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Die Legende lautet folgendermaßen: zwei australische Filmstudenten verfolgen seit dem wegweisenden Das Schweigen der Lämmer Anfang der 90er Jahre mehr oder minder frustriert die oftmals wenig originellen Stilblüten des Genres. Sie produzieren kurzerhand ein kleines Promovideo, das als Teaser für ihr neues Drehbuch herhalten soll und schicken es an diverse Produktionsfirmen in Hollywood. Wenig später haben sie einen Entwicklungsdeal im Rucksack und drehen mit einem Budget von immerhin 1,2 Millionen Dollar einen Film, der im Jahr 2004 zum Überaschungserfolg an den amerikanischen Kinokassen avanciert und bereits am ersten Tag ein vielfaches seiner Herstellungskosten einspielt.
So kann das manchmal laufen und im Falle von Saw freut man sich, dass es die Richtigen getroffen hat. Der Film verschwendet keine Zeit und wirft den Zuschauer ohne Umschweife mitten in die Handlung. Der Arzt Dr. Lawrence Gordon (Cary Elwes) und der Fotograf Adam (Leigh Wannell) erwachen in einer abgeranzten Toilette . Sie sind an Rohre gekettet, zwischen ihnen liegt ein Toter mit zermatschtem Schädel in einer Blutlache. Keiner von beiden hat die geringste Ahnung wie sie an diesen Ort gerieten. Stück für Stück setzt sich aus sorgsam gestreuten Hinweisen die schreckliche Einsicht zusammen, das nur einer von beiden überleben kann. Dr.Gordon hat sechs Stunden Zeit seinen Mitgefangenen zu töten bevor seine Frau und Tochter umgebracht werden.
Saw benutzt diese Prämisse, um den Masterplan eines psychopathischen Serienkilllers in den Mittelpunkt zu rücken. Seine ungewöhnliche Handschrift zeichnet sich dadurch aus, dass er selbst nicht tötet, sondern die Schmutzarbeit seinen, als moralisch fragwürdig eingestuften Opfern überlässt. Natürlich kommen bei Genrefans Erinnerungen an David Finchers Sieben auf, in dem auch die Moralvorstellungen des Killers eine wesentliche Rolle spielen. Saw rollt die Handlung jedoch aus den Augen seiner Opfer auf, ein grundlegender Unterschied. Zwar gibt es auch hier mit Detective David Tapp einen Ermittler (Danny Glover) und werden über Flashbacks die vorangegangenen Heldentaten des Irren überaus blutig ins Bild gerückt, der Akzent bleibt jedoch bei der klaustrophobischen Grundstimmung der beschriebenen einführenden Sequenz.
Ohne zuviel vorwegnehmen zu wollen: Saw bietet Genrefans mit Hang zum ästhetischen Genuss eine ganze Menge ohne hinterher mit dem erhobenen Zeigefinger Kulturpessimismus zu verbreiten. Ein klug-inszenierter, höchst effektiver Thriller, bei dem sich die Mattscheibe blutrot färbt. --Thomas Reuthebuch
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Der Film beginnt damit, dass zwei Männer in einem großen, verwahrlosten Badezimmer erwachen. Bei den ersten Orientierungsversuchen stellen sie fest, dass sie mit massiven Eisenketten an Rohrleitungen gefesselt sind und es keine Möglichkeit gibt, sich aus eigener Kraft zu befreien. In der Mitte des Raumes liegt in einer riesigen Blutlache ein Toter, der in der einen Hand einen Revolver und in der anderen ein Diktiergerät hält.
Der Zuschauer ist zu Beginn des Films genauso verwirrt wie die beiden Hauptdarsteller. Ein Grund für die Einkerkerung ist nicht erkennbar. Erst im laufe des Films wird in Parallelhandlungen und Retrospektiven scheinbar das Rätsel aufgelöst.
Hier erinnert die Struktur des Plots stark an „Memento". Allerdings mit einem großen Unterschied: „Memento" lag die Grundidee zugrunde, dass es eine Handlungsfreiheit gibt und der Protagonist durch seine Handlungen den Ausgang der Geschichte beeinflussen kann.
Bei „Saw" liegen die Dinge völlig anders. Sowohl den beiden Gefangenen als auch dem Zuschauer wird vorgegaukelt, dass es eine Möglichkeit gibt, den kranken Phantasien des Serienkillers zu entkommen. Überall sind Hinweise versteckt, wie ein Entkommen aus der Gefangenschaft bewerkstelligt werden kann, nur um dann in eine weitere Sackgasse zu führen. Hinter jedem Plan steht ein weiterer Plan, der unweigerlich dazu führt, den Willen des unsichtbaren Killers auszuführen. Ein Entrinnen gibt es nicht. Der Film vollführt so viele Salto-mortali, dass am Ende, nach der scheinbaren Auflösung des Plots, nur noch das pure Entsetzen beim Zuschauer zurück bleibt und die schwache Hoffnung, das nicht gerade jetzt auf Grund eines Stromausfalls das Licht im Haus ausgeht und man sich im Dunkeln ins Bett tasten muss.
Die technische Seite des Films erinnert stark an „Sieben": dunkel ausgeleuchtete Sets, ein hervorragender Soundtrack von Mitgliedern von „Nine Inch Nails" und extreme Kamerawinkel und -einstellungen sorgen für eine morbide Atmosphäre. Speed-Camera und Slow-Motion steigern in den entscheidenen Momente immens die Spannung und sorgen auf der anderen Seite dankenswerterweise dafür, dass die Splattereffekte weitestgehend im Dunkel bleiben und sich der Horror nicht in den Bildern auf der Leinwand sondern im Kopf des Zuschauers abspielt - dies jedoch unweigerlich.
Fazit: Für alle Fans von „Sieben" bis „The Cell" ein unbedingtes Muss. Wer jedoch Hardcore-Splatter erwartet, wird enttäuscht sein.
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