben lässt. Kogitos Familie und Shigeru schlagen ihm vor, den Sommer zusammen mit Shigeru in Kogitos von Shigeru gebautem Haus in Kita-Karu zu verbringen. Shigeru verlegt seine Basisstation nach Kita-Kara und verschiedene junge Leute finden sich daraufhin dort ein: Wladimir und Shinshin, Takeshi und Takechan, sowie Neio.
Meisterhaft verwebt Kenzaburo Oe verschiedene Ideen; einerseits wird in langen Gesprächen von Kogito und Shigeru hoch geschätzte Literatur (u.a. T. S. Eliot, Dostojewski- Böse Geister sowie Verbrechen und Strafe, Louis-Ferdinand Céline- Reise ans Ende der Nacht) erörtert, gleichzeitig ist dieser Roman auch ein Abschiednehmen von den Geistern (also den verstorbenen Freunden) und von seiner Jugend. Ein weiterer Erzählstrang ist überraschenderweise die Planung eines terroristischen Akts (hier wird auch eine Verbindung zu Yukio Mishima gelegt) durch die Anwesenden, allen voran Shigeru als Leiter des Projekts. Kogito wird quasi in diese Gruppe hineingezwungen, sogar unter Hausarrest gestellt. Diese Entwicklung ist auch der Auslöser für ein Wiederaufleben der Schreiblust Kogitos nach jahrelanger Schreibhemmung, der nun, durch Shigera an eine frühere Idee eines "Robinson-Romans" (mit einer Entwicklung der beiden Hauptfiguren á la Louis-Ferdinand Céline- Robinson und Bardamu aus "Reise ans Ende der Nacht", deren Schicksale und Wege sich nur an ganz bestimmten, dafür aber immer strategisch wichtigen Stellen kreuzen) erinnert, diese Romanidee auferstehen lässt.
Was zuerst unvereinbar und zu breit gefächert scheint, wird von Kenzaburo Oe auf geniale Art und Weise vereint und fügt sich zu einem wunderbaren Roman zusammen. Viel Philosophie, viel Poesie und Kenzaburo Oes wunderbare Prosa ergeben ein großartiges Buch, ein Roman, der nachklingt, der eine Art Abschied ist, Abschied von Freunden, vor allem aber auch ein beeindruckender Abschied von der Literatur.
Die Idee der Hauptfiguren wird in Wahrheit zur Form des Romans, denn das, was Kogito mit seinem Robinson-Roman will, schafft Kenzaburo Oe mit "Sayonara, meine Bücher" und schließt den Kreis zu seinen literarischen Anfängen, bevor er sich mit einer Verbeugung- "Lebe wohl, Buch! Wie die Augen des Sterbenden müssen sich auch die imaginären Augen eines Tages schließen" (Vladimir Nabokov "Die Gabe") verabschiedet.
Ein vielschichtiger Roman, ein beeindruckendes Leseerlebnis, kurz: großartige Literatur.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Der alternde Schriftsteller Kogito hatte einen Unfall. Nun befindet er sich auf dem Wege der Besserung, und seine Familie hat dafür gesorgt, dass er für längere Zeit in einem Sommerhaus der Familie Aufenthalt nimmt. Dazu haben sie seinen alten Freund aus frühen Kinderjahren, Shigeru, gebeten, sich für einige Zeit zu ihm zu gesellen. Dieser kommt extra aus Amerika, wo er Architektur unterrichtet, nach Japan, um mit seinem alten Freund Erinnerungen aufzufrischen.

Auf einem großen Grundstück befinden sich zwei Häuser. Das Gerontion und das Mad Old Man. Das Gerontion ist nach einem Gedicht von T. S. Eliot genannt. Kogito bewohnt dieses Haus, das andere der Professor aus Amerika mit zwei jungen Studenten. Eine kleine intellektuelle Gesellschaft hat sich hier zusammen gefunden. Man liest T. S. Eliot, von dem Kogito tief beeindruckt ist, trinkt und isst zusammen und pflegt der gediegenen Unterhaltung. Erinnerungen werden wach und die einzelnen Personen treten aus dem Schatten, um bald darauf wieder zu verschwinden.
In leisen, unaufgeregten Tönen wird die Geschichte von Kogito, seinem Freund Shigeru, seinem vergangenen Leben und seiner Familie heraufbeschworen. Die Freunde waren und sind auch heute noch streitbare Geister und haben sich viel zu erzählen!

Shigeru verfällt auf die Idee, mit Shinhsin und Wladimir, einer Chinesin japanischer Abstammung und einem jungen Russen, ein fiktives Video mit Kogito zu drehen. Er soll sich mit seinem schon verstorbenen Schwager Goro, einem avantgardistischen Regisseur, unterhalten. Dabei geht es um Fantasien, was wäre, wenn...... Selbstmordattentate und aufwiegelnde Gestalten sollten einst gegen die amerikanische Besatzungsmacht imaginiert werden--- um der japanischen Ehre willen!
Kogito verfällt zunehmend den Träumen der Vergangenheit und Erinnerungen an Bücher, die er besonders liebte. Heute ist er alt und krank und kann sich so gar nicht mehr aufraffen, etwas zu schreiben.

In diesem reflektierten Rückblick geht es um das Glück und das Unglück, um gelungene und misslungene Taten im Leben.
Dass sich schließlich noch ein Komplott und Umsturzideen der Geschichte bemächtigen, gibt ihr eine geheimnisvolle Stimmung. Zwischen Wachen, Träumen und der Realität schwankt die Geschichte des alternden Kogito, in dem unschwer das Alter Ego des Autors zu erkennen ist. Manches bleibt ungesagt und daher auch unverständlich.

In feiner Sprache , mit ausgeklügelten Ideen begibt sich Oe auf die Wanderschaft in seine Vergangenheit und wir, seine Leser, bekommen noch einmal einen Eindruck von seinem Sprachtalent, seiner grübelnden Nachdenklichkeit und seinen Gedanken über das Alter und den unausweichlichen Tod. Mit philosophischen Gedichten und Weisheiten enden die Einsichten über das Heute und Morgen und über Ende des Lebens.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von den Worten frei sein 4. Februar 2010
Von Paramitas
Format:Gebundene Ausgabe
Da wieder im Saft stand das Jahr,
Kam Christus der Tiger
(T.S.Eliot "Gerontion")

Wenn man die Erinnerung nur entwirren könnte, hätte man einen Faden in der Hand, der direkt in die Unendlichkeit führen würde. Nun, in diesem Roman über das Alter, oder die Begegnung mit dem Alter, lässt sich auch eine neue Jugend finden, eine Ewige.
In diesem Roman über eine Freundschaft sind zwei Männer lebenslang miteinander verbunden, weil der Vater des einen Mannes zu ihm sagte, als er noch ein Kind war, dass einmal ein anderes Kind für ihn sterben wird. Während die Mutter des anderen Mannes zu diesem als Kind sagte, das eben dieser Freund von ihm, an seiner Stelle einst sterben wird.

In diesem Roman über den geheimen Einfluss der einen Generation auf die Nächste, über die Last der Versprechen der Eltern auf die Kinder... Über die Torheit des Alters... Über das Verhältnis der Japaner zu ihrem Staat. Über die Frage, ob das heutige Japan bald verschwinden wird. Über die Frage, ob sich der poetische Gehalt eines Textes daran misst, wie sehr er einem zum Denken anregt. Über das Austreiben böser Geister durch Literatur, und inwiefern dieses mit der Frage des Erzähl-Stils, der Art Wörter zu verwenden, dem Selbstverständnis als Schriftsteller, Architekten, Regisseurs... verbunden ist.
In diesem Roman darüber, wie ein Mensch in der Nähe eines anderen das Gefühl dafür verlieren kann, wer er eigentlich ist. Darüber wie sich Leser gegen über Dichtern oft unterwürfig verhalten und auch darüber, dass wir so sind, wie wir einen Text interpretieren...

In diesem Roman darüber sich den Anfängergeist zu bewahren, immer wieder erneut staunend von der Seite der Kunst zurück aufs Leben und vom Leben zurück auf die Kunst zu schauen, um durch das Erfahren der so in einem entstehenden Bewegung, sich für Gedanken an die Zukunft und die Schönheit zu öffnen.

In diesem Roman, in dem das ineinander verschlungene Leben verschiedener Menschen zum Vorschein tritt, dadurch das ihre Gespräche, die sie miteinander führen ihnen auch im Nachhinein vorgespielt werden, so dass sie sie beliebig kommentieren und möglicherweise sogar noch abändern können...

In diesem so in alle Richtungen jederzeit völlig offenen Roman wird das Leben, aufgelöst in sich ständig wieder neu und anders zueinander anordnenden Beziehungsgeflechten, auf einen Autor, der Teil der Handlung ist, zurückgespiegelt. In einem gewissen Sinne beschweren sich die auftretenden Freunde beim Autor, wieso er nie in der Lage war wirklich über sie zu schreiben. Der Clou ist dabei, dass er vielleicht gerade auf diese Art nun einen Weg findet endlich über sie zu schreiben, ohne sie vorher durch sich selbst hindurch filtern zu müssen. Hier werden Fragen weitergedacht, bei denen die europäische Literatur, etwa bei Beckett oder Pirandello, stehen geblieben ist. Existiert das eine Wesen nicht immer nur in dem Robinson-Sinne, in dem ein anderes Wesen es auf eine bestimmte Art wahrnimmt?

Das Leben ist offenbar nichts anderes als die Art, auf die in einer Geschichte immer noch eine andere zum Vorschein kommt. Die Art, auf die ein Mensch von einem anderen besessen ist, oder eben auch frei ist, von einer solchen Besessenheit. Und ein Mensch, der wirklich in Angesicht der Wahrnehmung eines solchen Lebens lebt, besitzt bereits eine neue nun entstehende Art von dramaturgischen Bewusstsein.

Fraktale können auf viele verschiedene Arten erzeugt werden, doch alle Verfahren enthalten ein rekursives Vorgehen. So wird auch in diesem Roman eine bestimmte Ausgangssituation immer wieder auf sich selbst zurückgewendet. Dies ist die Struktur dieses Romans, die ihn selbst hervor zu bringen scheint. Es handelt sich dabei um eine literarische Technik, die dieser Autor in seinem gesamten Werk bereits dabei ist zu ergründen und bei der die Grenzen zwischen Roman und Wirklichkeit mehr und mehr verschwimmen, sich verästeln. Ist es nicht gerade dieses Muster der Selbstähnlichkeit, welches jetzt alle Menschen als Teil von aufeinander bezogenen Gruppen innerhalb von Gruppen, ihre Interdependenz bewusst werden lässt?

Der Verrat an der freien Sprache, oder: Die Autorität der akademischen Sprache, ist die einer toten Sprache. Auch darum geht es hier, nicht zuletzt.
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