Kurzbeschreibung
Die Legende von Satyavan und Savitri wird im Mahabharata erzählt als Gleichnis der Liebe, die den Tod besiegt. Satyavan ist die Seele, die die göttliche Wahrheit des Seins, herabgestiegen in die Gewalt von Tod und Unwissenheit, in sich trägt. Savitri ist das göttliche Wort, die Tochter der Sonne, die Gottheit der Höchsten Wahrheit, die herabkommt und geboren wurde für das Heil. Aswapati, der Herr des Pferdes, ihr menschlicher Vater, ist der Herr von Tapasya, jener konzentrierten Energie spirituellen Bemühens, das uns hilft, uns aus den Ebenen der Sterblichkeit zum Unsterblichen zu erheben. Dyumatsena, der Herr der Heerscharen, Vater von Satyavan, ist das göttliche Bewußtsein, das hier blind geworden ist, sein himmlisches Königtum und damit das seines Ruhmes verliert. Doch dies ist keine bloße Allegorie, die Mitwirkenden sind nicht personifizierte Eigenschaften, sondern Inkarnationen oder Emanationen lebendiger und bewußter Kräfte, mit denen wir konkret in Berührung kommen können.
Buch I - Das Buch von den Anfängen
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Buch II - Das Buch vom Welten-Wanderer
1 Die Welten-Treppe
2 Das Reich der subtilen Materie
3 Glanz und Fall des Lebens
4 Die Reiche des Kleinen Lebens
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Buch III - Das Buch von der Göttlichen Mutter
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Buch IV - Das Buch von der Geburt und der Suche
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Buch V - Das Buch von der Liebe
1 Der vorbestimmte Ort der Begegnung
2 Satyavan
3 Satyavan und Savitri
Buch VI - Das Buch vom Schicksal
1 Das Wort des Schicksals
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Buch VII - Das Buch vom Yoga
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Buch VIII - Das Buch vom Tod
1 Tod im Wald
Buch IX - Das Buch von der Ewigen Nacht
1 Zur Schwarzen Leere hin
2 Die Reise in die Ewige Nacht
Buch X - Das Buch vom Doppelten Zwielicht
1 Das Traum-Zwielicht des Ideals
2 Die Botschaft vom Tod und von der Eitelkeit des Ideals
3 Die Debatte von Liebe und Tod
4 Das Traum-Zwielicht des Irdisch-Wirklichen
Buch XI - Das Buch vom Immerwährenden Tag
1 Der Ewige Tag: Der Seele Wahl und die Höchste Vollendung
Buch XII - Epilog
Die Rückkehr zurErdeSri Aurobindo wurde am 15. August 1872 in Kalkutta geboren. Sein Vater sandte ihn früh nach England, damit er "ernsthafte Studien" betreibe, wie es in gewissen anglisierten Kreisen Indiens Brauch war. 1893 kehrte er in seine Heimat zurück und engagierte sich bald im politischen Kampf zur Befreiung seines Landes. Gleichzeitig und parallel dazu begann er seine innere Forschung - den "Yoga" -, nicht um in die höheren Sphären zu entfliehen, sondern als Handlungsmittel für seine revolutionären Tätigkeiten gegen den englischen Unterdrücker. Er verbrachte ein Jahr. In einem Jahr der erzwungenen Isolation in Untersuchungshaft wurde ihm bewußt, daß die Besetzung seines Landes durch eine Fremdmacht nur die Facette eines weitaus umfassenderen Problems war, nämlich der Transformation der menschlichen Natur. "Es erfordert nicht nur einen Aufstand gegen das britische Weltreich, sondern einen Aufstand gegen die gesamte universelle Natur!" rief er aus.
Autorenportrait
Excerpted from Savitri - Legende und Sinnbild by Sri Aurobindo. Copyright © 1992. Reprinted by permission. All rights reserved
Es war die Stunde, ehe die Götter erwachen. Den Pfad des göttlichen Ereignisses
versperrend lag das die Zukunft ahnende gewaltige Mental der Nacht allein in
seinem unerhellten Tempel der Ewigkeit, bewegungslos am Saum des
Schweigens hingestreckt. Fast fühlte man, dunkel und undurchdringlich, im
finstern Zeichen seines augenlosen Sinnens den Abgrund jenes unverkörperten
Unendlichen. Ein Nichts erfüllte - unergründlich - diese Welt. Im Zwischenraum
des ersten und des letzten Nichtseins wach, erinnerte sich eine Macht
gefallenen und grenzenlosen Selbsts an jenen dunklen Schoß, aus dem sie kam,
wandte sich ab vom unauflösbaren Mysterium der Geburt und jenem langsamen
Prozeß der Sterblichkeit und sehnte sich nach ihrem Ende in inhaltslosem
Nichts. Gleich wie im dunklen Anfang aller Dinge umfing des Unbekannten
stummes, formloses Abbild - dabei den unbewußten Akt für immer wiederholend
und so für immer nicht-sehenden Willen verlängernd - die kosmische
Schlaftrunkenheit der unwissenden Kraft, deren erregter schöpferischer
Schlummer die Sonnen zündet, und in nachtwandlerischem Wirbel unser Leben
trägt. Durch die vergebliche und ungeheuere Ekstase des Raumes, seine
gestaltlose Stumpfheit ohne Leben und Mental kreiste die Erde, verlassen in den
sinnlosen Wirbeln, indem sie durch die seelenlose Leere einen Schatten spann,
noch einmal zurückgeworfen in undenkbare Träume, ihren Geist und ihr Geschick
vergessend. Die teilnahmslosen Himmel waren unparteiisch, leer und still. Dann
rührte sich ein Etwas in der rätselhaften Finsternis. Wie namenlose Regung,
unersonnene Idee,
beharrlich, unbefriedigt, ohne Absicht,
schürte ein Etwas, das zu sein verlangte, doch nicht wußte, wie,
das Unbewußte, um Unwissenheit zu wecken.
Es setzte eine Wehe ein, die ihre Spuren zitternd hinterließ
und einem alten, müden, unerfüllten Sehnen Raum gab,
das friedlich in der mondlosen Grotte des Unterbewußten lag,
daß es sein Haupt erhob und Ausschau hielt nach abwesendem Licht,
indem es die geschlossnen Augen entschwundener Erinnerung berührte
wie jemand, der ein längst vergangnes Selbst zu finden sucht
und nur den toten Körper seiner Sehnsucht findet.
Es war, als ob gerade in der Tiefe dieses Nichts,
sogar im Kerne dieser äußersten Vernichtung,
ein unerinnerliches Wesen lauerte, das sein Gedächtnis eingebüßt,
das Überlebende der toten und begrabenen Vergangenheit,
dazu verurteilt, das Ringen und die Schmerzen wieder aufzunehmen,
in einer anderen getäuschten Welt erneut zu leben.
Ein ungestaltetes Bewußtsein sehnte sich nach Licht,
ein leeres Zukunftswissen schmachtete nach ferner Wandlung.
Wie wenn der Finger eines Kindes sich auf die Wange legt
und so die unachtsame Mutter dieses Universums
an das unaufhörliche Bedürfnis nach den Dingen mahnt,
so klammerte ein zartes Sehnen sich an die düstre Weite.
Kaum fühlbar fing es irgendwo hervorzubrechen an:
Eine einsame lange Linie von verhaltner Färbung,
dem zagen Lächeln gleich, das ein verlassnes Herz verlockt,
behelligte den fernen Saum des düstern Lebensschlafs.
Von einer anderen Seite der Grenzenlosigkeit gekommen,
durchdrang der Gottheit Auge diese stummen Tiefen.
Ein Fährtensucher auf Erkundung von der Sonne her
erschien es inmitten der lastenden kosmischen Ruhe,
in der Erstarrung einer kranken, müden Welt,
um nach dem Geist zu suchen, der verzweifelt war und einsam,
zu tief gefallen, um der vergessnen Seligkeit sich zu erinnern.
Es drang in dieses mentallose Weltall ein,
und seine Botschaft kroch durch abgeneigtes Schweigen
und rief zum Abenteuer des Bewußtseins und zur Freude auf.
Im Siege über der Natur ernüchtertes Herz
erzwang es die erneute Zustimmung, zu sehn und zu empfinden.
Gesät ward ein Gedanke in die unerforschte Leere,
ein Sinn wurde geboren in der Tiefe dieser Finsternis.
Es zitterte Erinnerung im Herzen der Zeit, wie wenn
eine längst verstorbene Seele angeregt würde zu leben:
Doch hatte das Vergessen, das dem Falle folgt,
die Schrift der engbeschriebnen Tafeln der Vergangenheit getilgt.
Und alles, was vernichtet war, muß neu errichtet,
die frühere Erfahrung muß erneut errungen werden.
Das alles kann geschehen, wenn Gott die Dinge anrührt.
Es stahl sich Hoffnung ein in das, was kaum noch wagte,
inmitten der verlornen Gleichgültigkeit der Nacht zu sein.
Wie wenn es dringend hergebeten wäre in eine fremde Welt,
so kam es zaghaft, unwillkürlich wagemutig,
verwaist, hinausgetrieben, sich ein Heim zu suchen,
umherziehend, ein Wunderwesen ohne Wohnstatt,
hinein in eine entlegene Himmelsecke
als zarter Anruf einer zögernd wundersamen Geste.
Die dauernde Erregung einer umgestaltenden Berührung
bezwang die träge schwarze Stille,
und Schönheit und Erstaunliches verwirrten die Gefilde Gottes.
Es baute im Vorübergleiten eine Hand aus blassem zauberhaftem Licht,
das an dem Rand von einem rasch entschwindenden Moment erglühte,
ein Tor aus Träumen, halb geöffnet hin zum Bannkreis des Mysteriums,
mit goldner Füllung und schimmernden Angeln.
Die einzige erhellte Ecke, die ein Fenster war für die verborgnen Dinge,
sie zwang die blinde Unermeßlichkeit der Welt zum Sehen.
Die Finsternis verging und glitt hinab gleich fallendem Gewand
von dem zurückgelehnten Körper eines Gottes.
Dann wurden durch den blassen Spalt, der anfänglich
kaum groß genug schien, etwas Sonnenlicht hindurchzulassen,
die Offenbarung und die Flamme ausgegossen.