"Savior" gewann 1999 den Political Film Society Award für FRIEDEN - dies voraus, damit sich nicht das falsche Publikum von teilweise bewusst irreführenden DVD-Gestaltungen sowie dem unterirdischen Titelanhang "Soldat der Hölle" angezogen fühlt.
Dem 1959 geborenen serbischen Regisseur Predrag Antonijevic ist damit 1998 ein ganz besonderer Film gelungen - keine Helden, keine Schlachten, keine Guten oder Bösen, keine verlogenen Rechtfertigungen. In den Hauptrollen sehen wir Dennis Quaid und Natasa Ninkovic, Nastassja Kinski spielt eine kleine Nebenrolle. Natasa Ninkovic wurde als "Beste Darstellerin" auf dem russischen "Sochi International Film Festival" ausgezeichnet.
Joshua (Dennis Quaid, 44) verliert bei einem Bomben-Attentat Frau (Nastassja Kinski, 37) und Kind und rächt sich mit einem Massaker in einer Moschee. Ihm bleibt nur noch die Fremdenlegion. In Bosnien gerät der Söldner in eine Beschützer-Rolle für eine junge Serbin (Natasa Ninkovic, 26) und ihr Baby. Sie war in der Gefangenschaft von Muslimen durch die Hölle gegangen.
Selten wird die Brutalität, die Sinnlosigkeit und die Entmenschlichung so schonungslos offenbar wie in diesem Film, der keineswegs auf dramatische Kämpfe und Schlachtenlärm fokussiert, sondern lieber zur Verblüffung des Zuschauers wunderschöne Bilder der montenegrinischen Landschaft zeigt.
Auch wenn diese Oliver Stone - Produktion lobenswerterweise nicht im mindesten "US-amerikanisch" ist und insbesondere vermeidet, stolz das üblichen HiTech-Schlachten vorzuführen, muss man sich auf äußerste Brutalität gefasst machen, die - gerade weil sie von Mensch zu Mensch geschieht - den Zuschauer sehr viel extremer mit Leid und Tod konfrontiert.
Dennoch ist dies eine positive, zutiefst menschliche Tragödie. Der Film erzählt sensibel und stimmig eine ergreifende Geschichte inmitten des Chaos - nur wenige Flugminuten von unserer eigenen Vergangenheit entfernt.
Predrag Antonijevic verzichtet dankenswerterweise auf Versuche der Beeinflussung und Parteinahme. Manches mag im Detail nicht "stimmen" - angefangen bei der Region; aber es fällt schon auf, wie sorgfältig vermieden wurde, "Böse" und "Gute" herauszustellen. Wer dies beanstandet, begibt sich selbst gerade wieder in das Lager der Rechter und Kämpfer. Auch die traurige Rolle der Weltmächte wird weder angeprangert noch entschuldigt. Was der Film auf diese Art deutlicher als jeder andere(!) zeigt, ist die Irrealität und die Paranoia. Es geht nicht um warum und weshalb, es geht um das einsame Individuum in den Turbulenzen einer unfassbaren Umwelt, der er völlig hilflos und willkürlich ausgesetzt ist. Nur eine Parole hat noch Gültigkeit: Atme!
Diese Besprechung bezieht sich auf die SFT-Ausgabe vom Juni 2007 in Original-Länge (99 Minuten) und 2.35:1 (16:9 anamorph). Gerade wegen der überragenden Kamera und der vorzüglichen Bildqualität und der Bedeutung auch brutaler Szenen ist bei diesem Film von beschnittenen und gekürzten Ausführungen dringend abzuraten.
Es mag merkwürdig klingen, aber "Savior" ist im Kern wunderschön und absolut sehenswert. Einer der besten Filme aller Zeiten mit fantastischer Fotografie, großartigen Darstellern und einer unvergesslichen Geschichte von Menschen in der Hölle. Ohne die Leistung von Dennis Quaid schmälern zu wollen, hätte ich auch in dieser Rolle einen unbekannten Schauspieler vorgezogen.
Warum hört man so wenig von diesem Film, der manches bekannte Werk berühmter Star-Regisseure in den Schatten stellt? Nun, man kann natürlich in unserer Welt kein positives Medien-Interesse für einen Film erwarten, der KEIN Kriegsfilm ist - in einer Zeit, in der die wirtschaftliche Verflechtung der Medienkonzerne mit der Kriegswirtschaft enger ist denn je.
Meines Erachtens ist der Film vorzüglich - mit entsprechender Begleitung - für Heranwachsende geeignet, insbesondere für den Unterricht an Oberstufen.
film-jury 5* A0407 9.12.2010e 11A Genre: Drama | Krieg