Vorab sei gesagt, dass ich ein großer Sympathisant der Saw-Reihe bin. Ich fand bislang, bis auf kleine Abstriche, alle Teile und die Entwicklung der Geschichte genial. Entgegen vielen Kritiken sah ich auch "Saw IV" als äußerst gelungen an, da die Reihe unerwarteter Weise auch nach dem Tod von Jigsaw mit interessanten Rückblenden, Überraschungen, dem zeitgleichen Ablauf zu "Saw III" und dem dadurch erneuten Gänsehaut-Schlusstwist gekonnt umgesetzt wurde.
"Saw V" knüpft direkt an den Vorgänger an und kann dieses Niveau nun nicht mehr ganz halten. Der Film ist eigentlich in drei Teile aufgegliedert. Zum einen wird dem Zuschauer die Jagd von FBI-Detective Strahm auf den ja bereits im Vorgänger entlarvten Jigsaw-Helfer Hoffmann gezeigt, ein weiterer Teil zeigt fünf Opfer die in einem Fallen-Parcours um ihr Überleben kämpfen und es wird erneut in Rückblenden das Geschehen der vorangegangen Teile ausgeleuchtet. Die Idee mit den Flashbacks ist hier nahezu ausgereizt. Der Zuschauer bekommt wieder neue Erkenntnisse, welche einigermaßen logisch präsentiert werden aber nicht unbedingt von Nöten gewesen wären und zum Teil zu konstruiert wirken. Außerdem werden viele mysteriöse Aspekte aus den Vorgängern aufs ausführlichste erklärt, was ganz klar die Faszination der ersten Teile mindert. In Sachen Todesapparaturen hat man sich wieder einiges einfallen lassen, die Fallen sind wieder einmal äußerst hübsch anzusehen und fallentechnisch konzentriert sich fast alles auf den Todeskampf fünf unterschiedlicher Leute. Das funktioniert auch ganz gut, da alles bestens durchdacht ist. Leider werden die Bilder dieser Szenerie lediglich eingestreut und es wird ihnen zu wenig Beachtung geschenkt. Dadurch lässt die Charakterzeichnung der Opfer auch sehr zu wünschen übrig und ein Mitleiden kommt gar nicht erst in Frage. Anfangs scheinen diese Leute auch noch genau zu wissen wo der Hase lang läuft und verhalten sich dann doch falsch und zum Teil primitiv. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Verfolgung von Strahm und Hoffmann, welche dann doch sehr unspektakulär und ohne große Überraschungen ausfällt. Der heiß erwartete und traditionelle finale Twist ist dadurch dieses Mal wirklich vorhersehbar und läuft nahezu ins Leere. Zwar ist alles schlüssig und endet recht passend, doch der Aha- und Gänsehauteffekt stellt sich nicht ein und der Fan wird sich hier wohl doch etwas mehr erwartet haben.
Insgesamt zeigt sich "Saw V" wieder blutig und düster und ein gewisser Spannungs- und Atmosphäregrad ist nicht zu übersehen. Der Goregehalt ist nicht mehr ganz so hoch aber immer noch knackig. Alle offenen Fragen der Vorgänger werden geklärt, dafür werden aber wieder neue Fragen aufgeworfen. Die Qualität liegt hier ganz klar noch weit über dem Durchschnitt, es ist aber der bislang schwächste Teil der Reihe.
Die SPIO/JK-Fassung ist diesesmal doch tatsächlich ungekürzt. Bei der KJ-Fassung fehlen ca. 6 Minuten.
7 von 10 (Uncut)