Wer zum Donnerwetter hat eigentlich den dämlichen Untertitel mit den "Highschool-Missionarinnen" verbrochen? Dahinter versteckt sich nämlich eine verblüffend intelligente und wirklich witzige Komödie, die fromme Klischees in Frage stellt und eherne Glaubensgrundsätze dort hinterfragt, wo sie zu einem hysterisch gehüteten Sicherheitszaun gegen die "böse Welt" mutieren. Und wer sich im Umfeld charismatischer Freikirchen auskennt, dem kommt die abgeschottete Welt der American Eagle Highschool in "Saved!" gar nicht so fremdartig vor - ganz abgesehen davon, dass die spezielle US-Ausprägung des frommen Fundamentalismus ziemlich lebensnah dargestellt wird.
Die Charaktere sind witzig und ebenso glaubhaft; Mary (Jena Malone), die allen Ernstes glaubt, ihren schwulen Freund mit Hetero-Sex bekehren zu können (und dabei prompt schwanger wird), Hilary Faye (Mandy Moore in einer großartigen Zickenrolle), die gelernt hat, ihren Glauben samt Bibel so benutzen wie andere einen Schlagring, Cassandra (Eva Amurri), die sich als einzige Jüdin an der christlichen Schule mit Dauerprovokationen zur Wehr setzt und Roland, Hilary Fayes gelähmter Bruder, gespielt von Macaulay Culkin - ja doch, genau der Macaulay Culkin, der einst als ultraniedlicher Knirps für eine wahre "Kevin"-Schwemme in deutschen Babywiegen sorgte. Warum seine Karriere seit Jahren nicht mehr läuft, versteht nach "Saved!" kein Mensch mehr - er ist klug, gefühlvoll, witzig und blitzgescheit und macht einem in dieser nicht ganz einfachen Rolle wirklich Freude.
Was ist Glaube eigentlich wirklich? fragt der Film, und wo sind Menschen aufgerufen, auf allen frommen Klimbim zu verzichten und sich an das wichtigste Gebot von allen zu halten - nämlich die Liebe? Das muss man erst lernen. Und manchmal macht einem die Angst davor, alles über den Haufen zu werfen, wovon man bisher überzeugt war, auch einen Strich durch die Rechnung... so wie bei Pastor Skip, der die Schule leitet, gerne alles richtig machen würde und gerade deshalb so oft schmerzhaft "daneben" liegt. Marys Mutter hat da schon mehr Mumm, und auch wenn das Happy End des Films vielleicht ein bisschen zu schön ist, um wahr zu sein, lohnt sich "Saved!" doch unbedingt... wenn man denn keine Angst vor Denkverboten hat und durchaus auch über die (eigenen?) Glaubensirrtümer einmal herzhaft lachen kann.