Eines Vorweg: Ich mag an sich keine Horror-Splatter-Verstümmelungs-Folter-Filme deren Schockeffekte darin bestehen, möglichst detailliert brutale Bilder zu zeigen. Ich finde es auch nicht besonders reizvoll, mich in den kranken Geist eines möglichst bestialisch mordenden Psychopathen hinein zu versetzen. Was ich allerdings mag, sind gut gemachte und spannende Psychothriller und schalte dann auch nicht gleich angewidert ab, wenn mal Blut fließt.
"Schweigen der Lämmer" mochte ich sehr und "Sieben" empfand ich als eine gelungene Gradwanderung aus Ekel und Faszination über das Konzept der Morde. Beide Filme hatten zudem gemeinsam, dass der Zuschauer das Geschehen aus dem Blickwinkel der ermittelnden Polizisten erlebt. Die Brutalität und entsetzlichen Morde, werden als pervers dargestellt, denen sich die Hauptpersonen hilflos gegenüberstehen. Es wird vor allem Wert darauf gelegt zu zeigen, wie normale Menschen damit umgehen und es verarbeiten (oder eben auch nicht).
Ich habe mich lange dagegen gesträubt, mir "Saw" anzusehen, weil ich befürchtete, dass es vor allem eine Metzel-Blut-Orgie ist. Aber nach vielen sehr guten Kritiken, die versprachen, dass es weit mehr ist, als ein simples Aneinanderreihen von Schlachtszenen und der Film für dass Horrror-Genre ausgesprochen originell und intelligent ist, habe ich mich entschlossen, dem Film doch mal eine Chance zu geben.
Ich war sehr angenehm überrascht, dass der Film seine Spannung tatsächlich vor allem im Kopf erzeugt. Das Szenario mit zwei Menschen in einer aussichtslosen Extremsituation und wie sich darin verhalten, ist ausgesprochen spannend. Sehr gut gemacht ist zudem die Umsetzung. Die Kamera filmt nicht einfach nur das Geschehen, sondern nutzt die visuellen Möglichkeiten die ein Film bietet: Es werden extrem schnelle Schnittwechsel gemacht, kurze Rückblicke eingestreut, passende Musik unterlegt usw. um eine sehr bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Das ist handwerklich bemerkenswert gut gemacht und lässt den Film trotz eher einfacher Ausstattung ziemlich professionell und keinesfalls billig wirken.
Die gezeigten Bildern sind weniger brutal, als ich befürchtet hatte. Selbst in der "ab 18"-Version werden die (ohnehin nicht übertrieben vielen) Ekelszenen nicht in allen Einzelheiten und Großaufnahme gezeigt (Einige werden enttäuscht sein, für andere ist es noch immer zu hart - Für mich war es problemlos zu ertragen).
Weitere Pluspunkte verbucht der Film für seine trickreiche Auflösung.
Trotzdem möchte ich nicht so weit gehen zu behaupten, dass sich "Saw" im Anspruch mit "Sieben" messen kann. Die Todesspiele werden nicht als abartig gebrandmarkt, sondern sollen möglichst cool und stylisch wirken. Es ist ein Film für Menschen, die Spaß daran haben, sich Gewallt anzusehen und nicht für jene, die lieber darüber nachdenken, was man dagegen tun kann.
Die Vergabe der Punkte war für mich keine leichte Sache. Da ich an dieser Stelle keine Diskussionen über den Sinn solche Filme im allgemeinen anfangen will, ist es letztlich ein Kompromiss daraus geworden, dass ich diese Art von Filme einerseits nicht sonderlich mag, andererseits aber auch zugebe, dass er verglichen mit ähnlichen Filmen überdurchschnittlich gut ist.
Normalerweise würde ich zu solchen Filmen gar keine Kritik schreiben und die Horror-Fans mögen mir die geringe Punktzahl verzeihen. Da dieser Film aber als Genre-Highlight gilt, auf den auch viele Menschen aufmerksam werden, die solche Filme normalerweise nicht gucken, halte ich in diesem Fall die Meinungsäußerung eines Laien wie mich für angemessen. Anhänger solcher Filme werden ihn sowieso gucken und alle anderen wissen jetzt hoffentlich ein bisschen besser, ob dieser Film etwas für sie ist oder nicht.