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Savoir-Vivre: Roman [Gebundene Ausgabe]

Hédi Kaddour , Grete Osterwald

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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Ein perfekter Mann Hédi Kaddour erzählt die atemberaubende Geschichte eines Mannes, der ein unaussprechliches Geheimnis verbirgt - in einer Zeit, in der die äußere Erscheinung als Ausdruck innerer Haltung galt. London 1930: Der französische Journalist Max Goffard ist fasziniert von William Strether, einem hochdekorierten Helden des Ersten Weltkriegs - und perfekten Gentleman. Strether ist elegant, schneidig, er verkörpert geradezu das Ideal männlich-soldatischer Haltung. Als Goffard ihn trifft, arbeitet er als MaÎtre dHôtel in einem Nobelrestaurant und hat sich einer faschistischen Splitterpartei angeschlossen, bei der er eine geistige Heimat zu finden hofft. Goffard will mehr herausfinden über diesen Mann, der trotz seiner Strenge etwas Schillerndes hat. Und tatsächlich vertraut Strether sich ihm an, erzählt ihm in langen Gesprächen seine Lebensgeschichte - fast so, als würde es ihn erleichtern. Doch warum sollte Strether, für den...

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

I Es war in London, im August 1930. Max war wegen einer Reportage für Excelsior gekommen. Er hatte die Gelegenheit genutzt, um seine amerikanische Freundin wiederzusehen, die aus Berlin angereiste Lena Hellström. Sie war schön, in einem gelb-blauen Kleid; ein unverschämtes Gelb, hatte Max gesagt. Sie hatte ihn gefragt: "Wann soll sie erscheinen, deine Reportage?""Nicht gleich. Eigentlich habe ich keinen bestimmten Auftrag. Ich suche eine starke Geschichte, im englischen Stil, mit einem echten Coup. Und vielleicht mache ich etwas anderes daraus." Sie schlenderten durch London. Lena bereitete eine Reihe von Liederabenden vor und musste jeden Tag zwei Stunden an die Luft. Max ging gern mit ihr spazieren, aber möglichst nicht zu lange. Sie schritt zügig aus, wie in ihren heimatlichen Bergen von Montana, und nach einer Weile hatte Max seine liebe Not mit dem linken Knöchel. Lena wusste es. Aber sie behauptete, er wolle nur darum nicht an ihrer Seite bleiben, weil sie größer...I Es war in London, im August 1930. Max war wegen einer Reportage für Excelsior gekommen. Er hatte die Gelegenheit genutzt, um seine amerikanische Freundin wiederzusehen, die aus Berlin angereiste Lena Hellström. Sie war schön, in einem gelb-blauen Kleid; ein unverschämtes Gelb, hatte Max gesagt. Sie hatte ihn gefragt: "Wann soll sie erscheinen, deine Reportage?""Nicht gleich. Eigentlich habe ich keinen bestimmten Auftrag. Ich suche eine starke Geschichte, im englischen Stil, mit einem echten Coup. Und vielleicht mache ich etwas anderes daraus." Sie schlenderten durch London. Lena bereitete eine Reihe von Liederabenden vor und musste jeden Tag zwei Stunden an die Luft. Max ging gern mit ihr spazieren, aber möglichst nicht zu lange. Sie schritt zügig aus, wie in ihren heimatlichen Bergen von Montana, und nach einer Weile hatte Max seine liebe Not mit dem linken Knöchel. Lena wusste es. Aber sie behauptete, er wolle nur darum nicht an ihrer Seite bleiben, weil sie größer...

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

I Es war in London, im August 1930. Max war wegen einer Reportage für Excelsior gekommen. Er hatte die Gelegenheit genutzt, um seine amerikanische Freundin wiederzusehen, die aus Berlin angereiste Lena Hellström. Sie war schön, in einem gelb-blauen Kleid; ein unverschämtes Gelb, hatte Max gesagt. Sie hatte ihn gefragt: "Wann soll sie erscheinen, deine Reportage?" "Nicht gleich. Eigentlich habe ich keinen bestimmten Auftrag. Ich suche eine starke Geschichte, im englischen Stil, mit einem echten Coup. Und vielleicht mache ich etwas anderes daraus." Sie schlenderten durch London. Lena bereitete eine Reihe von Liederabenden vor und musste jeden Tag zwei Stunden an die Luft. Max ging gern mit ihr spazieren, aber möglichst nicht zu lange. Sie schritt zügig aus, wie in ihren heimatlichen Bergen von Montana, und nach einer Weile hatte Max seine liebe Not mit dem linken Knöchel. Lena wusste es. Aber sie behauptete, er wolle nur darum nicht an ihrer Seite bleiben, weil sie größer war als er, der große Max Goffard sei eben nur ein kleiner Mann. Lena fügte nicht "hochmütig" hinzu. Sie sah ihn liebevoll an, diesen Franzosen mit dem runden Gesicht und den abstehendenOhren, der sie so schön zum Lachen bringen konnte, sie provozierte ihn gern, weil er dann umso komischer wurde, sie wiederholte "kleiner Mann", und irgendwann dämmerte es Max, man könnte von ihm denken, er wäre hochmütig, was ihn wütend machte. Und Lena sprach von der Wut des kleinen Mannes. Ein Glanz schimmerte in ihren Augen. An diesem Nachmittag defilierte ein langer Zug durch Whitehall und hinderte sie am Überqueren. Beim Anblick des Mannes, der an der Spitze marschierte, dachte Max sofort: Der hat was! Später hat man ihm den Namen gesagt: Strether, Oberst William Strether, ein Held der Schlacht von Mons, der vom August 1914, in Belgien. Das Defilee war zum Gedenken an diese Schlacht, eine Kranzniederlegung am Cenotaph, dem Kriegerdenkmal von Whitehall. Um jenen Toten, deren Zeit zu früh gekommen war, ein wenig Vergangenheit zu schenken.Sie kamen vom Trafalgar Square: gewöhnliche Schirmmützen oder Melonen, Offiziersmützen, Ordensspangen, Einarmige, Krückengänger, dreirädrige Rollstühle mit Handkurbeln, Blinde, die sich an den Schultern von Einarmigen hielten: lauter Veteranen, angespannte Gesichter. Es war seltsam, diese Männer hatten einen Krieg gewonnen und pressten die Kinnbacken zusammen, als wollten sie Rache üben. II Es hatte was, dieses Whitehall-Defilee, akkurate Sechserreihen, die Männer strafften sich zunehmend, je näher sie dem Cenotaph kamen. Es wurde weniger gehinkt, alle versuchten sich so untadelig zu geben wie dieser Chef, der sie aus den Augenwinkeln überwachte. Sie folgten dem Takt seines Schritts, der immer mechanischer wurde. Mittendrin hat einer der Rollstühle sein Vorderrad verloren. Man hat ihn an den Rand geschoben, und während das Rad repariert wurde, haben zwei Männer dem, der keine Beine mehr hatte, geholfen; er wollte nicht am Boden bleiben; sie haben ihn jeder unter einem Arm genommen und auf gleicher Höhe gehalten, drei Männer von vorn, mit einer Lücke unter dem in der Mitte. Manchmal gingen die Beine eines anderen hinter ihnen vorbei, durch diese Lücke. Strether marschierte in der vordersten Reihe, links außen, das schließende Glied. Er war gut einen Meter fünfundsiebzig groß, vorgestrecktes Kinn, schräger Blick, der Chef. Eine einzige Medaille an der Brust, auf anthrazitgrauem Anzug. Nein, hat Max Lena geantwortet, das ist kein Victoria Cross, das Victoria Cross wird fast nur an Särge geheftet. Auf dem Bürgersteig gegenüber Max und Lena haben zwei Zuschauer - ein kleiner und ein dicker, verknitterte Anzüge, Fliegen, jeder eine Melone auf dem Kopf - den Arm gereckt. Der Arm des Dicken direkt über der Schulter des Kleinen. Es war komisch. Trotzdem war es der Faschistengruß. In der Menge hat man nichts zu ihnen gesagt, es ihnen aber auch nicht nachgemacht. Die Briten haben ein ziemlich striktes Protokoll für Gedenkfeiern, und die Menschen respektierten es, auch wenn dies keine reine Gedenkfeier war, sondern viele etwas anderes im Sinn hatten: Man wollte es ihnen zeigen, den Kommunisten beispielsweise, den Roten überhaupt, wen es da alles gab, auf der Straße, bereit, König und Vaterland, das Britische Empire zu verteidigen. Diese Kriegsveteranen defilierten bemessen, in unbedingter Ordnung, um zu verdeutlichen, welche Ordnung in einer Gesellschaft herrschen muss. Sie defilierten mit dem Geräusch von Eisen an den Hacken, durch ein schönes Viertel, um zu zeigen, dass jedes Viertel schön sein kann, ohne Wäsche auf den Balkons, ohne schmutzige Ideen in den Köpfen. Man muss es nur wollen. Aber das war kein Grund, überflüssige Gesten mit dem Arm zu machen. III Es war Sommer, London im Sommer, Sonnenlust in vollen Zügen, erfrischt von einem leichten Ostwind, der stromaufwärts durch den Korridor der Themse wehte. Der Zug der Kriegsveteranen in Schwarz und Grau hob sich scharf von der bunt gekleideten Menge ab, die sich auf den Bürgersteigen drängte. Lenas gelb-blaues Kleid war in Mode, einer Mode, die von den Hüften, von den Brüsten aus den Schwung der Dreißigerjahre zeigte. Es war bedruckter Musselin, ein Dreistufenrock, luftig. Max hatte gefragt: "Gehst du jetzt in Musselin?" Sie hatte geantwortet: "In Paris nennt man das ein Dreimalnichts. Das ist die Mode von heute: nicht so auf reich zu machen." Wenn Max hinter Lena im Schlepptau blieb, nutzte eres, um die Bewegungen seiner Freundin zu betrachten. Sie übertrieb ein bisschen, drehte sich um, als hätte sie nichts gemerkt, und fragte ihn, ob Pillicock schon müde sei. Max mochte diesen Kosenamen nicht, aber sie wusste, er würde nicht protestieren, weil es aus der Zeit stammte, als sie ihn in ihrem Bett empfing. Wenn sie Seite an Seite gingen, warf Max manchmal einen Blick auf Lenas Profil. Sie spürte es, hob leicht das Kinn, ohne sich ihm zuzuwenden. Sie misstraute seinen Bemerkungen, die sticheln konnten. Am schlimmsten war es, wenn sie zärtlich wurden, wenn er ihr sagte: "Dein Kinn ist weniger heroisch", oder aber: "Man sieht, dass du gern lachst."
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