Die fabelhaft Neuauflage der beiden Jungendbuchklassiker des Vorreiters amerikanischer Literatur hätte nicht soviel Wind beim Publikum gemacht, wäre da nicht die flüssige, überaus humorvolle und fesselnde Neuübersetzung von Andreas Nohl - wodurch ich erst darauf aufmerksam wurde!
Die beiden Romane rund um den Waisen Tom Sawyer und seinen von Müttern gefürchteten, etwas verwahrlosten Freund Huck Finn sind hinlänglich bekannt. Sie überzeugen nicht nur durch ihre Spannung, ihren historischen, gesellschaftskritischen Background sondern auch durch viel Humor, pointierter Situationskomik und dem einen oder anderen mächtigen Lacher.
Während Tom keine Gelegenheit auslässt, sich ins Abenteuer zu stürzen und erheblich Aufsehen zu erregen, hält sich Huck Finn doch leise im Hintergrund, lebt sein Leben möglichst ohne Einschränkung durch die Vorstellungen von Erwachsenen (Schule, Religionsunterricht, gepflegte, saubere Kleidung, ...) und macht sich (auf der Flucht vor seinem gewalttätigen Vater) auf einem Floss auf und davon den Mississippi hinunter. Womit Mark Twain einer der ersten "Roadmovies" gelungen ist.
Neben allen Abenteuergeschichten und Lausbubenstreichen nehmen Mord & Totschlag, Lynchjustiz, Kritik am Rassismus und der Sklavenhaltung dem Jugendroman die Jugend aus dem Roman. Während das erste Buch "Tom Sawyer" noch vermehrt mit den Streichen der Jungen vorliebt nimmt, entwickelt sich der spätere "Huckleberry Finn" zu einem durchaus gewalttätigen und überaus gesellschaftskritischen Roman, der seiner Zeit einen Stempel aufdrückt. Alle Achtung!
Für mich eine große Überraschung, eine Neu- und Wiederentdeckung!